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Urezza Famos: «Unser Dorf wird zum Hotel»

Um ihr 70-Seelen-Dorf wiederzubeleben, starteten die Bewohner von Vnà ein aussergewöhnliches Projekt: Das ganze Dorf sollte zum Hotel werden. Ausser einem Kultur- und Gasthaus gehören Gästezimmer in Privathäusern jetzt zum Angebot. «Das Projekt ist breit abgestützt, und wir legen Wert auf Nachhaltigkeit in allen Bereichen», sagt Urezza Famos, Präsidentin des Verwaltungsrats Piz Tschütta AG und Mitinitiantin des Projekts «Hotel-Dorf Vnà».

Was sind die Ziele des Projekts «Hotel-Dorf Vnà»?
«Wir wollen das wirtschaftliche und kulturelle Wohlergehen von Vnà fördern und der  ehemaligen Dorfbeiz Piz Tschütta neues Leben einhauchen. Diese war zehn Jahre lang leer gestanden. Gleichzeitig können wir den privaten Wohnraum besser nutzen – als Unterkunft für unsere Gäste – und so die ganze Dorfbevölkerung in das Projekt einbinden.»

Ihr Projekt gilt als einzigartig. Weshalb?
«Wir sind das erste bewohnte Hotel-Dorf in ganz Europa. Speziell ist, dass die Dorfbewohner Zimmer in ihren Häusern vermieten. Die Gäste leben nicht anonym, sondern unter einem Dach mit einer Familie. Sie können am lokalen Leben teilnehmen, sei es beim Essen oder bei der Arbeit im Stall. Dies ist möglich dank der traditionellen Gastfreundlichkeit der Vnàer.»

Worin bestanden die grössten Herausforderungen?
«Das war die Finanzierung. Um die nötigen Mittel aufzubringen, mussten wir kämpfen. Die Schweizer Berghilfe hat uns dabei mit einem wesentlichen Beitrag unterstützt. Eine weitere Herausforderung war die politische Akzeptanz. Mit unserem neuartigen Konzept mussten wir bei den Behörden sehr viel Überzeugungsarbeit leisten.»

Zu Beginn gab es auch kritische Stimmen. Wie ist die Stimmung im Dorf heute?
«Wir haben die Zustimmung der Bevölkerung sehr genau evaluiert. Befürworteten zu Beginn 85 Prozent der Einheimischen unsere Pläne, so sind es mittlerweile über 90 Prozent. Unseres Erachtens kann die ganze Bevölkerung vom «Hotel-Dorf Vnà» profitieren, weshalb es kaum Gründe gibt, dagegen zu sein. Die Stimmung ist gut. Die Vnàer stehen nun alle zusammen und helfen sich gegenseitig. Wir freuen uns auf unsere Gäste.»

Worauf wurde bei den baulichen Massnahmen besonderen Wert gelegt?
«Wir setzen auf Nachhaltigkeit. Deshalb haben wird regionale Materialien verwendet und sämtliche Arbeiten an Unternehmen in der Region vergeben. Die Möbel wurden mit Holz aus unserem Wald gefertigt. Des Weiteren haben wir die Wände mit biologischen Farben gestrichen und eine Holzschnitzelheizung sowie eine Wärmerückgewinnungsanlage zur Wiederverwertung der Energie installiert.»

Das Projekt richtet sich nach einem sanften Tourismus aus. Was bedeutet das?
«Das bedeutet einerseits Rücksichtnahme auf die Umwelt, andererseits, den Gast selber entdecken zu lassen. Dieser soll nicht ein möglichst grosses Angebot vorfinden, sondern grundsätzlich in Ruhe gelassen werden und von sich aus aktiv werden können. Der natur- und kulturnahe Tourismus ist  massiv am Wachsen, was auch für Vnà eine Chance ist. Das Hotel Piz Tschütta eignet sich übrigens ausgezeichnet zur Veranstaltung von Kursen oder Seminaren, und dies in einer ruhigen Umgebung inmitten einer wunderschönen Landschaft.»

Welche positiven Auswirkungen auf die Region können sich aus dem Projekt ergeben?
«Die Gäste werden das Gewerbe in der ganzen Region beleben. Dabei wird der Absatz von regionalen landwirtschaftlichen Produkten gefördert, da die Gäste vor Ort einkaufen werden. Unser Hotelbetrieb wird  auch weitere Aufträge bringen. So wird die Hotelwäsche in der Startphase in einem Betrieb im nahen Samedan gewaschen, da niemand im Dorf diese Arbeit übernehmen konnte. In Zukunft möchten wir solche Aufträge wenn möglich im Dorf vergeben können.»


Projektstatus: realisiert

Projekt Vnà

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Postauto im Dorf
Touristen und Einheimische treffen sich im Dorfkern von Vnà.
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