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Jenny Meichtry: «Der Wald stellt immer wieder neue Herausforderungen»

Als Frau ist Jenny Meichtry eine Einzelerscheinung unter den Forstleuten. Die 23-Jährige steht am Ende ihrer Ausbildung im Forstbetrieb im Val d’Anniviers. Kommenden Lehrlingen wird in St-Luc neu ein grösseres, zeitgemässes Forsthaus zur Verfügung stehen, das mit der Unterstützung der Schweizer Berghilfe im Moment gebaut wird.

Für viele ist Forstwart ein typischer Männerberuf. Was sagen Sie dazu?

«Ich kann verstehen, dass die Leute das so sehen. Aber es kommt auf den Typ an. Wenn man robust ist und gerne draussen arbeitet, egal ob das Thermometer -10 oder +30 Grad anzeigt, dann geht es. Für mich war aber der direkte Umgangston untereinander neu. Kein grosses Blabla, man hat mir hier immer direkt gesagt, wenn etwas nicht passt.»

Kennen Sie denn andere Frauen, die diesen Beruf ausüben?
«Eigentlich nur zwei – das kann kein Zufall sein.»

Sie stammen aus dem Oberwalliser Ort Leukerbad. Wie kamen Sie dazu, Ihre Lehre im französischsprachigen Val d’Anniviers zu machen?
«Ich besuchte die Handelsschule in Sierre. Danach wusste ich zuerst gar nicht, was ich machen wollte. Von Bäuerin bis Töffmechanikerin wäre für mich alles in Frage gekommen. Dann konnte ich im Goms in einem Forstbetrieb schnuppern, und es gefiel mir. Dass ich im Val d’Anniviers gelandet bin, hat damit zu tun, dass ich nach der Schule in Sierre weiterhin Französisch sprechen wollte.»

Von der Handelsschule in den Forstbetrieb. Das muss ein grosser Schritt für Sie gewesen sein.
«Ja, das war es. Am Anfang hatte ich Mühe mit der praktischen Arbeit. Ich bin einiges ein bisschen kompliziert angegangen und wusste nicht so recht, wo anpacken. Dafür habe ich mit der Theorie, die wir in der Berufsschule in Martigny vermittelt bekommen haben, von Anfang an keine Probleme gehabt.»

Sie sind nun am Ende Ihrer dreijährigen Lehrzeit angelangt. Was muss man alles können und wissen, um Forstwartin zu werden?
«Es gibt Prüfungen zu Waldpflege und Waldunterhalt, dazu auch Themen wie Materialunterhalt. Schon über die ganzen drei Lehrjahre haben wir ausserdem immer wieder an unserem persönlichen Arbeitsjournal und am Herbarium gearbeitet, in dem wir individuell eine Übersicht der Baumsorten erstellen mussten.»

Empfinden Sie Ihre Arbeit als anstrengend?
«Ja, ich finde im Vergleich zur Forstarbeit im Unterland ist es anstrengend. Ich habe meine zwei Ausbildungspraktika – jeweils im Winter, wenn wir hier oben nicht so viel zu tun hatten – im Unterland gemacht. Hier im Val d’Anniviers ist es zum Teil mühsam, nur schon zum Einsatzort zu gelangen, weil es hier so steil ist.»

Worin liegt der Reiz der Forstarbeit?
«Mit einem Wort: In der Abwechslung. Es gibt im Wald immer wieder neue Situationen, in denen man herausfinden muss, was zu tun ist. Beim Fällen eines Baumes zum Beispiel muss man immer wieder neu die Fallrichtung berechnen. Manchmal gibt es auch ziemlich knifflige Aufgaben zu lösen: Einmal wurden wir zu einem Chalet gerufen, weil ein Baum darauf zu fallen drohte. Dort kam uns dann sogar ein Helikopter zu Hilfe. So etwas hat auch mein Lehrmeister noch nie erlebt.»

Wie sieht Ihr Beruf im Winter aus, wenn viel Schnee liegt?
«Ich habe nur einen Winter hier verbracht, im ersten Lehrjahr. Damals haben wir an einem sehr schönen Ort in der Nähe von Niouc Holz geschlagen. Ich habe das sehr genossen.»

Zurzeit wird das Forsthaus in St-Luc mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe erweitert und modernisiert. Was bringt diese Erweiterung aus Ihrer Sicht?
«Im Sommer arbeiten hier 15 Personen. Unter den jetzigen Bedingungen wäre das schwierig: Es fehlt an Platz für die Schränke, um persönliche Sachen zu versorgen, und es ist auch sehr schwierig, Ordnung zu halten, wenn Werkzeuge, Motorenöl und Ähnliches am gleichen Ort untergebracht werden müssen. Künftig gibt es zudem eine Werkstatt, in der meine Kollegen im Winter Auftragsarbeiten ausführen können.»

Wie sieht Ihre persönliche und berufliche Zukunft aus? Bleiben Sie im Berggebiet?
«Auch wenn es mein grosser Traum ist, einmal für eine gewisse Zeit in Kanada zu arbeiten: Ich weiss, dass ich von den Schweizer Bergen nicht loskomme und im Berggebiet arbeiten will!»


Projektstatus: realisiert

Bilder zum Projekt

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Jenny Meichtry
Jenny Meichtry und Ausbildner Grégoire Zufferey.
Jenny Meichtry Forstwartin Meichtr Hänge Stämme Claude Salamin Materiallager Spielplatz Forsthauserweiterung
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