Sven Baumgartner: «Alp-Ziegenkäse ist gefragt»
Mangels grösserer Ziegenalpen mussten viele St. Galler Ziegenhalter ihre Tiere Sommer für Sommer zum Weiden auf entfernte Bündner Alpen bringen. Jetzt kann sich der Verein «Ziegenfreunde» über eine gelungene Premiere auf der heimischen Alp Malschüel freuen: «Dank grossem Einsatz und Unterstützung konnten wir die Alp rechtzeitig von Kuh- auf Ziegenhaltung umstellen», sagt Alpleiter Sven Baumgartner.
Wie war die erste Saison auf der Ziegenalp Malschüel?
«Es war ein grossartiger erster Sommer. Ich bin sehr froh, dass unser Projekt einer grösseren St. Galler Ziegenalp endlich nicht mehr nur auf dem Papier besteht, sondern Realität geworden ist. Vieles lässt sich nicht planen. Umso zufriedener sind wir, dass eigentlich alles voll aufgegangen ist.»
Wie gelang es Ihnen, ohne Erfahrungen vom Vorjahr erfolgreich zu arbeiten?
«Wir mussten manchmal schon improvisieren. Wie lange zum Beispiel eine Tagweide für die Ziegen genügend Futter hergibt, lässt sich im Vornherein halt nicht sagen. Unser Hirt musste auch früher als geplant in den oberen Teil der Alp ausweichen. Dafür konnten wir die Nachtweiden, wo sich die Ziegen ohne Aufsicht durch den Hirten aufhalten, wie geplant einzäunen.»
Wie lange suchten Sie im Kanton nach einer passenden Alp für die Ziegen?
«Insgesamt etwa drei Jahre. Unser Problem war, dass wir eine ziemlich grosse Alp benötigten. Um den Alpbetrieb rentabel zu führen, mussten wir von einer Zahl von mindestens 150 Ziegen ausgehen. Viele Alpen in St. Gallen sind dafür zu klein. So blieb uns in der Vergangenheit nichts anderes übrig, als ins Bündnerland auszuweichen.»
Die Unterstützung der Schweizer Berghilfe war nötig, um einen bestehenden Kuhstall in einen Ziegenstall umzubauen. Wie hat sich das bewährt?
«Ohne die Schweizer Berghilfe wäre der Umbau heute noch ein Plan auf dem Papier. Unseren Verein ‹Ziegenfreunde› gibt es erst seit fünf Jahren, und wir verfügen über keine Ersparnisse, auf die wir hätten zurückgreifen können. Zum Glück konnten wir aber viele der anstehenden Arbeiten selber ausführen. So haben wir insgesamt rund 500 Arbeitsstunden investiert, um den Umbau fertigzustellen.»
Was war die grösste Herausforderung für Sie als Alpleiter?
«Das wichtigste war, den Vertrieb unseres Alp-Ziegenkäses sicherzustellen. Ich kann behaupten, dass das sehr gut gelungen ist. Nach vier bis fünf Wochen konnten wir die ersten Alp-Ziegenkäse zur Degustation und Verkauf anbieten. Offensichtlich hat es den Leuten geschmeckt, denn im Verlauf des Sommers sind zahlreiche Läden der Region zu unseren Abnehmern geworden. Es hat sich gezeigt, dass unser Produkt von den Kunden nachgefragt wird.»
Was für Käse haben Sie hergestellt?
«Wir produzieren auf Malschüel Halbhart- und Hartkäse. Damit füllen wir eine Marktlücke, denn es ist immer noch die Regel, dass Ziegenmilch zu Weichkäse verarbeitet wird. Aber die Rückmeldungen der Verkäufer haben uns wie gesagt darin bestärkt, auf diese Karte zu setzen.»
Wie lief der direkte Verkauf an? Ist die Alp Malschüel für Lauf- bzw. Wanderkundschaft gut gelegen?
«Im ersten Jahr haben wir den direkten Verkauf bewusst nicht forciert. Dennoch gab es immer wieder Wanderer, die auf dem Weg von Buchs zum Alvier bei uns eine Rast einlegten und Käse kauften. Auch Einheimische kamen vorbei, weil sie von der neuen Ziegenalp gehört hatten. Die wollten dann ihren ‹Gwunder› und auch ihren Hunger bei uns stillen.»
Sie erwarteten einen Ertrag von rund zwei Tonnen Alp-Ziegenkäse am Ende des Sommers. Lagen Sie damit richtig?
«Unsere Prognose traf ziemlich genau zu – am Schluss waren es 24 500 Liter Milch, die wir verarbeitet haben. Dass es sogar noch etwas mehr wurde als gedacht, ist der guten Vegetation zuzuschreiben. Die Milchleistung war auch höher als auf anderen Alpen in der Vergangenheit, wobei man diese Zahlen nicht ohne Weiteres miteinander vergleichen kann. Da spielen viele Faktoren eine Rolle, beispielsweise das Wetter.»
Projektstatus: realisiert
















