Alp und Käse
Unsere Alpen müssen weiterhin bewirtschaftet werden, sollen sie nicht verganden. Damit die Sennen weiterhin mit den Tieren auf die Alp ziehen können, müssen aber angemessene Einrichtungen für Mensch und Tier vorhanden sein. Auch braucht es genügend Trinkwasser. Und ohne Erschliessung mit einer Strasse oder einer Seilbahn hat eine Alp oft keine Zukunft mehr.
Käsereien in Berggebieten sind wichtige Milchabnehmer und stellen wertvolle Qualitätsprodukte her. Sie sind die Existenzgrundlage für viele Bergbauern. Weil aber die Hygienevorschriften immer strenger werden, sind oft teure Investitionen nötig, um den Betrieb für die Zukunft zu erhalten und so wertvolle Arbeitsplätze zu sichern.
Damit Sie sich ein Bild über unsere Unterstützung machen können, haben wir für Sie drei Beispiele aus dem Themenbereich Alp und Käse ausgewählt. Klicken Sie auf den Link und lernen Sie die Projekte und die Menschen dahinter näher kennen.
Fritz von Känel: «Wir kehren mit 2½ Tonnen Alpkäse ins Tal zurück»
«Ich habe ein gutes Gefühl», verrät der 53-jährige Senn Fritz von Känel, auf die Qualität des diesjährigen Berner Alpkäses AOC angesprochen, «aber Gewissheit haben wir erst in einem halben Jahr, wenn der Käse ‚reif‘ ist». Neben den täglichen Herausforderungen auf der Alp Hohkien haben er und seine Frau Barbara auch die Umstellung von Gas auf Holz in der «Chäsi» schnell gemeistert.
Der Alpsommer geht zu Ende. Mit welchen Gefühlen kehren Sie auf Ihren Hof nach Aeschiried zurück?
«Es war ein schöner Sommer auf Hohkien, mit vielen warmen Tagen. Es ist auf jeden Fall gut, dass er nicht ‚über Nacht‘ zu Ende geht. Wir sind noch einige Wochen in der unteren Hütte, wo wir im gleichen Rhythmus weiterarbeiten und uns vom Alpsommer langsam verabschieden können.»
Was bleibt Ihnen von diesem Sommer besonders in Erinnerung?
«Im Moment sind die Ereignisse der letzten Tage besonders präsent: Ein Rind starb, als es in eine Felsspalte fiel. Sein Körper war bald derart aufgebläht, dass es selbst mit dem Helikopter kaum zu bergen war. Das hat mich sehr betroffen gemacht, denn normalerweise sind diese Spalten kein Problem. Auf der Alp kann immer etwas passieren: Unfälle, ein Unwetter, Krankheiten. Während einiger Jahre gab es glücklicherweise gar keine Zwischenfälle. Wichtig ist, dass man sich zu helfen weiss.»
Erstmals haben Sie in der neuen Käserei mit Holz gefeuert. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
«Ich bin froh, dass alles rund gelaufen ist. Beim Feuern mit Holz ist das Dosieren die grösste Herausforderung: Schon nach der ersten Woche hatten wir es im Griff, wie viel wir einfeuern müssen, damit es für das Erhitzen der Milch, das Warmwasser und auch für das Nachwärmen des Lagerraums genau aufgeht. Das Problem ist also, nicht zu viel zu heizen und dadurch Holz zu verschwenden aber natürlich auch nicht zu wenig. Denn schon beim ersten Laib, den wir am 1. Juli machten, musste die Einhaltung der AOC-Kriterien garantiert sein.»
Wovor hatten Sie zu Beginn am meisten Respekt?
«Respekt ist das falsche Wort, aber besonders im Auge wollte ich die Absauganlage behalten. Diese haben wir ja zusammen mit dem neuen Holzofen installiert. Sie transportiert die Milch direkt vom Stall in die ‚Chäsi‘. Bei Leitungen von 40 bis 50 Metern Länge besteht immer das Risiko, dass sich Keime festsetzen.»
Wie hat sich der Wechsel vom Gas zurück zum Holz auf den Alpalltag ausgewirkt?
