Haus und Hof
Dieser Bereich umfasst die vielfältige Unterstützung von Bergbauernfamilien und ihren Betrieben, z. B:
- Prekäre Wohnverhältnisse werden mit einem Neu- oder Umbau eines Wohnhauses behoben.
- Vorschriften im Umwelt- und im Tierschutz erfordern vielfach teure bauliche Anpassungen oder sogar den Neubau von Ställen.
- Zur Existenzsicherung eines Betriebs ist der Zukauf von Land erforderlich.
- Soforthilfe bei aussergewöhnlichen Situationen wie Unwettern, Unfälle usw.
Damit Sie sich ein Bild über unsere Unterstützung machen können, haben wir für Sie drei Beispiele aus dem Themenbereich Haus und Hof ausgewählt. Klicken Sie auf den Link und lernen Sie die Projekte und die Menschen dahinter näher kennen.
Simplon-Dorf (Wallis)

Simplon-Dorf/VS: Neue Hoffnung nach Stallbrand
Nach einem Stallbrand bangte die Bauernfamilie Escher aus Simplon-Dorf/VS um ihre Existenz. Mit einem neuen zeitgemässen Laufstall und der Umstellung von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung packt die Walliser Familie ihre Zukunft an.Die fünfköpfige Bauernfamilie Escher November wurde im November 2006 von einem Schicksalsschlag hart getroffen. Der Stall fing Feuer und wurde vollständig zerstört. Glücklicherweise konnten die zehn Kühe und sieben Kälber gerettet werden. «Für uns war das ein gewaltiger Schock!», erinnert sich Bauer Paul Escher. «Wir verloren das Herzstück unseres Hofs: den Stall, den mein Vater selbst gebaut hatte, und das gesamte Heu.» Die Familie brauchte viel Zeit, um mit der neuen Situation zurechtzukommen. Das Vieh musste vorübergehend in zwei Ställen untergebracht werden. Bald war für die Eschers klar, dass sie nur weiter bauern konnten, wenn sie wieder einen eigenen Stall hatten. Dieses Ziel drohte jedoch zu scheitern, weil die vorhandenen finanziellen Mittel dafür nicht reichten. Erst als die Schweizer Berghilfe Unterstützung zusagte, konnte die Familie aufatmen. «Ohne den finanziellen Beitrag wäre unsere Existenz gefährdet gewesen», sagt Paul Escher.
Angepasster Betrieb erleichtert Nebenerwerb
Im Februar 2009 wurde der neue Stall bezogen. «Ich bin unendlich froh, dass die Zeit der Stallprovisorien und die damit verbundene aufwendige Arbeit ein Ende hat», erzählt Paul Escher. Er nahm das tragische Ereignis zum Anlass, den Betrieb neu auszurichten. So wurde der Hof von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umgestellt. Künftig können 22 Kühe gehalten werden. Paul Escher: «Die Umstellung auf Bio-Fleischproduktion macht es möglich, die geplante Betriebsvergrösserung mit meiner eigenen Arbeitskraft zu bewältigen, weil das Melken entfällt. Und ich kann die Arbeit flexibler einteilen.» So kann seine Frau ihr 30-Prozent-Pensum als Hebamme im Spital Visp besser koordinieren: «Wir sind auf das Zusatzeinkommen angewiesen», betonen Paul und Susanne, in deren Leben wieder Zuversicht Einzug gehalten hat.Projektstatus: realisiert
Achseten (Bern)
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Achseten/BE: «Die Haussanierung ist für uns ein Weihnachtsgeschenk»
Endlich hat auch Fanny Wäfler ihr eigenes Zimmer. Die Elfjährige schlief aus Platzmangel bislang im Schlafzimmer der Eltern. Dank der Sanierung des Wohnhauses, welche durch die Schweizer Berghilfe ermöglicht wurde, hat die fünfköpfige Familie endlich ein angemessenes Zuhause. Und die harte Arbeit auf dem kleinen Viehbetrieb fällt Vater Hanspeter und Mutter Yvette Wäfler etwas leichter.Die fünfköpfige Familie Wäfler lebt in bescheidensten Verhältnissen auf einem kleinen Hof in Achseten/BE. Die Arbeit auf dem Betrieb, zu dem sechs Mastkühe und ein halbes Dutzend Kälber gehören, ist hart. Damit die Familie über die Runden kommt, arbeitet Hanspeter Wäfler zusätzlich als Wegmeister: Er räumt, kiest und salzt im Winter die schneebedeckten Strassen. Die drei Kinder helfen auf dem Hof alle tatkräftig mit, Sohn Matthias (17) befindet sich bereits im zweiten Bauernlehrjahr und könnte den Hof dereinst übernehmen. Das Wohnhaus verlangte der Familie in der Vergangenheit viel Geduld und Mühsal ab: Die Wohnräume im oberen Stock waren nur ca. 160 cm hoch, was ein aufrechtes Gehen praktisch verunmöglichte. Die beiden Söhne teilten sich ein winziges Zimmer, die 11-jährige Tochter Fanny schlief aus Platzmangel seit ihrer Geburt im Schlafzimmer der Eltern. Mit dem Heranwachsen der Kinder bestand deshalb akuter Handlungsbedarf.
