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Willy Renggli: «Die Köhlerei ist ein richtiger Publikumsmagnet»

Vor 15 Jahren begann Willy Renggli mit der Köhlerei, da der Ertrag aus seinem kleinen Bergbauernhof in Romoos/LU nicht reichte, um seine sechsköpfige Familie zu ernähren. Heute ist dieses uralte Handwerk ein wichtiges zweites Standbein geworden. Dank dem Ausbau der Köhlerhütte und der Möglichkeit zur Bewirtung von Gästen kann Familie Renggli die Köhlerei auch touristisch vermarkten. «Die Besucher sind begeistert, manchmal bieten sie sogar spontan ihre Hilfe an», erzählt Willy Renggli.

Wie kamen Sie zur Holzköhlerei?

«Ich begann damit, da ich dringend zusätzliche Einnahmen für unsere sechsköpfige Familie brauchte. Früher habe ich im Winter in einer Fabrik gearbeitet. Das war aber nicht ideal, da sie mich dort lieber das ganze Jahr über angestellt hätten. Das Gute an der Köhlerei ist, dass ich sie nebenbei auf dem Hof betreiben kann.»

Was bringt Ihnen der von der Schweizer Berghilfe unterstützte Ausbau der Köhlerhütte?
«Er erlaubt uns, die Köhlerei touristisch zu vermarkten, womit wir ein wichtiges Zusatzeinkommen verdienen. Dank der neuen Einrichtung können wir unseren Besuchern einen besseren Service bieten und auch Speis und Trank servieren, vom kalten Plättli über Grilladen bis zum Raclette. Das Interesse an Führungen, mit denen wir zudem Werbung für unsere Grill-Holzkohle machen, ist gross. Die Köhlerei ist ein richtiger Publikumsmagnet.»

Wie sind die Reaktionen der Besucher?
«Sie sind in der Regel begeistert. Viele Leute kennen die Köhlerei ja gar nicht. Ich zeige und erkläre genau, wie der ganze Prozess abläuft. Zu erfahren, wie aus einer riesigen Holzbeige Kohle entsteht, ist für die meisten sehr interessant. Manchmal bieten Besucher spontan ihre Hilfe an. Da sage ich natürlich nicht Nein.»

Was ist das Schöne am Köhlern?
«Ich bin von niemandem abhängig und kann mir die Arbeit selber einteilen. Die Tätigkeit ist für mich eine ständige Herausforderung, denn ich bin immer am Tüfteln, wie ich das ganze Köhler-Verfahren verbessern kann. Und es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie aus einem riesigen Holzstoss Kohle wird.»

Wo lässt sich dieses uralte Handwerk heute noch lernen?
«Das lässt sich nicht 'aus dem Büchlein’ lernen. Mir haben es meine Nachbarn beigebracht, in der Regel wird das aber vom Vater auf den Sohn übertragen. Wie bei uns: Mein Sohn kann auch köhlern, kommt aber nicht so oft dazu, da er in der Lehre ist.»

Weshalb hat die Köhlerei ausgerechnet im Entlebuch überlebt?
«Hier hat das Köhlern Tradition. Die Gemeinde Romoos mit ihrem hohen Waldanteil ist wie geschaffen dafür. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Industrie mit Kohle beliefert, danach setzten sich andere Energieträge durch. Dass die Köhlerei hier überlebt hat, hängt mit der Initiative von Vater und Sohn Duss zusammen, die den hiesigen Köhlerverband gegründet haben. Ein weiterer Grund ist, dass die Entlebucher Bauern auf einen Zusatzverdienst angewiesen sind. Heute produzieren und verkaufen wir wie gesagt Grill-Holzkohle.»

Was macht einen guten Köhler aus?
«Er muss das topseriös anpacken und flexibel sein. Den Meiler muss man während der Brennzeit fast rund um die Uhr im Auge behalten. Da kann man nicht in vier, fünf Vereinen mitmachen. Weil ich in der Brennsaison nicht weg kann, proben wir mit dem Jodelverein in dieser Zeit jeweils bei mir in der Köhlerhütte. Wichtig ist auch Geduld. Am Anfang war ich voreilig mit Umschichten. Doch man muss den Meiler nur schön lang brennen lassen, dann kommt es gut.»

Der Meiler muss 24 Stunden rund um die Uhr im Auge behalten werden. Wie kommen Sie da zu genug Schlaf?
«Am härtesten ist die Anfangsphase, wo man alle zwei, drei Stunden aufstehen und Brennstoff – kleine Kohlestücke – nachfüllen muss. Da stelle ich jeweils zwei Wecker. Manchmal gehe ich dann halt am Tag etwas schlafen, wenn die Arbeit es zulässt. In der Schlussphase reicht es, alle vier, fünf Stunden nachzuschauen, das ist dann kein Problem.» 

Projekt


Projektstatus: realisiert

Bilder zum Projekt

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Mann, Frau, Holzscheite
Willy Renggli und seine Frau Bernadette schichten Holzscheite zu einem Meiler auf.
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