«Es ist arbeitsintensiver als früher, was uns auch von Anfang an bewusst war: Holz im Tal bereit stellen, mit der Seilbahn hochführen und bei der Alphütte dann hacken, das alles sind zusätzliche Aufgaben. Dann hatten wir das Pech, dass sich unsere Hilfskraft während des Sommers am Kreuzband verletzt hat. Zum Glück konnte sie aber das Holzhacken übernehmen, während ich dafür mehr als sonst üblich auf den Weiden unterwegs war und bei den Rindern und den Schafen zum Rechten schaute.»
Sind Sie zufrieden mit dem Ertrag dieses Alpsommers?
«Sehr sogar. Dank des warmen Wetters und entsprechend viel Gras und Alpkräutern haben die Kühe mehr Milch als je zuvor gegeben. So werden wir schätzungsweise auf zweieinhalb Tonnen Käse kommen. Auch was die Qualität angeht, habe ich ein gutes Gefühl. Zwei Käselaibe habe ich zur Probe angebohrt und das Resultat war vielversprechend. Gewissheit habe ich aber erst im Januar oder Februar, wenn der Käse ein halbes Jahr alt ist.»
Sie hatten die meisten Kühe auf der Alp. Was werden Sie mit dem Käse machen, der Ihnen zusteht?
«Das ist immer eine schwierige Entscheidung. Wenn ich grosse Mengen aufs Mal an einen Händler verkaufe, erziele ich zwar nur einen relativ kleinen Preis, dafür ist mein Aufwand auch geringer als wenn ich den Käse direkt, zum Beispiel auf dem Markt, verkaufe. Ich werde also beides machen.»
Jetzt kehren Sie wieder in die «Zivilisation» zurück?
«Ganz ‚von der Welt‘ waren wir dann doch nicht. Viele Leute haben uns auf der Hohkien besucht und auch bei uns im Matratzenlager übernachtet. Es hat sich wohl herumgesprochen, wie gut Barbara kocht! Auch einige alte Freunde, die schon lange einmal vorbeischauen wollten, konnten wir bewirten. Da bleiben schöne Erinnerungen zurück.»
«Die Alp Hohkien ist unsere zweite Heimat», sagt Fritz von Känel. Routiniert bewältigen der 53-jährige Senn und seine Frau Barbara den harten Alltag des Alpsommers auf 2027 m ü. M. – und das seit 26 Jahren. Seit diesem Jahr verfügt ihre Alphütte über eine neue, moderne «Chäsi» - in der ganz traditionell mit Holz eingefeuert wird!
Als im Juni der letzte Schnee verschwunden war, konnte die «Chäsi» im Alphütten-Anbau fertiggestellt werden. Kaum waren dann die 35 Kühe, 120 Rinder, fast 400 Schafe und einige Ziegen auf der Alp Hohkien angekommen, begann die Herstellung des Alpkäses. «Es hat schon ein paar Tage gebraucht, bis wir die neuen Handgriffe und Abläufe verinnerlicht haben», blickt Fritz von Känel zurück. Doch sehr schnell hatten der Senn und seine Frau Barbara den Holzofen, die neue Absauganlage, mit der die Milch vom Stall in die «Chäsi» transportiert wird, und das «Chessi» im Griff. Das war auch nötig, denn schon der erste Käselaib musste den hohen Qualitätsanforderungen des Gütesiegels AOC («Appellation d’Orignie Contrôlée») genügen.
Eine lohnende Anstrengung
26 Sommer hat das Ehepaar schon gemeinsam in der atemberaubenden Bergwelt der Alp Hohkien gearbeitet. Gekäst wurde früher im Wohnteil, in jüngerer Vergangenheit mit Gas, was den neuesten Kriterien aber nicht mehr entspricht. «Hätten wir nach Ablauf der Übergangsfrist nicht von Gas auf Holz umgestellt, wären wir das AOC-Label los gewesen», erklärt Alfred Thönen, der Präsident der Alpkorporation. So weit ist es dank des Einsatzes der Korporationsmitglieder und der Unterstützung der Schweizer Berghilfe nun nicht gekommen. Für Senn Fritz von Känel bedeutet die Rückkehr zum Holz, dass sich die Anstrengungen des Alpalltags, das Zäunen, Melken, Käsen, das Pflegen der Tiere und neuerdings auch die Beschaffung des Brennholzes, auch in Zukunft bezahlt machen werden.
