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Giorgio Speziale: «Ich habe sehr viel Arbeit in die Alp Robiei investiert»

Zusammen mit drei Angestellten bewirtschaftet Giorgio Speziale die Alp Robiei im Maggiatal. Dort stellt der initiative Tessiner Bergbauer auch seinen besonderen und begehrten Alpkäse her. Dank einem neuen Alphaus kann diese Erfolgsgeschichte weitergehen und ist die künftige Bewirtschaftung der Alp gesichert. «Ohne die erneuerte Infrastruktur hätte ich die Arbeit hier oben aufgegeben», sagt der Familienvater.

Wie kamen Sie zu der Alp Robiei?

«Ich stamme selber aus dem Maggiatal und kam in jungen Jahren mit dem Alpleben in Berührung. Mein Vater führte im Sommer jeweils eine Alpwirtschaft, wobei ich ihm half. Nach meiner Lehre als Elektrozeichner entschloss ich mich, in Bignasco mit der Berglandwirtschaft zu beginnen. Sommers ging ich auf eine Alp in der Leventina. Nach einigen Jahren wurde ein Älpler für die Alpe Robiei gesucht. Da bewarb ich mich, denn ich wollte immer zurück in mein Tal. An der Alp liebe ich die Ruhe und die Arbeit mit den Tieren. Hier oben herrscht kein Stress, und es ist im Sommer nicht so heiss wie im Tal.»

Welche Vorteile bringt das neue Gebäude auf der Alp Robiei?
«In dem Alphaus sind Wohnung und Käserei endlich unter einem Dach vereint. Bisher war die Käserei in einem Container untergebracht, von dort bis zur Unterkunft war es ein langer Weg. Die Einrichtungen waren sehr einfach, bei Regen wurde es feucht in der Hütte. Strom gab es nicht, und als Toilette diente ein mobiles Provisorium. Nun sind nicht nur die Wohnverhältnisse viel besser, wir haben endlich auch eine Käserei mit einer den Hygienestandards entsprechenden Einrichtung. Ich hoffe, dass es nun  auch einfacher wird, Personal zu finden, was nämlich zusehends eine Herausforderung darstellt. Ohne die erneuerte Infrastruktur hätte ich die Arbeit hier oben aufgegeben.»

Welche Bedeutung hat die Unterstützung der Schweizer Berghilfe für die Erneuerung?
«Ohne die Schweizer Berghilfe hätte das Alphaus nicht gebaut werden können. Das Patriziat von Bignasco hat in den letzten Jahren viel Geld in die Alp Robiei investiert. Diese wurde 40 Jahre lang nicht mehr genutzt, weshalb die Infrastruktur neu erstellt werden musste. Der Bau des Alpgebäudes hätte die finanziellen Mittel der Bürgergemeinde aber bei weitem überstiegen.»

Wie war der Alpsommer 2008?
«Insgesamt gut. Wir haben so viel Käse produziert wie noch nie in den letzten zehn Jahren. Das liegt daran, dass es häufig geregnet hat, was zu viel Gras und einer hohen Milchmenge geführt hat. Gleichzeitig war das schlechte Wetter unangenehm bei der Arbeit. Auch haben wir wegen des schlechten Wetters weniger Käse an Touristen verkaufen können. Wir können unsere Produkte aber problemlos auch so restlos absetzen.»

Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Tag und welche Tätigkeit machen Sie am liebsten?
«Ich arbeite täglich zwischen 12 und 15 Stunden. Meine Lieblingstätigkeiten sind das Käsen und das Ziegenmelken. Das Käsen macht mir Freude, da ich hier die Früchte meiner Arbeit direkt vor Augen habe. Das Schöne am Ziegenmelken ist der Kontakt mit den Tieren. Diese kommunizieren mit mir, indem sie mich stupfen oder kratzen. Ich merke sofort, wie es ihnen geht. Die Ziegen erlebe ich als sehr freundliche Tiere.»

Welche Arbeit erledigen Sie am wenigsten gern?
«Die Käsepflege. Die sechs Kilogramm schweren Käselaibe müssen jeden Tag mit einem Tuch gereinigt  und gewendet werden. Eine äusserst harte, aber notwendige Arbeit, die im Käsekeller stattfindet und rund zwei Stunden in Anspruch nimmt. »

Was geschieht mit den Kühen und Ziegen während eines Gewitters?
«Den Kühen machen Unwetter nicht viel aus. Die Ziegen hingegen haben Regen gar nicht gern und suchen Schutz. Leider haben wir auf der Alpe Robiei weder schützende Bäume noch Felsen, und auch keinen Unterstand. Das bedeutet auch, dass wir bei Regen im Freien melken müssen. Das ist nicht nur deshalb unangenehm, weil wir dabei tropfnass werden, sondern auch, weil man sehr aufpassen muss, dass möglichst kein Wasser in die Milch fliesst.»

Ihr Käse verkauft sich gut. Wie kamen Sie auf die richtige Mischung von Ziegen- und Kuhmilch?
«Durch Ausprobieren. Mein Käse besteht aus 30 Prozent Ziegen- und 70 Prozent Kuhmilch. Ausgehend von einem Rezept meines Vaters, habe ich an der Mischung so lange getüftelt, bis der Käse mir schmeckte. Wie der Absatz zeigt, habe ich damit den breiten Geschmack getroffen.»

Wie vermarkten Sie Ihren Robiei-Käse?
«In den ersten Jahren war ich jeweils an Tessiner Weihnachtsmärkten präsent. Zusätzlich bot ich meine Produkte den Inhabern von Restaurants und Läden persönlich an. Sehr gutes Marketing war für mich, dass ich für meinen Käse mehrmals kantonale Auszeichnungen erhielt. Heute muss ich keine Werbung mehr machen. Die Nachfrage nach Robiei-Käse ist so gross, dass ich jedes Jahr ein paar Kunden enttäuschen muss und sie nicht mehr beliefern kann. Mittlerweile ist mein Käse auch im Ausland bekannt, da sich viele Touristen damit eindecken, wenn sie im Tessin zu Gast sind.»

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Kunden?
«Sehr positive. Reklamationen gibt es eigentlich nicht. Die Leute schätzen meinen Käse als natürliches Produkt von der Alp, in dem man die würzigen Kräuter und das frische Quellwasser schmeckt.»

Wer führt Ihren Bergbauernhof in Bignasco, wenn Sie auf der Alp sind?
«Da ich meine 120 Ziegen mit auf die Alp nehme, gibt es im Sommer auf dem Hof nicht so viel zu tun. Was jedoch ansteht, ist das Heuen. Das erledige ich allein, da unsere Kinder noch zu klein sind, um zu helfen. Diese Doppelbelastung mit der Alparbeit und dem Heuen ist sehr hart, weshalb ich mir überlege, eine zusätzliche Arbeitskraft anzustellen. Ich bin froh, nun die modernisierte Alp bewirtschaften zu können. Ich bin auf diese Einnahmen angewiesen und habe sehr viel Arbeit in die Alp Robiei investiert.»

Projektstatus: realisiert

Bilder zum Projekt

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Mann, Ziegen
Giorgio Speziale beim Melken am Morgen unter freiem Himmel.
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