Vom initiativen Käser profitiert das ganze Dorf
Im Urnerland ist Hans Aschwanden bekannt als tüchtiger Unternehmer. Mit seinem Seelisberger Käse verzückt er ausser seinen Stammkunden auch Gäste aus nah und fern. Für das schön gelegene Dorf am Vierwaldstättersee ist der Käser ein Segen. Bald will er seine Produkte auch im Ausland absetzen.Unweit des Rütli führt Hans Aschwanden zusammen mit seinen Eltern und seiner Frau eine Käserei. Aschwandens käsen bereits in der dritten Generation in Seelisberg. Der momentan am Ruder – oder besser: am Chäschessi – stehende Spross der Familie ist ein Mann, der um gute Ideen nie verlegen ist. Die Schweizer Berghilfe hat den jungen Käser 1999 beim Neubau des Wohnhauses und 2004 bei der Erneuerung der Käserei unterstützt. Der frühere Produktionsraum im Keller des Wohnhauses war eng, dunkel und veraltet, das in die Jahre gekommene Haus selbst dringend renovationsbedürftig. Der gegenüber einer Totalsanierung billigere Neubau des Hauses ermöglichte gleichzeitig die Einrichtung eines modernen Käsereiraums: Eine entscheidende Voraussetzung für eine effiziente Produktionsweise und den Direktverkauf im eigenen Laden.
Heute stellt Aschwanden aus 850'000 kg frischer, silofreier Milch von 17 Bauern jedes Jahr 80'000 kg Käse her. «Ich habe die Produktion gegenüber dem Jahr 1996, als ich den Betrieb übernahm, beinahe verdoppelt», erklärt der Käser. «Eine weitere Produktionssteigerung ist absehbar.» Als fairer Partner bezahlt Hans Aschwanden den Bauern einen deutlichen höheren Milchpreis als die Grossproduzenten: «Ich bin daran interessiert, dass es den Landwirten, die mich beliefern, gut geht. Sie sollen ihren Betrieb auf einer sicheren Basis führen können. Die Unterstützung der Schweizer Berghilfe gebe ich so an die Bauern weiter.»
Doch nicht nur die Landwirtschaft profitiert. Die florierende Käserei Aschwanden schafft auch Arbeitsplätze und lockt Besucher an: Ein Beispiel dafür, wie der Erfolg eines von der Schweizer Berghilfe unterstützten Projekts einem ganzen Dorf zugute kommt.
Käsen im Geist des Urgrossvaters
Zu den Geheimnissen des Seelisberger Käses gehört, dass die Milch unbehandelt und nicht erhitzt verarbeitet wird. «Im Prinzip arbeite ich mit denselben Methoden wie mein Urgrossvater. Mein Käse hat einen abgerundeten, würzigen Geschmack und übertrifft daher die meisten pasteurisierten Produkte. In ihm schmeckt man die ganze biologische Vielfalt unserer Wiesen.» Dass der Urner Käser sein Metier versteht, zeigt sich an den zahlreichen, auch internationalen, Auszeichnungen, die er erhalten hat. So wurde ihm unlängst eine Silbermedaille der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft verliehen.Ausser dem Hauptprodukt Seelisberger Käse entsteht in seinen Chessi auch Klewenalp- und Neatli-Käse. Die aus der Käseherstellung entstehende Molke verfüttert er an seine Schweine. Der Käse wird über verschiedene Kanäle abgesetzt: Ein Teil wird im eigenen Laden verkauft. Rund ein Drittel seines schmackhaften Bergprodukts geht in Lebensmittelgeschäften im Kanton Uri über den Ladentisch. Im Mittelland wird der Käse über die Grossverteiler abgesetzt. Die Kunden haben aber auch die Möglichkeit, die Produkte bequem via Internet zu bestellen. Die Lieferung ins Haus erfolgt per Post. Von diesem Versand profitiert die Poststelle der 600-Seelen-Gemeinde Seelisberg, die unter anderem dank dem Käser weiterbesteht.
Ein Beitrag zur Lebensqualität
Mit einem speziellen Angebot lockt der initiative Unternehmer Touristen an und macht gleichzeitig Werbung in eigener Sache: Besucher können ihm bei der Arbeit durch ein Schaufenster über die Schulter schauen oder bei einer Betriebsführung Wissenswertes zur Käseherstellung erfahren. Die Einträge im Internet-Gästebuch des Bergkäsers zeugen von der Begeisterung der Gäste, denen der Rundgang und die Käsedegustation unvergesslich bleibt. «Wir können nur empfehlen: Fahrt oder wandert hin, schaut und kostet...nehmt so viel Käse wie ihr tragen könnt und schmelzt dahin!» schreibt eine Besucherin aus Deutschland. Dass die Touristen, die er anzieht, auch dem lokalen Gewerbe Umsatz bringen, ist sich Aschwanden sehr wohl bewusst. Nebenbei amtet der Käser nämlich als Präsident von Seelisberg Tourismus: «Wir möchten unseren Gästen ein ganzheitliches Erlebnis bieten. Dazu gehört nicht nur unsere schöne Berglandschaft, sondern auch der Genuss lokaler Produkte.»Die Käserei Aschwanden ist auch ein wichtiger Arbeitgeber in Seelisberg. Da die 450-Stellenprozente nicht mehr ausreichen, wurde kürzlich eine neue Arbeitskraft angestellt. Als Zweck seiner Tätigkeit sieht der Familienvater Aschwanden nicht bloss den eigenen Profit. «Ich will etwas zur Lebensqualität in unserem Dorf beitragen.» Ein Ende der Erfolgsgeschichte scheint nicht in Sicht. Zurzeit arbeitet Aschwanden daran, den Käseversand nach Deutschland auszuweiten, wo sich herumgesprochen hat, dass in Seelisberg ein besonders feiner Käse hergestellt wird. Auch in seine Anlagen will er weiter investieren: Geplant ist ein Käsekeller mit natürlicher Klimatisierung. «Ich habe noch viele Ideen», schmunzelt der Bergkäser.
Projektstatus: realisiert

















