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Fritz von Känel: «Wir kehren mit 2½ Tonnen Alpkäse ins Tal zurück»

«Ich habe ein gutes Gefühl», verrät der 53-jährige Senn Fritz von Känel, auf die Qualität des diesjährigen Berner Alpkäses AOC angesprochen, «aber Gewissheit haben wir erst in einem halben Jahr, wenn der Käse ‚reif‘ ist». Neben den täglichen Herausforderungen auf der Alp Hohkien haben er und seine Frau Barbara auch die Umstellung von Gas auf Holz in der «Chäsi» schnell gemeistert.

Der Alpsommer geht zu Ende. Mit welchen Gefühlen kehren Sie auf Ihren Hof nach Aeschiried zurück?
«Es war ein schöner Sommer auf Hohkien, mit vielen warmen Tagen. Es ist auf jeden Fall gut, dass er nicht ‚über Nacht‘ zu Ende geht. Wir sind noch einige Wochen in der unteren Hütte, wo wir im gleichen Rhythmus weiterarbeiten und uns vom Alpsommer langsam verabschieden können.»

Was bleibt Ihnen von diesem Sommer besonders  in Erinnerung?
«Im Moment sind die Ereignisse der letzten Tage besonders präsent: Ein Rind starb, als es in eine Felsspalte fiel. Sein Körper war bald derart aufgebläht, dass es selbst mit dem Helikopter kaum zu bergen war. Das hat mich sehr betroffen gemacht, denn normalerweise sind diese Spalten kein Problem. Auf der Alp kann immer etwas passieren: Unfälle, ein Unwetter, Krankheiten. Während einiger Jahre gab es glücklicherweise gar keine Zwischenfälle. Wichtig ist, dass man sich zu helfen weiss.»

Erstmals haben Sie in der neuen Käserei mit Holz gefeuert. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
«Ich bin froh, dass alles rund gelaufen ist. Beim Feuern mit Holz ist das Dosieren die grösste Herausforderung: Schon nach der ersten Woche hatten wir es im Griff, wie viel wir einfeuern müssen, damit es für das Erhitzen der Milch, das Warmwasser und auch für das Nachwärmen des Lagerraums genau aufgeht. Das Problem ist also, nicht zu viel zu heizen und dadurch Holz zu verschwenden aber natürlich auch nicht zu wenig. Denn schon beim ersten Laib, den wir am 1. Juli machten, musste die Einhaltung der AOC-Kriterien garantiert sein.»

Wovor hatten Sie zu Beginn am meisten Respekt?
«Respekt ist das falsche Wort, aber besonders im Auge wollte ich die Absauganlage behalten. Diese haben wir ja zusammen mit dem neuen Holzofen installiert. Sie transportiert die Milch direkt vom Stall in die ‚Chäsi‘. Bei Leitungen von 40 bis 50 Metern Länge besteht immer das Risiko, dass sich Keime festsetzen.»

Wie hat sich der Wechsel vom Gas zurück zum Holz auf den Alpalltag ausgewirkt?
«Es ist arbeitsintensiver als früher, was uns auch von Anfang an bewusst war: Holz im Tal bereit stellen, mit der Seilbahn hochführen und bei der Alphütte dann hacken, das alles sind zusätzliche Aufgaben. Dann hatten wir das Pech, dass sich unsere Hilfskraft während des Sommers am Kreuzband verletzt hat. Zum Glück konnte sie aber das Holzhacken übernehmen, während ich dafür mehr als sonst üblich auf den Weiden unterwegs war und bei den Rindern und den Schafen zum Rechten schaute.»

Sind Sie zufrieden mit dem Ertrag dieses Alpsommers?
«Sehr sogar. Dank des warmen Wetters und entsprechend viel Gras und Alpkräutern haben die Kühe mehr Milch als je zuvor gegeben. So werden wir schätzungsweise auf zweieinhalb Tonnen Käse kommen. Auch was die Qualität angeht, habe ich ein gutes Gefühl. Zwei Käselaibe habe ich zur Probe angebohrt und das Resultat war vielversprechend. Gewissheit habe ich aber erst im Januar oder Februar, wenn der Käse ein halbes Jahr alt ist.»

Sie hatten die meisten Kühe auf der Alp. Was werden Sie mit dem Käse machen, der Ihnen zusteht?
«Das ist immer eine schwierige Entscheidung. Wenn ich grosse Mengen aufs Mal an einen Händler verkaufe, erziele ich zwar nur einen relativ kleinen Preis, dafür ist mein Aufwand auch geringer als wenn ich den Käse direkt, zum Beispiel auf dem Markt, verkaufe. Ich werde also beides machen.»

Jetzt kehren Sie wieder in die «Zivilisation» zurück?
«Ganz ‚von der Welt‘ waren wir dann doch nicht. Viele Leute haben uns auf der Hohkien besucht und auch bei uns im Matratzenlager übernachtet. Es hat sich wohl herumgesprochen, wie gut Barbara kocht! Auch einige alte Freunde, die schon lange einmal vorbeischauen wollten, konnten wir bewirten. Da bleiben schöne Erinnerungen zurück.»


Projektstatus: realisiert

Bilder zum Projekt

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Alp Hohkien
Senn Fritz von Känel ist beim Zäunen in der zerklüfteten Umgebung der Alp gefordert.
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