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Leo Albert

«Ohne Laden zerfällt die Dorfgemeinschaft»

Als die Kühlanlage kaputt ging, bangten die Angestellten im Dorfladen der Oberwalliser Gemeinde Mund um ihre Existenz. Denn für die Reparatur fehlte das Geld. Und ohne Kühlung war an einen Verkauf von Frischprodukten wie Fleisch, Milch oder Käse nicht zu denken. Dank der Unterstützung der Schweizer Berghilfe ist der Weiterbetrieb nun gesichert. «Gerade ältere Menschen sind auf unseren Dorfladen angewiesen», weiss Leo Albert, Verwalter der Konsumgesellschaft.



Seit 1910 gibts in Mund einen Dorfladen. Weshalb braucht es ihn auch heute noch?

«Wie eine Schule, eine Post oder die Kirche gehört zu einem richtigen Dorf auch ein Lebensmittelladen. Wenn es den im Dorf nicht mehr gibt, dann zerfällt mit der Zeit die Gemeinschaft. Schliesslich geht es auch um die Solidarität gegenüber älteren Leuten. Diese haben oftmals kein eigenes Auto, sind vielleicht auch nicht mehr so gut zu Fuss und deshalb ganz besonders auf den Dorfladen angewiesen.»

Wieso wurde die Unterstützung des Dorfladens durch die Schweizer Berghilfe nötig?
«Als unsere Kühlanlage kaputt ging, wusste ich sofort, dass der Laden so nicht weiter existieren kann. Ich hatte schlaflose Nächte, denn das Geld für die Reparatur fehlte und ohne Kühlung hätten wir keine Frischprodukte mehr anbieten können. Ein Dorfladen ohne Grundnahrungsmittel hat einfach keine Zukunft.»

Die Schweizer Berghilfe hat die dringend notwendige Sanierung der Kühlanlage sowie eine Brotbackeinrichtung mitfinanziert. Was bedeutet Ihnen diese Unterstützung?
«Wir sind sehr dankbar. Die sanierte Kühlanlage ist das Herzstück des Ladens. Und mit der modernen Backstation können wir nun bis am Abend frisches Brot anbieten. Reicht die Lieferung am Morgen vom Beck nicht aus, backen wir am Nachmittag einfach nach. Dieser Service ist bei unseren Kunden sehr beliebt.»

Was schätzt die einheimische Kundschaft am Laden besonders?
«Der Dorfladen ist ein wichtiger Begegnungsort in der Gemeinde. Gerade viele ältere Menschen sind alleinstehend. Diese gehen einkaufen, um unter die Leute zu kommen oder einen Schwatz zu halten. Das spüren auch die Verkäuferinnen: Erste Priorität hat nicht, rasch den Leuten etwas zu verkaufen. Manche Kunden kommen nämlich einfach in den Laden, um etwas zu erzählen oder ihre Sorgen und Nöte loszuwerden.»

Wer sind ihre typischen Stammkunden?
«In der Regel sind das Hausfrauen und Familien. Wichtig sind uns aber auch die verschiedenen Dorfvereine. Organisieren diese einen Anlass, geben sie bei uns ihre Bestellung auf. Davon profitieren letztlich beide Seiten: Wir erhalten zusätzliche Aufträge. Und die Vereine können bei uns jene Getränke und Lebensmittel, die übrig geblieben sind, problemlos zurückgeben. Das geht beim Grossverteiler natürlich nicht.»

Was braucht es, um in einer so kleinen Ortschaft wie Mund einen Dorfladen kostendeckend zu betreiben?
«In erster Linie muss einen die Bevölkerung unterstützen. Diesbezüglich können wir uns in Mund nicht beklagen: Klar kann eine mehrköpfige Familie nicht sämtliche Lebensmittel im Dorfladen besorgen. Das wäre zu teuer. Aber es gibt viele, die bei uns zumindest ihre täglichen Frischprodukte wie Brot, Milch oder Käse einkaufen. Entscheidend ist auch, dass unsere Angestellten sich solidarisch zeigen. Sie schauen nicht strikte auf die Uhr, sondern sind flexibel, wenn dies die Arbeit bedingt. Das ist nicht selbstverständlich. Dafür bin ich dankbar. »

Was steht für die weitere Zukunft des Ladens an?
«Wir sind eine Genossenschaft: Rendite steht bei uns nicht im Vordergrund, sondern der Dienst am Kunden. Aber eins ist klar: Wir müssen auch weiterhin unsere Kosten im Griff haben und versuchen, das bisherige Angebot zu halten.»

Die Gegend von Mund ist die einzige in der Schweiz, wo Safran angebaut wird. Kann man das kostbare Gewürz auch bei Ihnen im Dorfladen kaufen?
«Ja, das ‹rote Gold› ist für uns eine wichtige Stütze im Verkauf. Tausende von Touristen kommen jedes Jahr nach Mund wegen dem Safran. Wir haben deshalb im Laden eine Safran-Ecke eingerichtet. Dort zeigen wir der Kundschaft mit Plakaten und Broschüren, wie sich die kostbare Krokuspflanze übers Jahr entwickelt und bieten auch diverse Produkte an. Zum Beispiel unsere Safran-Nudeln, die eine Teigwaren-Fabrik in Goms für uns herstellt. Oder ein Safran-Brot, welches wir auf Bestellung das ganze Jahr hindurch offerieren.»

 

Projektstatus: realisiert

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Laden
Ältere Dorfbewohner sind besonders auf den Laden angewiesen.
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