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Menzingen (Zug)


Extern arbeiten ist nicht mehr nötig

«Wir kommen wieder.» So lautet der Tenor vieler Gäste, die bei der Familie Strickler Ferien auf dem Bauernhof verbringen. Für Doris und Pius Strickler bringt das neue Angebot zusätzliche wichtige Einnahmen.

«Wir werden all unseren Freunden und Bekannten zu Hause in Holland erzählen, wie schön es hier auf dem Bauernhof war», sagt Laura Wagenaar. Laura, ihr Mann Sjoerd und die beiden Buben Ruben und Jasper wohnen während ihrer Ferien auf der Chnächtlischwand in Menzingen/ZG, dem Hof von Pius und Doris Strickler. Sie haben gleich Familienanschluss gefunden. Die Buben spielen oft mit Stricklers Kindern Anita (10) und Roland (8) auf dem Trampolin oder im Pool, den Stricklers für ihre Gäste aufgestellt haben. Pius: «Man muss den Leuten etwas bieten, schliesslich haben sie Ferien und wollen diese geniessen.» Am meisten Spass hatte die ganze Familie bisher aber am Mithelfen beim «Härdöpflen» auf dem Feld, wo bei Stricklers noch viel Handarbeit gefragt ist.

Pius hat den Hof vor 13 Jahren von seinem Vater übernommen. Seitdem hat sich viel verändert. Der Milchwirtschaft haben Pius und Doris rasch den Rücken zugekehrt und auf Mutterkuhhaltung gesetzt. Länger war der Weg zur Landwirtschaft ohne Chemie und Antibiotika. 2003 hatten Stricklers ein aggressives Virus im Stall. Die Kälber starben reihenweise, der Tierarzt hatte sie schon aufgegeben, Pius wusste weder ein noch aus. Da überredete ihn Doris, es mit Homöopathie zu versuchen. «Ich gab den Kälbern die Kügelchen, um Doris zu beweisen, dass es nichts nützt», erinnert sich Pius. Eine Woche darauf waren die Kälber wieder gesund. «Das brachte mich ins Grübeln», sagt Pius. Er und seine Frau wollten mehr über die Homöopathie wissen, bildeten sich weiter und versuchen seither, im Einklang mit der Natur zu wirtschaften. Stricklers setzten auf Getreideanbau und pflanzten mehrere hundert Hochstamm-Obstbäume aus der eigenen Baumschule. Sie richteten einen Hofladen ein, wo sie ihre Bio-Produkte wie Dinkelmehl und Teigwaren verkaufen. Oft hörten sie von Kunden, wie schön sie es hätten in der hügeligen Moränenlandschaft auf 700 Metern Höhe. Ob man hier auch Ferien machen könne? Seit Neustem kann man. In der Scheune hat Pius den Platz, wo früher die Silos standen, zu einer Ferienwohnung umgebaut.

Zusatzeinnahmen

«Wir bieten seit Juli Ferien auf dem Bauernhof an, und seither sind wir ausgebucht», sagt Doris. Weitere Angebote gibt es kaum in der Umgebung, die Nachfrage ist gross. Also wollen Stricklers vermehrt auf die Karte Agrotourismus setzen. Ein zweites Gästezimmer befindet sich im Untergeschoss des neuen Wohnhauses der Familie, das im Frühling fertig sein soll. Pius, der viel auf dem Bau gearbeitet hat und deshalb das meiste selbst machen kann, wollte Platz für mehr Gäste schaffen. Das alte Haus war sanierungsbedürftig und musste abgerissen werden. Es zu renovieren wäre teurer geworden als ein Neubau. Dafür reichten aber die Ersparnisse der jungen -Familie nicht aus. «Wir hätten natürlich das Haus ohne die zusätzlichen Gästezimmer bauen können. Aber wir wollten uns die Chance, neue Einkommensquellen zu schaffen, nicht entgehen lassen», so Doris. Die verfahrene Situation besserte sich erst, als ihnen ein Bekannter riet, die Schweizer Berghilfe um Unterstützung anzufragen. «Ich dachte immer, die Berghilfe sei nur für Bauern im Hochgebirge», sagt Pius. «Umso mehr habe ich mich über den positiven Bescheid gefreut.» Dank der Zusatzeinnahmen durch die Bewirtung der Gäste muss Pius in Zukunft nicht mehr extern arbeiten gehen. «Endlich kann ich mich ganz dem Hof und meiner Familie widmen.»

Weitere Informationen zur Chnächtlischwand: http://www.biooase.ch/

Projektstatus: realisiert

Bilder zum Projekt

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Pius Strickler zieht in der eigenen Baumschule Hochstamm-Obstbäume auf.
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