Robert Mosimann: «Auf dem Markt höre ich die Wünsche der Kunden»
«Mit dem Gemüseanbau stehen wir weitherum allein auf weiter Flur», sagt Robert Mosimann. Der Bergbauer aus Oberfrittenbach/BE hat seinen Hof konsequent von Milchwirtschaft auf Gemüseanbau umgestellt. Die Schweizer Berghilfe unterstützte den Bau eines Verarbeitungs- und zweier Kühlräume, die für den Gemüsebetrieb nötig waren.Wie kam es dazu, dass Sie von Milchwirtschaft auf Gemüseanbau umgestellt haben?
«Um vom Verkauf der Milch zu leben, war unser Betrieb zu klein. So habe ich eine Zeit lang als Glockengiesser gearbeitet, daneben aber bereits Gemüse angebaut. Diese Nebensache wurde immer mehr zur Hauptsache. Als das Hin und Her zwischen dem Hof in Oberfrittenbach und meinem Arbeitsplatz in Bärau zu einem ständigen ‹Jufle› wurde, war es an der Zeit, uns ganz dem Gemüse zu widmen.»
Haben Sie sich vor der Umstellung weitergebildet?
«Meine Frau Doris und ich hatten schon eine gewisse Erfahrung, als wir uns entschlossen, ganz auf die Karte ‹Gemüse› zu setzen. Sobald der Entschluss stand, nahm ich an einigen Kursen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau im Berner Seeland teil. So erfuhr ich von Gemüsebauern Neues über die Fruchtfolge verschiedener Kulturen und den Einsatz von Dünger.»
Eignet sich Ihr Hof speziell gut für den Gemüseanbau?
«Ja, der Schwandacker ist sehr günstig gelegen. Das Gelände ist nämlich schön zur Sonne hin ausgerichtet. Ausserdem werden die kühlen Winde wegen der Hanglage ins Tal abgelenkt, was sich für die Kulturen positiv auswirkt.»
Inwiefern mussten Sie Ihren Hof dem neuen Geschäft anpassen?
«Gleich als Erstes haben wir zwei Folientunnel erstellt, damit der Salat die bestmöglichen Bedingungen hat. Wir brauchten einen kleinen Bus und den Marktstand, denn von Anfang an war klar, dass unser Geschäft nur mit dem Direktverkauf möglich sein würde. Um das Gemüse vor der Marktfahrt zu lagern, haben wir im Keller einen Kühlraum eingerichtet. Der war aber gerade mal zwei auf zwei Meter gross – und damit viel zu klein.»
Was wäre passiert, wenn die Schweizer Berghilfe Sie nicht beim Bau grösserer Kühlräume und eines Verarbeitungsraums unterstützt hätte?
«Ohne die Bauten hätten wir nicht weitermachen können. Dank der Schweizer Berghilfe haben wir jetzt zwei genügend grosse Kühlräume und einen praktischen Verarbeitungsraum. Wir können somit unter idealen Voraussetzungen arbeiten, um unser Qualitätsgemüse auch in der nötigen Menge zu lagern und zu ‹rüsten›.»
Worin unterscheidet sich der Gemüseanbau im Berggebiet von dem im Unterland?
«Vor allem in der Dauer der Haupt-Anbausaison. Im Vergleich zum Unterland beginnen wir im Frühling rund drei Wochen später und hören im Herbst zwei Wochen früher auf. Aber auch wenn wir gleich lange die Beete bestellen könnten wäre der Ertrag hier oben nie gleich gross wie zum Beispiel im Berner Seeland.»
Was machen Sie ausserhalb der Hauptsaison?
«Wir produzieren das ganze Jahr hindurch, einfach in eingeschränkter Form. Im Winter kommen Zuckerhut, Endivien und natürlich der Nüsslisalat an die Reihe, zudem auch seltenere Gemüse wie Pastinaken und Peterliwurzel. Und genau wie in der restlichen Zeit fahren wir auch im Winter auf den Markt.»
Wie hat sich Ihre Produktepalette seit dem Beginn entwickelt?
«Wir hatten von Anfang ein sehr grosses Sortiment. Mit den Kohlsorten haben wir aber bald einmal aufgehört, weil sie eine ganz eigene Fruchtfolge haben, die sich nicht mit der anderer Gemüse in Einklang bringen liess.»
Was bedeutet Ihnen der direkte Kontakt mit den Kunden auf dem Markt?
«Der ist mir sehr wichtig. Es ist motivierend, wenn mir die Kunden sagen, dass das Gemüse von ‹Bio-Röbu› besonders frisch und lange haltbar sei. Ausserdem ist zu vielen Stammkunden, in Langnau und in Burgdorf, eine persönliche Beziehung entstanden. Ich nehme gerne auch Wünsche und Anregungen entgegen. Das hat dazu geführt, dass wir mit Gemüsesorten begonnen haben, die es andernorts nicht mehr gibt: Federkohl, Rondini oder Stangenbohnen sind so in unser Sortiment gekommen.»
Gibt es auch Trends, auf die Sie auf diesem Weg reagieren können?
«Ja, die Kürbisse sind dafür ein gutes Beispiel. Bis vor Kurzem waren sie der grosse Renner, jetzt gibt es sie bald an jeder Strassenecke. Wir pflanzen deshalb weniger an, und mit den Zierkürbissen haben wir ganz aufgehört. Auf der anderen Seite sind wie gesagt seltene Gemüsesorten immer beliebter.»
Der Gemüseanbau ist extrem wetterabhängig. Wie gehen Sie damit um?
«Gegen die Wetterschwankungen kann man nun mal nichts machen. Wir waren in der Vergangenheit vom Glück begünstigt, aber gerade erst im Juli hat es derart stark gehagelt, dass alles ausserhalb der Folientunnel kaputt ging. Wir werden jetzt den Salat nochmals setzen und auch Zuckerhut, aber die Arbeit des Sommers ist halt trotzdem zunichte
gemacht. »
Welche Ziele wollen Sie noch verwirklichen, ehe Ihr Sohn den Betrieb übernimmt?
«Ich möchte weiterhin die Qualität halten, die wir dank der Unterstützung der Schweizer Berghilfe jetzt erreicht haben. Die Ernte, die wir im Moment einfahren, reicht aus, um uns ein Einkommen zu ermöglichen. Aber damit das so bleibt, werden wir unser Angebot laufend anpassen, bis ich eines Tages, wenn meine Enkelkinder etwas grösser sind, den Betrieb an meinen Sohn übergeben kann. Auch den Ausbau des Wohnbereichs müssen wir bis dann noch realisieren.»
Projektstatus: realisiert


















