«Der Alpen-Fisch ist meine Zukunft»
Eigentlich ist Curdin Capeder Bergbauer mit Leib und Seele. Er lebt für seinen kleinen Milchwirtschaftsbetrieb. Neue Zukunftsperspektiven schafft sich der Bündner Jungbauer nun durch ein zweites Standbein: Mit kanadischen Seeforellen aus der eigenen Zucht will er die hiesige Gastronomie auf den Geschmack bringen. Dank der Unterstützung der Schweizer Berghilfe ist der Einstieg als Fischzüchter geglückt.Warum züchten Sie Speisefische?
«Ich wollte schon lange ein zweites Standbein zu meinem Milchwirtschaftsbetrieb aufbauen. Im Fernsehen habe ich einen Bericht über eine Fischzucht-Anlage in Österreich gesehen und eine Marktlücke erkannt. Denn nur zwei Prozent der in der Schweiz verkauften Fische werden auch hierzulande produziert. Schliesslich bin ich in die Nähe von Wien gereist und habe mir den dortigen Betrieb angeschaut. Das Konzept hat mich sofort überzeugt.»
Welche Bedeutung hatte die Unterstützung der Schweizer Berghilfe für Ihre Fischzucht?
«Es ist nicht leicht, ein solches Projekt zu finanzieren. Wir hatten zwar Gespräche mit Banken. Aber als kleiner KMU-Betrieb kämpft man mit hohen Zinsforderungen und fehlenden Sicherheiten. Insofern bin ich dankbar, dass die Schweizer Berghilfe uns unter die Arme gegriffen hat und die Gründung der Fischzucht ermöglichte.»
Sie züchten ausschliesslich kanadische Seeforellen. Weshalb?
«Es handelt sich um eine lachsähnliche Edelsorte, die sehr gut im Geschmack ist und ein bissfestes Fleisch hat. Zugleich ist die kanadische Seeforelle kälteresistent, was besonders wichtig ist, weil unsere Fischzucht auf 1400 m ü. M. liegt. Sie müssen wissen, dass eine gewöhnliche Forelle aufhört zu fressen, wenn das Wasser unter fünf Grad geht. Eine kanadische Seeforelle hingegen ist ein Bergfisch, der erst kurz vor dem Gefrierpunkt keine Nahrung mehr zu sich nimmt.»
Wie überwintern die Fische bei diesen kalten Temperaturen? Frieren die Becken nicht zu?
«Die Becken sind teilweise schon zugefroren. Was sicher gewährleistet sein muss, ist die nötige Sauerstoffzufuhr, sonst sterben die Fische. Deshalb ist es wichtig, genügend Frischwasser in die Becken zu leiten, damit das Wasser stets in Bewegung bleibt und sich keine durchgehende Eisdecke bilden kann.»
Wo haben Sie gelernt, Speisefische zu züchten?
«Da steckt viel Eigeninitiative dahinter, denn es gibt nur wenige Bücher zum Thema. Ich habe deshalb möglichst viele ähnliche Betriebe angeschaut, um an Erfahrung zu gewinnen. Auch zur Uni Bern habe ich Kontakt aufgenommen, weil dort über Fischzucht gelehrt wird. Das dortige Forscherteam ist sehr kompetent und ich konnte von dessen Wissen immens profitieren. Noch heute greife ich manchmal zum Hörer, wenn ich eine konkrete Frage habe.»
Welche besonderen Herausforderungen gab es zu meistern?
«Die Hauptschwierigkeit lag darin, von den Behörden überhaupt die nötigen Bewilligungen zu erhalten. Da Fischzucht als Gewerbe gilt, musste ich für den Betrieb mein Landwirtschaftsland umzonen lassen. Dies verunmöglichte aber das bestehende Raumplanungsgesetz, weil die Fischzucht weit ausserhalb der bestehenden Gewerbezone lag. Erst durch einen Kompromiss mit dem Kanton kam mein Projekt nach eineinhalb Jahren schliesslich zustande. Da brauchte es viel Durchhaltewillen.»
Wer berät Sie bei Ihrer Zucht?
«Neben der Uni Bern hilft mir im Marketing-Bereich die Hotelfachschule in Passugg: Im Rahmen eines Fachprojekts entwickelt eine Gruppe von Studenten Werbeunterlagen und Verkaufsstrategien für die Fischzucht. Zudem klären die Hotelfachschüler detailliert ab, welche Ansprüche potentielle Kunden in der gehobenen Gastronomie an unser künftiges Produkt stellen: Etwa, ob der Fisch filettiert sein muss oder wie er angeliefert werden soll.»
Wie umweltverträglich ist eine Fischzucht in den Alpen?
«Die Umweltverträglichkeit ist voll gewährleistet: Die Becken werden vom nahen Gebirgsbach mit rund 20 Litern Wasser in der Sekunde gespeist, und die gleiche Menge fliesst auch wieder ab. Dazwischen liegt ein Absetzbecken, in dem das im Teich verbrauchte Wasser eine halbe Stunde ruht, damit sich die Feststoffe wie restliches Fischfutter absenken können.»
In diesem Frühling kommen die ersten Lumbreiner Seeforellen auf den Markt. Wer sind Ihre Abnehmer?
«Wir haben Kontakt mit verschiedenen Interessenten. Ideal wären ein paar wenige Abnehmer in der gehobenen Gastronomie hier aus der Region. Mit solchen grösseren Kunden liesse sich unsere Jahresproduktion auf einen Schlag verkaufen. Zudem wäre der Aufwand beim Vertrieb geringer und ich könnte die Fischzucht noch spezifischer auf die Bedürfnisse der belieferten Betriebe abstimmen.»
Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Fischzucht gesteckt?
«Im Moment kaufe ich die Jungfische bei einem Züchter im Berner Oberland ein und betreue hier die Aufzucht. In Zukunft möchte ich auch eigene Fische züchten. Dahinter steckt auch ein ökologische Gedanke, indem ich dann ein Naturprodukt anbieten kann, das vollständig hier aus dem Val Lumnezia stammt. Ich bin überzeugt: Der Alpen-Fisch ist meine Zukunft.»
Projektstatus: realisiert
















