Vreni Stucki: „Die Alp ist abgelegen, aber ich will es nicht anders haben“
Die Alpzeit auf Chuelouenen im Berner Simmental ist für Vreni Stucki eine Zeit der Freude, aber auch der Entbehrungen. Dank der Unterstützung durch die Schweizer Berghilfe konnte sie eine neue Wohnhütte bauen. In ihrem 41. Alpsommer hatte sie nun endlich einen trockenen Platz zum Schlafen.
Frau Stucki, Sie sind nun seit gut drei Monaten auf Ihrer Alp Chuelouenen. Waren Sie in dieser Zeit einmal im Tal unten?
Nein, solange hier alles in Ordnung ist, gibt es für mich keinen Grund, die Alp zu verlassen.
Also ist bisher alles gut gelaufen?
Ja, wir können zufrieden sein. Auch das trübe Wetter im Juni und Juli hat uns nicht geschadet. Weil der Boden hier sehr steinig ist, läuft das Wasser gut ab. Das Gras kann weiterhin gut wachsen, und weil es nirgends einen Sumpf gibt, bekommen die Rinder auch keine Probleme mit den Klauen. Für uns Menschen war es natürlich weniger angenehm als in schöneren Sommern.
Dann kam Ihnen das neue Wohnhäuschen, das sie mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe bauen konnten, ja gerade richtig.
Ja, ich bin sehr froh darüber. Besonders bei schlechtem Wetter war der Keller, in dem ich in den vergangenen Jahren geschlafen habe, kalt und feucht. Mir geht es gesundheitlich besser, seit ich im neuen Häuschen schlafe. Auch wenn meine Töchter und die Enkel auf die Alp kommen, haben nun endlich alle genügend Platz, und niemand muss in einem Zelt oder im Stall schlafen.
Dann waren Sie also nicht die ganze Zeit alleine hier oben mit Ihrem 81-jährigen Vater?
Meine Enkel hätten von mir aus schon noch etwas mehr hier sein können (lacht). Aber im Ernst, ich habe viel Besuch bekommen. Die Jungen sind immer wieder mal raufgekommen um zu helfen. Und auch sonst sind wir ja nicht ganz alleine hier. Dieses Jahr sind viel mehr Wanderer vorbeigekommen als sonst. Das bringt immer wieder eine Abwechslung, und manchmal ergeben sich richtig spannende Begegnungen. Erst kürzlich habe ich beispielsweise Post aus Köln erhalten. Von einer Frau, die sich hier im Frühsommer bei mir auf dem Bänklein vor der Alphütte ausgeruht hat. Ihr Mann hat damals Fotos gemacht und mir einige davon geschickt. Das hat mich sehr gefreut.
Am 8. Oktober geht es wieder runter ins Tal, dieses Datum haben Sie ja schon vor Beginn der Alpsaison festgelegt. Bleibt es dabei?
Sicher. Wenn ich nicht schon vor der Alpzeit einen fixen Termin für den Alpabzug bestimmt hätte, an den ich mich auch halte, würde ich wohl bis im tiefsten Winter hier oben bleiben. Die Alp ist einfach mein Leben.
Was werden Sie denn vermissen, wenn Sie wieder im Tal sind?
Die Stille, die schöne Landschaft, der Blick aufs Stockhorn. Es hat zwar viele Nachteile, dass es einen dreiviertelstündigen Fussmarsch braucht, um Chuelouenen zu erreichen, aber ich möchte es trotzdem nicht anders haben. Es wäre nicht mehr das gleiche, wenn man einfach so mal schnell mit dem Auto hinauf fahren könnte.
Gibt es auch etwas, worauf Sie sich freuen?
Jetzt noch nicht. Aber wenn hier oben der erste Schnee kommt, dann sehne ich mich schon auch wieder nach dem Betrieb im Tal, wo die Stallarbeit einfacher geht, und man nicht dauernd nach draussen muss.
Projektstatus: realisiert




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