Beat Koch: «Wir können die Milch von über 50 Betrieben verarbeiten»
«Bei den letzten Beurteilungen erreichte unser Emmentaler 19,5 von 20 Punkten», freut sich Beat Koch. 12 bis 14 Laibe des Emmentaler AOC werden in der neuen Käserei in Mosigen täglich hergestellt. Möglich sei dies nur dank der Vergrösserung der Käserei, berichtet der engagierte Käser Koch. Die dafür geleistete Unterstützung der Schweizer Berghilfe hat bewirkt, dass sich die Milchwirtschaft im Entlebuch weiterhin lohnt.2006 wurde aus drei Entlebucher Käsereien eine. Was war der Anlass dazu?
«Das Entlebuch ist ein hartes Pflaster für kleinere Milch- und Käseproduzenten. Die Zusammenführung und Erweiterung des Käsereibetriebs in Mosigen war notwendig, um die Produktion in der Region aufrecht erhalten zu können. Nur dank der ausgebauten, leistungsfähigen Infrastruktur in Mosigen, die wir mit Unterstützung der Berghilfe finanzieren konnten, ist Käsen bei uns weiterhin rentabel. Damit haben über 50 Bergbauernfamilien auch in Zukunft ein Einkommen aus der Milchwirtschaft.»
Sie haben vom Umbau der Käserei gesprochen. Was wurde konkret gemacht?
«Wir brauchten einen grösseren Raum, um den Käsefertiger zu installieren. Dafür haben wir die Käserei um einen Produktionsraum erweitert. Dazu kamen ein neues Salzbad und auch eine neue Presse, mit der wir 14 Laibe in einer Charge herstellen können. Durch die Zusammenlegung musste einfach alles ungefähr dreimal grösser sein, um die gelieferten Milchmengen verarbeiten zu können.»
Was läuft seit dem Zusammenschluss besser?
«Wir können jetzt viel speditiver arbeiten und statt wie bisher zweieinhalb Millionen neu über vier Millionen Kilogramm Milch pro Jahr verarbeiten, und haben damit die Kapazitätsgrenze noch nicht erreicht. Dadurch sind wir zu einem leistungsfähigen Käseproduzenten geworden. Wir stellen jetzt die Mengen her, die es braucht, um in einem Gebiet wie dem Entlebuch konkurrenzfähig käsen zu können.»
Sie stellen Emmentaler mit dem Gütesiegel AOC und den Bergkäse «Echt Entlebuch» her. Welcher stellt die grössere Herausforderung für Sie als Käser dar?
«Bei der Herstellung des Emmentalers ist viel Routine im Spiel. Das sind Abläufe, die ich und meine beiden Kollegen täglich machen. Den Bergkäse stellen wir nur alle drei bis vier Wochen her, dann aber in grossen Stückzahlen. Es gibt viele Unterschiede, zum Beispiel bei den Kulturen oder beim Vorkäsen. Der wichtigste Unterschied liegt in der Portionierung. Der Bergkäse kommt in kleineren Laiben und muss anders gepresst werden.»
Welchen mögen Sie persönlich lieber?
«Ich esse zum Zmorge und zum Znacht Käse. Auf meinem Teller muss es immer von beiden Sorten haben. Ich mag das etwas Süssliche am Emmentaler genauso wie das leicht Speckig-Rezente am Bergkäse.»
Woher stammt die Milch für den Bergkäse? Wie viele Bauern liefern ihre Milch an?
«Die Milch kommt samt und sonders aus der Bergzone. Die 52 Lieferanten sind über ein ziemlich kleines Gebiet verteilt, keiner der Betriebe liegt weiter als fünf Kilometer von der Käserei entfernt. Die Hälfte von ihnen liefert die Milch direkt an uns, von den anderen wird sie täglich mit unserem eigenen Tankfahrzeug abgeholt.»
Welchen Stellenwert haben die Käserei Mosigen und der «Chäsi»-Laden für die Region?
«Ohne eigene Käserei müssten die Milchproduzenten ihre Milch an die Industrie liefern, aber alleine die Abholgebühren für die teilweise geringen Milchmengen würden das Geschäft unrentabel machen. Und es ist wichtig, dass es weiterhin Läden gibt, wo Produkte aus der umliegenden Region und für den täglichen Bedarf zu haben sind. Natürlich gehören auch die Bergbauern selber zu den Abnehmern unserer Käse.»
Welche Bedeutung hatte die Unterstützung der Schweizer Berghilfe in Ihrem Fall?
«Im Entlebuch ist es vor allem wegen der Topographie schwierig, einen Milchwirtschaftsbetrieb zu führen. Die Bergbauern können, was die Milchmengen angeht, nicht mit den Kollegen im Flachland konkurrieren. Insofern ist es für diese Bauern und für ganze Dorfgemeinschaften enorm wichtig, Unterstützung zu erhalten. Sie ermöglicht uns, die Nachteile wettzumachen.»
Wo kann man Ihren Käse beziehen?
«Wie alle Produkte mit dem Label ‹Echt Entlebuch› gibt es auch unseren Bergkäse in Spezialitätenläden in der Region. Meine Frau ist ausserdem jeden Morgen in unserem ‹Chäsi›-Laden. Wenn man sich telefonisch meldet, können wir meistens auch ausserhalb der Öffnungszeiten Kundschaft im Laden begrüssen.»
Planen Sie neue Produkte in Zukunft?
«Ja, wir überlegen uns laufend, wie wir unser Sortiment erweitern können. Aber es steckt viel Werbeaufwand dahinter, wenn man einen Käse wie zuletzt unseren Bergkäse erfolgreich verkaufen will. Versuche mit Bio-Käse haben wir schon gemacht, in Zukunft ist auch denkbar, dass wir Past-Milch oder Joghurt herstellen werden. Aber unsere Priorität liegt darin, unseren Bergkäse noch besser zu positionieren und Produktionsmengen zu steigern.»
Kontakt Familie Koch: Tel. 041 480 08 12, http://www.kaeserei-mosigen.ch/
Projektstatus: realisiert

