Kontakt Fritz und Barbara von Känel auf der Alp Hohkien, von Juni bis September: Tel. 033 676 21 90
Projektstatus: realisiert
Grône (Wallis)

Grône/VS: Pferd und Rind halten die Alp im Schuss
Vater und Tochter Favre sind ein eingespieltes Team: Gemeinsam hüten sie 50 Eringer-Rinder und 30 Pferde im Vallon de Réchy. Jetzt können die beiden ihre Tiere auch auf die entlegene Alp Tsartsey begleiten. Unterschlupf finden sie in den im alten Stil wieder erstellten Alphütten.
Auf den ersten Blick passten die zerfallenen Alphütten gut in die wildromantische Landschaft des Vallon de Réchy. Doch ohne eine regelmässige Nutzung der Weideflächen auf 1800 bis 2600 m ü. M. drohte der Alp Tsartsey über kurz oder lang die Vergandung. Mit der dringend notwendigen Restaurierung der Alphütten in den Gebieten «Chiesso» und «Remointz» konnte dieser Entwicklung entgegengewirkt werden. Von den erneuerten Hirtenunterkünften aus haben Gilles Favre und seine Tochter Natacha die Möglichkeit, zu ihren 50 Eringer-Rindern und 30 Pferden zu schauen. Dank der Schweizer Berghilfe, die das Hüttenprojekt unterstützte, ist Leben in das verschlafene Tal zurück gekehrt.
Dem Vater die Rinder, der Tochter die Pferde
«Pferde passen gut zu Rindern, was das Weiden auf der Alp angeht», weiss die 20-jährige Natacha, die im letzten Jahr ihre Ausbildung zur Landwirtin abgeschlossen hat. «Sie fressen unterschiedliche Kräuter und Gräser.» Mit ihrer Idee, nebst eigenen auch fremde Pferde mit ins sommerliche «Höhentraining» zu nehmen, schafft sich die engagierte Bäuerin ein wichtiges Zusatzeinkommen: Jahr für Jahr steigt die Zahl der Tiere, die sie vorübergehend in Pension nimmt. Spielraum nach oben gibt es: «Vierzig Pferde sollen es in den kommenden Jahren sein», erzählt Natacha. Für das Vallon de Réchy kommt diese Entwicklung genau richtig, denn Futter auf den Alpweiden hat es mehr als genug.
Projektstatus: realisiert
Unterschächen (Uri)

Unterschächen/UR: «Die Seilbahn ist nicht wegzudenken»
«Es ist toll, dass wir den Sommer weiterhin hier oben verbringen können», freut sich die 12-jährige Marlies. Die Erneuerung der Seilbahn macht es möglich, dass die Kinder während der Alpsaison von der Alp Wannelen ins Tal zur Schule fahren können.
Vor der Sanierung verfügte die Seilbahn nur über offene Holzkabinen und genügte den Vorschriften nicht mehr. Mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe konnte der Antrieb der Seilbahn modernisiert und eine Personenkabine installiert werden. Dank diesen Verbesserungen können weiterhin sieben Familien im Sommer die Alp bewirtschaften. Was es zum Leben braucht, muss mit der Seilbahn befördert werden: Lebensmittel, die tägliche Post, Stroh und Futter für die Kühe und Material für die Einzäunung der Weiden. «Manchmal fährt auch ein Kälbchen mit, das den langen und steilen Weg nicht gehen kann», erzählt Senn Josef Müller, der als Präsident der Seilbahngenossenschaft amtet.
Für Schüler und Wanderer
«Auf die Seilbahn sind wir zwingend angewiesen», sagt auch Ruth Imhof. Die Imhofs sind eine der sieben Familien, die den Sommer auf der Alp Wannelen verbringen. Zwei ihrer drei Töchter sind schulpflichtig und fahren jeden Morgen mit der Seilbahn hinab nach Unterschächen und von dort aus mit dem Bus zur Schule in Spiringen. «Die geschlossene Personenkabine bringt für die Kinder mehr Sicherheit. Zudem werden sie nicht mehr nass, wenn es regnet.» Auch Wanderer benutzen die Seilbahn gerne und oft. «An schönen Wochenenden fahren manchmal pro Tag über 100 Personen auf die Alp», sagt Josef Müller. Die damit erzielten Einnahmen werden für den Unterhalt der Bahn eingesetzt. Für Müller ist klar: «Dass die Alp so gut funktioniert, verdanken wir der Schweizer Berghilfe. Die Erneuerung der Bahn hätten wir finanziell nicht tragen können.»
Projektstatus: realisiert







