Sta. Maria Val Müstair (Graubünden)
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Sta. Maria Val Müstair/GR: «Wir haben alles auf den Kopf gestellt»


Gabriella Binkert: «Bald haben wir in der Handweberei genug Raum für Webkurse»
Finanzielle Probleme bedrohten 2006 die Existenz der Handweberei Tessanda in Santa Maria/GR. In der Zwischenzeit haben die Verantwortlichen die Betriebsstruktur angepasst und die Produktepalette erneuert. Ab Sommer 2010 kann die Handweberei – eine der letzten in der Schweiz – auch das ausgebaute Kellergewölbe für Ausstellungen und Webkurse nutzen. «Fürs Val Müstair bedeutet das ein interessantes touristisches Angebot, für uns bringt es zusätzliche Einnahmen», betont Gabriella Binkert, seit drei Jahren Präsidentin der Stiftung Tessanda.
Wie gelang es, die Handweberei wieder auf eine wirtschaftlich stabile Basis zu stellen?
«Die Phase der akuten Geldnot haben wir dank Gönner- und Sponsorenbeiträgen sowie der Anpassung unserer Betriebsstrukturen fast überwunden. Wir haben die Produktivität erhöht, die Lager abgebaut und vor allem neue Produkte lanciert, die verkaufsfähig sind. Heute sind wir sehr kundenorientiert.»
Wie bringen Sie die Produkte an die Leute?
«Gegenwärtig verkaufen wir die meisten Produkte in unserem lokalen Geschäft. Diese Beschränkung ist zu gross. Wir wollen landesweit Wiederverkäufer finden, die unsere Waren lagern und aktiv verkaufen. Darum nehmen wir an Messen für Wiederverkäufer teil, damit wir ein Verkaufsnetz aufbauen können.»
Welche Produkte sind besonders beliebt?
«Dazu gehören unter anderem Küchenwäsche wie moderne Tischläufer, Tischsets und Servietten. Gefragt sind zudem unsere naturfarbene Badezimmerwäsche, Wollenteppiche, Übergangsjacken und Krawatten. Zu unseren Rennern zählen auch Schals und Taschen.»
Welche Bedeutung hat die Handweberei für das Val Müstair?
«Die Tessanda ist mit ihrem traditionellen Handwerk wirtschaftlich und kulturell wichtig. Wir bieten Arbeitsplätze, verkaufen Produkte und beleben indirekt den Tourismus. Viele Kunden aus dem Unterland, die bei uns zum Beispiel Vorhänge anfertigen lassen, reisen zu uns, übernachten hier im Dorf und konsumieren.»
Sie sind auch Geschäftsführerin der Biosfera Val Müstair. Wie lauten die Ziele der Biosfera?
«Wir wollen die Wertschöpfung im Val Müstair erhöhen und die Nachhaltigkeit des lokalen Gewerbes fördern. Das können wir nur, wenn wir uns zusammenschliessen und unsere Produkte gemeinsam vermarkten und verkaufen. So schaffen wir eine wirtschaftliche Basis, welche die Existenz für nächste Generationen sichern kann.»
Wie profitiert die Tessanda vom gemeinsamen Dach der Biosfera?
«Wir treten beispielsweise unter dem Namen Biosfera gemeinsam an Messen auf. Ein weiteres Beispiel: Zusammen mit Schweiz Tourismus haben wir für Touristen neue Pauschalangebote geschnürt. Ein Bestandteil davon ist, dass die Tessanda für Hotels praktische Beutel für Lunch-Pakete liefert.»
Die Schweizer Berghilfe unterstützt den Ausbau des Kellergewölbes zu einem Kurs- und Ausstellungsraum. Was versprechen Sie sich von diesem Ausbau?
«Die erwähnten touristischen Pauschalangebote beinhalten unter anderem einen eintägigen Webkurs. Diese Leistung, die uns wichtige Zusatzeinnahmen bringt, können wir nur mit dem ausgebauten Kellerraum anbieten. Zudem haben wir im Kellergewölbe bald auch genug Platz, unsere Handweberei-Produkte in einem attraktiven Umfeld zu präsentieren. Aber es wäre unmöglich gewesen, das Projekt zu realisieren, wenn sich die Schweizer Berghilfe nicht finanziell beteiligt hätte.»
Wann beginnt der Ausbau?
«Schon im Januar. Bis im Juni oder Juli müssen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, damit wir für den Sommertourismus bereit sind.»
Tessanda Manufactura, Santa Maria/GR: Tel. 081 858 51 26
Projektstatus: realisiert





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