Markus Zwahlen: «Das ist wie ein Weihnachtsgeschenk»
Sie leisten ganze Arbeit: Markus Zwahlen baut auf seinem Hof zusammen mit Sohn Oliver einen neuen Stall. In rund zwei Wochen können die Tiere ihr neues Heim beziehen. Rechtzeitig auf Weihnachten kann die Familie auch eine neue Holzschnitzelheizung in Betrieben nehmen – dann wird es endlich immer warm im Haus und im Stöckli.
Herr Zwahlen, konnten Sie das Stalldach noch vor dem ersten Schnee fertigstellen?
Es gab ja dieses Jahr erst ganz wenig Schnee. Und dieser hat unsere Arbeit nicht beeinträchtigt. Ende Oktober war das Dach fertig. Und inwändig ist alles trocken, das ist wichtig.
Welche Arbeiten führen Sie während des Winters aus, und wann werden Ihre Tiere im Stall einziehen können?
Oliver und ich konnten alle aufwändigen Arbeiten erledigen. Jetzt geht es noch darum, den Stall einzurichten. Dazu gehören Futtergitter einzupassen, Pferde- und Liegeboxen zu montieren, Stromarbeiten abzuschliessen und zwei Stalltore einzusetzen. Wenn wir weiterhin so zügig vorankommen, können die Tiere den Stall noch vor Weihnachten beziehen.
Was sind die Vorteile des neuen Stalls?
Mit dem Neubau können wir nun die Tierschutzvorschriften einhalten, und wir haben mehr Platz für Tiere. Mein Ziel ist es, den Bestand von 13 Kühen bis im kommenden Frühling auf 20 aufzustocken Das bedeutet mehr Einnahmen.
Im neuen Stall haben Sie eine Holzschnitzelanlage für die Wohnung im Bauernhaus und fürs Stöckli eingebaut. Können Sie die Heizung diesen Winter schon nutzen?
In etwa 14 Tagen sollte die Installation abgeschlossen sein. Dann können wir die neue Heizung in Betrieb nehmen. Für uns bedeutet das, dass wir nicht mehr wie bisher mehrmals täglich einfeuern müssen. Bei uns im Haus wird es künftig immer warm sein. Das hatten wir noch nie – und wir freuen uns sehr darauf. Das ist für uns wie ein Weihnachtsgeschenk.
Auf Ihrem Hof ziehen Sie rund 150 Truten auf. Haben Sie diese schon verkauft?
Damit bin ich gegenwärtig beschäftigt, jetzt ist Hochsaison. Ich liefere Truten an Privatkunden in der Region aus, manchmal auch bis nach Solothurn. Sogar in der Innerschweiz haben wir Kunden, die das Fleisch jedoch bei uns abholen.
Gibt’s bei Ihnen an Weihnachten einen Trutenbraten?
(lacht) Das ist gut möglich, das entscheiden wir dann aber kurzfristig. Auch ein Rindsfilet könnte in Frage kommen – auf jeden Fall gibt’s Fleisch von unserem Hof.
Wie kann Trutenfleisch am besten zubereitet werden?
Wir verkaufen Trutenfleisch als Plätzli, Geschnetzeltes, Ragout und Braten. Grundsätzlich wird diese Fleischsorte so zubereitet wie andere auch. Der Braten wird beispielsweise beim Niedergaren im Ofen besonders gut. Die Ragout-Stücke können als Variante auch in der Friteuse zubereitet werden. Das gibt dann feine, knusprige Nuggets. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Welche Pläne haben Sie für 2012?
Dieses Jahr musste ich wegen der Bauerei vieles vernachlässigen. 2012 will ich mich nun hundertprozentig aufs Bauern konzentrieren.
Sangernboden/BE: «Was möglich ist, machen wir selbst.» 
«Was möglich ist, machen wir selbst»
Um Kosten zu sparen, packen sie meistens selbst an: Zusammen mit Sohn Oliver baut Bergbauer Markus Zwahlen seinen neuen Stall grösstenteils selber. Nötig wurde der Bau durch neue Tierschutzvorschriften.
Über mangelnde Aussicht kann sich Bergbauer Markus Zwahlen nicht beklagen. Sein Hof liegt an einem wunderschönen Flecken Schweiz, auf 1400 Metern Höhe im Berner Naturpark Gurnigel-Gantrisch. Mangelnde Arbeit ist allerdings auch kein Thema. Besonders jetzt, wo der Hof wieder mal eine Baustelle ist. Ein neues Gebäude zu bauen, bedeutet für Markus Zwahlen nicht einfach, den Arbeitern auf die Finger zu schauen. Er packt selbst an.
