Maurice Masserey: «Viele Leute entdecken die traditionellen Kräuter wieder»
In Venthône/VS betreibt Maurice Masserey erfolgreich einen Heil- und Gewürzpflanzen-Betrieb. Dabei setzt der Bergbauer konsequent auf biologische Produktion. Getrocknet werden seine Pflanzen mit Sonnenergie: «So schonen wir nicht nur die Umwelt, sondern sparen auch viel Geld», sagt Maurice Masserey.
Wie kamen Sie als einer der Pioniere überhaupt auf die Produktion von Heil- und Gewürzpflanzen?
«Anfangs der 80er-Jahre wollte ich im Wallis mit bescheidenen Mitteln einen Hof aufbauen. Gleichzeitig war die Firma Ricola auf der Suche nach Kräuter-Produzenten. So ergab es sich, dass ich zusammen mit meiner Frau Marie-Christine 1983 mit dem Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen anfing. Ich hatte eine klassische landwirtschaftliche Ausbildung absolviert, die speziellen Kenntnisse für den Kräuteranbau habe ich mir selbständig angeeignet.»
Weshalb ist das Wallis besonders geeignet für den Kräuteranbau?
«Das liegt in erster Linie am Klima mit wenig Niederschlägen und viel Sonne, so wie es auch für den Rebbau ideal ist. Ein zweiter Grund ist die Nähe zur eidgenössischen landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope, die von Conthey aus den Kräuteranbau fördert. Zudem hat die Bevölkerung hier grosse Erfahrung mit dem Anbau der unterschiedlichsten Kulturen im Berggebiet. Heute stammt ein Grossteil der Schweizer Kräuterproduktion aus dem Wallis.»
Sie trocknen Ihre Pflanzen mit Sonnenenergie. Warum?
«Den Solartrockner habe ich angeschafft, nachdem meine vorherige Anlage zu klein geworden war. Als Biobauer ist es mir wichtig, die Pflanzen auch auf ökologische Art und Weise zu verarbeiten. Für die Trocknung braucht es einerseits Wärme, andererseits Luftzufuhr. Für die Lüftung verwenden wir normalen Strom, für die Erwärmung Sonnenergie. Damit schonen wir nicht nur die Umwelt, sondern sparen auch viel Geld. Das Trocknen mit der Solaranlage kostet weniger als die Hälfte als mit konventioneller Energie.»
Wie wichtig war das Engagement der Schweizer Berghilfe für diese Anschaffung?
«Ohne die Unterstützung der Schweizer Berghilfe hätte ich den Solartrockner nicht finanzieren können. Stattdessen hätte ich wohl auf ein billigeres, konventionelles System zurückgreifen müssen, das im Unterhalt aber teurer gewesen wäre.»
Welches ist jeweils der schönste Moment in Ihrer Arbeit?
«Das ist die Ernte, bei der man die Früchte seiner Anstrengung einbringen kann. Diese dauert von Mitte August bis Mitte September – eine harte, aber schöne Zeit. Pro Jahr ernten wir mehr als 20 Tonnen Pflanzen, die im getrockneten Zustand noch etwa drei Tonnen wiegen. Dazu ist viel Handarbeit gefragt, was aber für eine naturnahe Produktion notwendig ist.»
Welches ist Ihre Lieblingspflanze?
«Die Salbei. Ich war der Erste, der sie für Ricola anpflanzte. Sie ist unser Hauptprodukt, und in all den Jahren habe ich mich mit dieser Pflanze sehr intensiv beschäftigt. Die Salbei, die in unserer Region besonders gut gedeiht, sieht schön aus und hat für verschiedene Leiden eine heilende Wirkung. Sie war schon den Römern bekannt, bei denen es hiess: 'Hast du eine Salbei im Garten, wirst du nie den Arzt brauchen.'»
Welchen weiteren Nutzen haben Ihre Kräuter?
«Meine Pflanzen sind sehr vielseitig verwendbar, ausser für Bonbons auch für die Küche, die Kosmetik oder die Medizin. Beispielsweise beliefere ich auch einen Hersteller von homöopathischen Medikamenten.»
Die Nachfrage nach Heil- und Gewürzpflanzen steigt. Was ist der Grund?
«Viele Leute wollen zurück zur Natur, gerade bei den Lebensmitteln und der gesundheitlichen Versorgung. Sie entdecken traditionelle pflanzliche Produkte wieder.»
Welche Reaktionen erhalten Sie von den Besuchern Ihres Betriebs?
«Die meisten Leute finden es interessant, mehr über die Produktionsweise auf unserem Betrieb und die rund 35 Kräuter zu erfahren, die wir anbauen. In Erinnerung geblieben ist mir eine alte Bäuerin, die sagte, sie halte eigentlich nichts von Bio-Produktion. Wenn aber alles wahr sei, was ich erzähle, sei dieser Kräuteranbau eine tolle Sache.»
Das Projekt
Projektstatus: realisiert

















