Alain Zappellaz: «Aus meiner Leidenschaft wurde ein Hof mit Zukunft»
Mit seinem «Erlebnishof» hat der junge Walliser Alain Zappellaz zusammen mit seiner Frau einen originellen Betrieb aufgebaut. Mit der im Sommer 2007 eröffneten, in der Nähe von Sierre gelegenen «Arche des Crétillons» hat er sich seinen Bubentraum erfüllt und mit bescheidenen Mitteln eine Zukunft erarbeitet. «Die positiven Rückmeldungen der Besucher unseres Hofes zeigen mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind», erzählt Alain Zappellaz.
Sie sind kein Bauernkind, wollten aber von klein auf Landwirt werden. Warum?
«Meine Leidenschaft galt schon immer den Tieren. Als Bub hielt ich Kleintiere und wollte später im Zoo arbeiten, da mir die Landwirtschaft damals noch fremd war. Die Begeisterung für Tiere ist bis heute geblieben.»
Wie kamen Sie auf die Idee des «Erlebnishofs»?
«Als ich noch keinen Hof hatte, hielt ich schon ein paar Ziegen, Schafe und Hühner in einem kleinen Stall im Dorf. Ich merkte, wie sich die Leute für die Tiere interessierten. Immer wieder kamen Personen aus der Umgebung zu mir, um diese zu sehen. Daraus entstand die Idee eines öffentlich zugänglichen Hofs. Das Konzept mit verschiedenen Tierrassen, einer kleinen Gaststätte und Schlafmöglichkeiten habe ich selbst entwickelt. Wenn es auch andere agrotouristische Bauernhöfe gibt, ist unser Betrieb mit seinen verschiedenen Tierrassen dennoch einzigartig in der Region.»
Sie haben den Aufbau Ihres Betriebs mit sehr bescheidenen Mitteln gestartet. Wie haben Sie es geschafft, die notwendigen finanziellen Mittel zu finden?
«Die Geldsuche war sehr hart und langwierig. Wir schrieben unzählige Stiftungen an. Unterstützt wurden wir schliesslich von der Schweizer Berghilfe und einer weiteren Stiftung. Ein weiterer Beitrag kam von der öffentlichen Hand, und eine regionale Bank gab uns einen Kredit.»
Was braucht es, um ein solches Projekt trotz aller Schwierigkeiten durchzuziehen?
«Man muss sein Ziel mit Leidenschaft und Überzeugung verfolgen, aber dennoch realistisch sein. Trotz aller Herausforderungen darf man nie den Glauben ans Gelingen verlieren. Gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass man die ersten paar Jahre nichts verdienen wird und kaum Ferien machen kann. Was mich motiviert, sind die Menschen, die uns sagen, dass wir etwas Schönes auf die Beine gestellt haben. Diese Rückmeldungen zeigen mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»
Wie sind die Reaktionen der Besucher Ihres Erlebnishofs?
«Die Leute sind begeistert. Unsere Tiere können in offenen Ställen oder auf der Weide besichtigt und auch berührt werden. Wir haben auch behinderte Besucher. Ein Tier zu streicheln ist für diese ein enorm wichtiges Erlebnis. Die schöne Lage unseres Hofs kommt ebenfalls sehr gut an. Von hier oben hat man eine wunderbare Sicht auf das Rhônetal. Obwohl wir nur wenige Minuten vom Dorf entfernt leben, fühlt man sich bei uns bereits weg von der Zivilisation. Unsere Gäste lieben die einfache, natürliche Umgebung und geben uns zu verstehen, dass sie sich bei uns wohl fühlen. Viele kommen nach dem ersten Besuch wieder.»
Welches war das bisher lustigste Erlebnis?
«Eine Gruppe von Schülern half mir beim Einsammeln der Eier. Offensichtlich war ihnen nicht klar, dass Eier etwas Zerbrechliches sind. Die Schüler warfen die Eier einfach in den Korb, wo diese natürlich zerbrachen.»
Mit Ihrem Betrieb schaffen Sie nicht nur für sich selbst Mehrwert. Wer profitiert sonst noch davon?
«Das sind einerseits verschiedene Bauern aus der Umgebung, deren Produkte wie Käse, Honig und Tee wir verkaufen. Andererseits profitieren Gemeinde und Landeigentümer, da wir Landwirtschaftsfläche wieder nutzbar machen und durch unsere Bewirtschaftung deren Verwaldung verhindern. Zudem stellt unser Hof mit seiner aussergewöhnlich schönen Lage für den regionalen Tourismus ein attraktives Zusatzangebot dar. Letztlich profitiert die ganze Region.»
Wie schaffen Sie es, einen Betrieb zu managen und gleichzeitig an der Landwirtschaftsschule zu unterrichten?
«Meine Energie kommt von der Begeisterung für die Landwirtschaft. Das Gute am Lehrer-Job ist, dass die Kurse nur im Winterhalbjahr stattfinden, wenn es auf dem Hof weniger zu tun gibt als im Sommer. Die Zeit seit der Hoferöffnung war sehr streng, wir hatten keinen einzigen freien Tag. Zum Glück unterstützt mich meine Frau, wo sie nur kann.»
Sie und Ihre Frau sind nicht nur ein Paar, sondern auch ein Arbeitsteam. Eine besondere Herausforderung?
«Wir empfinden das nicht als spezielle Herausforderung. Mein Frau und ich bilden ein prima Team. Wir schätzen es sehr zusammenzuarbeiten.»
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
«Grundsätzlich bin ich zuversichtlich, was unseren Hof betrifft. Im Moment wünsche ich mir vor allem etwas freie Zeit und die Möglichkeit, wieder mal Ferien zu machen. Ein grosser Wunsch wird im Jahr 2008 in Erfüllung gehen: Wir bekommen ein Kind!»
Das Projekt
Projektstatus: realisiert
Berglandwirtschaft hautnah erleben auf einem einzigartigen Hof Seine Freude an Natur und Tieren weiterzugeben, ist dem jungen Bauern Alain Zappellaz ein grosses Anliegen. Mit einem Hof, der zugleich Zoo, Herberge und Schule ist, bringt er den Leuten die Landwirtschaft näher. Der Betrieb bietet den Besuchern ein Erlebnis, das alle Sinne einbezieht.



