Im Moment rückt er mit dem Hochdruckreiniger den hartnäckigen Betonresten an den Schalungs-Elementen zu Leibe und hüllt dabei den ganzen Vorplatz in eine feine Nebelwolke. Währenddessen sorgt Sohn Oliver dafür, dass dem Vater die Arbeit nicht ausgeht. Er löst die schweren Schaltafeln von der frisch getrockneten Betonwand und schleppt sie aus dem Rohbau. Eine strenge Arbeit – Schweisstropfen fallen von der Stirn auf das orangefarbene T-Shirt mit dem Aufdruck «Eidgenössisches Schwingfest Frauenfeld».
Möglich nur durch Eigenleistung
«Was irgendwie möglich ist, machen wir selbst», sagt Zwahlen. Und möglich ist viel. Markus hat ursprünglich Elektromechaniker gelernt, Oliver ist ausgebildeter Zimmermann. Nur einen Bauarbeiter mussten sie anstellen, und dessen Aufgabe ist schon fast beendet. Die Zimmermannsarbeiten wird Oliver dann alle alleine ausführen. «Erst bei der Aufrichte brauche ich ein paar Hände, die mit anpacken», sagt er.
Nur durch die viele Eigenleistung ist der Neubau des Stalls überhaupt in den Bereich des Möglichen gerückt. Ganz ausgereicht haben aber die Ersparnisse und die Hypothek trotzdem nicht. «Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung der Berghilfe», sagt Zwahlen. «So kann ich alles aufs Mal machen. Dadurch kommt das Gesamtprojekt deutlich günstiger.»
Dringend nötig wurde der Neubau durch die Verschärfung von Tierschutzvorschriften. Bereits seit einem Jahr müsste Zwahlen seinem Muni im Stall mehr Platz geben. Nur dank einer Ausnahmebewilligung darf er den alten Stall noch benutzen, bis der neue fertig ist. Dort findet dann nicht nur der Muni Platz, sondern auch drei Pferde und zusätzliche Mutterkühe. Ebenfalls im neuen Gebäude untergebracht wird eine Holzschnitzelheizung für die Wohnung im Bauernhaus und für das Stöckli, in dem Sohn Oliver wohnt. «Auf die neue Heizung freue ich mich besonders», so Zwahlen. «Endlich kein steifer Rücken mehr wegen der Kälte.» Bis jetzt gab es in beiden Häusern Holzöfen, die im Winter laufend gefüttert werden mussten. «Wenn man am Abend mal an ein Fest ging, dann war die Wohnung eiskalt, bis man wieder zu Hause war. Da blieb ich dann meist lieber daheim, obwohl ich eigentlich Lust gehabt hätte, irgendwohin zu gehen.»
Immer wieder neue Ideen
Fleischproduzent Zwahlen hat seinen Hof von dem Moment an, als er ihn von seinem Grossvater übernahm, laufend vergrössert und modernisiert. Angefangen hat er mit der Mutterkuhhaltung. Vor neuen Ideen und der Arbeit mit ihm unbekannten Tierarten schreckte er nie zurück. Seit einigen Jahren zieht Zwahlen jährlich etwa 150 Truten auf. Er verarbeitet sie auf dem Hof im eigenen Fleischverarbeitungsraum und verkauft sie direkt an Kunden in der ganzen Schweiz.
Dieser neue Geschäftszweig begann nicht ohne Schwierigkeiten. Anfangs hat Zwahlen seinen Kunden die Tiere am Stück vorbeigebracht. «Eine Frau hat mir dann erzählt, sie hätte eine ganze Stunde lang vor dem Vogel gesessen und nicht gewusst, was sie damit anfangen solle», erinnert er sich. Aus dieser Erfahrung hat er gelernt. Heute bekommen seine Kunden ihre Truten abgepackt in praktischen Portionen.
Zwahlens neustes Experiment sind Zebus. Diese ursprünglich afrikanischen Rinder mit dem charakteristischen Höcker auf dem Hals sind zäh, genügsam und geben gutes Fleisch. Damit gibt sich Zwahlen jedoch nicht zufrieden. Er kreuzt sie mit Simmentaler Kühen, um den Fleischertrag zu erhöhen.
Inzwischen sind die Schaltafeln alle abmontiert, der Rohbau des neuen Stalls schon wieder einen Schritt weiter. «Beim ersten Schnee möchte ich das Dach drauf haben», sagt Zwahlen. Für den Rest der Arbeiten könne er sich den Winter über Zeit lassen. Wenn dieses Bauprojekt abgeschlossen sei, habe er seinen Hof in einem guten Zustand, um ihn seinem Sohn zu übergeben, findet Markus Zwahlen. Der 22-jährige Oliver hat nach seiner Zimmermannslehre ein Bauernlehrjahr im Welschland absolviert und arbeitet nun auf dem Hof des Vaters: «Für mich war schon immer klar, dass ich einmal hier auf unserem Hof Bauer werden möchte.»
Projektstatus: in Realisation
Bilder zum Projekt
Auf dem wunderschön gelegenen Hof der Familie Zwahlen fühlen sich auch die ursprünglich Afrikanischen Zebus wohl.