Walter Bachmann: «Unsere Alphörner gehen bis nach Übersee»
Die Familie Bachmann führt in Eggiwil im Emmental einen kleinen Bauernhof. Als Nebenerwerb betreibt Walter Bachmann zusammen mit seinem Vater ein seltenes Handwerk: Die beiden stellen pro Jahr etwa 30 Alphörner her. Für die Kühe mussten Bachmanns einen neuen Laufstall bauen. «Dieser reduziert die Präsenzzeit im Stall und bringt für die Tiere eine notwendige Verbesserung», sagt Walter Bachmann. Die Zeitersparnis kommt auch dem Alphornbau zugute.Neben dem Bauernbetrieb ist die Alphornmacherei für Sie ein wichtiges zweites Standbein. Wie bedeutend sind die Alphornmacherei und die damit zusammenhängende Bewirtung der Gäste für Ihren Hof?
«In den letzten Jahren war dieser Bereich erfreulicherweise stark zunehmend. Die Alphornmacherei und der Tourismusteil machen etwa einen Drittel der Einnahmen aus, ein Einkommen, das für unsere Familie ganz wichtig ist.»
Ihre Alphörner gehen bis nach Japan, Kanada und in die USA. Was ist speziell an Ihren Instrumenten, dass sie sich sogar international verkaufen lassen?
«Die Qualität stimmt. Die Kunden sagen uns, dass sie unsere Instrumente kaufen, weil die Tonqualität einzigartig sei. Wie sich unser Geschäft in Zukunft entwickeln wird, ist schwer zu sagen, denn es hängt von der Konjunktur ab. Wenn die Wirtschaft gut ist, können und wollen sich auch mehr Leute ein neues Alphorn leisten.»
Kann man dieses seltene Handwerk heutzutage noch erlernen?
«Eine Lehre wie in einem anderen Beruf gibt es nicht. Alphornbauer sind „Tüftler“, die ihre eigenen Methoden und Bauweisen selber herausfinden und sich Tipps von anderen Alphornmachern holen. Ich hatte auch schon Leute in der Werkstatt, die ihr Alphorn selbst bauen wollten, und gab ihnen einige Ratschläge.»
Was war Ihre bisher speziellste Erfahrung mit Kunden?
«Das Prozedere bei ausländischen Kunden, wenn sie ihr fertiges Alphorn abholen. Sie kommen oft zu zweit oder zu dritt in die Schweiz, verbringen dann etwa eine bis zwei Wochen in unserem Land und möchten natürlich auch, dass wir mit ihnen Alphorn spielen. Bevor der Kunde zurückfliegt, müssen wir das Instrument zerlegen, damit es im Flugzeug transportiert werden kann. Ein Verkauf ins Ausland bringt uns immer ein paar aussergewöhnliche, turbulente Tage.»
Auch damit Sie mehr Zeit für die Alphornmacherei investieren können, haben Sie einen Laufstall gebaut. Wie wirkt sich diese Erleichterung in Ihrem Alltag konkret aus?
«Es ist eine grosse Entlastung und gibt mir im Tagesablauf mehr Flexibilität. Dazu ein Beispiel: Kürzlich wollte ein Kunde kurzfristig abends um 18.30 Uhr vorbei kommen und den Klang eines Alphorns hören. Früher wäre das unmöglich gewesen.»
Wie häufig spielen Sie selbst und ihre Familie auf dem Alphorn?
«In der Werkstatt fast täglich, wenn ich die neuen Instrumente ausprobiere. Meistens improvisiere ich und spiele, was mir gerade in den Sinn kommt. In seltenen Fällen spiele ich zusammen mit dem Vater. Auch meine Frau und die beiden Töchter können Alphorn spielen, ihre Darbietungen hören wir aber nicht so häufig (lacht).»

«Jedes Alphorn ist eine Herausforderung»
Der 65-jährige Hansruedi Bachmann ist der Vater von Walter und hilft in der Alphornmacherei noch aktiv mit. Er vergleicht den Alphornbau mit früher und spricht über die Faszination dieses Handwerks.Sie haben die Alphornmacherei ihrem Sohn übergeben. Wie wichtig war es für Sie, dass dieses Handwerk von der nächsten Generation weiter geführt werden kann?
«Das ist für mich sehr schön zu sehen, dass sich die Werkstatt nun in der dritten Generation befindet. Auch mein Vater, der die Alphornmacherei gründete, bekam den Generationenwechsel noch mit, bevor er starb. Das war für ihn eine grosse Befriedigung.»
Was macht die Begeisterung des Alphornbaus aus?
«Ich finde es immer wieder faszinierend, dass man aus einem Stück Holz ein solch schönes Musikinstrument machen kann. Jedes Alphorn ist von neuem wieder eine Herausforderung. Das Holz ist nie ganz genau gleich. Entsprechend kann auch der Ton variieren.»
Was hat sich verändert, wenn Sie die heutige Alphornherstellung mit früher vergleichen?
«Der Klang der Alphörner ist reiner geworden. Die Tonqualität konnten wir verbessern, weil wir anderes Holz benützen. Früher stellten wir die Alphörner aus krummgewachsenen Tannen her, heute verwenden wir mehrheitlich das edlere Hasenfichtenholz.
Und: Bis in die 60er-Jahre spielte die Tonart eines Alphorns keine wichtige Rolle, da das Instrument solo eingesetzt wurde. Seither werden Alphörner in einheitlichen Grössen mit genormten Tonhöhen hergestellt. Deshalb wird das Alphorn nun auch vermehrt in der Gruppe gespielt.»
Das Projekt
Eine Zukunft für die letzten Alphornmacher im Emmental Die Alphornmacherei ist ein wichtiger Zusatzerwerb für die Bachmanns

Projektstatus: in Realisation

