«Die Kinder blühen richtig auf!»
In den letzen Monaten wurde das Dach des Hauses angehoben, damit die Raumhöhe angepasst und die Schlafräume im ersten Stock umgebaut werden konnten. «Die Wohnhaussanierung konnte noch vor Einbruch des Winters abgeschlossen werden», erzählt Yvette Wäfler und fügt sichtlich bewegt an: «Die Kinder blühen richtig auf, das macht mir grosse Freude!» Endlich hat Fanny ein eigenes Schlafzimmer und das Zimmer der Söhne ist jetzt gross genug, damit sie dort auch lernen können. Im kleinen Vorraum des ersten Stockes steht neu ein Schwedenofen, sodass alle Schlafräume durch die offenen Zimmertüren geheizt werden können – was vorher nicht der Fall war. «Besonders froh sind wir über das zusätzliche WC im Obergeschoss», meint die Mutter. «Weil die beiden Stockwerke inwendig nicht verbunden sind, mussten wir früher nachts immer über eine Aussentreppe hinab ins Erdgeschoss auf die Toilette gehen. Besonders im Winter war das sehr kalt.» Für Wäflers ist die Verbesserung der Wohnverhältnisse wie ein Weihnachtsgeschenk. «Ohne die Unterstützung der Schweizer Berghilfe wäre die Sanierung für uns absolut undenkbar gewesen», betont Yvette Wäfler.Projektstatus: realisiert
«Die ganze Familie hilft mit, damit unser Plan aufgeht»
Was tun, damit ein kleiner Bergbetrieb genug für zwei Generationen abwirft? Diese Frage stellte sich Familie Morier. Mit einem Gästezimmer-Angebot erwirtschaftet sich die findige Familie nun wesentliche Zusatzeinnahmen. «Man muss zuvorkommend und offen sein und die Leute die Herkunft unserer Nahrungsmittel wieder entdecken lassen», umschreibt die Waadtländer Bergbäuerin und Hotelière Armelle Morier ihr Erfolgsgeheimnis.Wie kamen Sie auf die Idee, auf Ihrem Hof Gästezimmer anzubieten?
«Weil wir auf ein Zusatzeinkommen angewiesen sind, war ich jahrelang in der Hotellerie tätig gewesen. Ich hielt den Moment für gekommen, selber etwas im Bereich Tourismus anzubieten, anstatt weiterhin auswärts zu arbeiten. Da wir den alten Stall nicht mehr brauchten, hatten wir genug Platz und daher die Möglichkeit, Gästezimmer einzurichten.»
Welche Bedeutung haben die Gästezimmer für die Zukunft Ihres Hofs?
«Das Ziel ist, dass wir Eltern ein eigenes Einkommen haben, wenn unser Sohn mal den Hof übernimmt. Da sind wir nun auf einem guten Weg. Zudem schaffen wir ein zweites Standbein, was ja für viele Höfe wichtig ist. Damit unser Plan aufgeht, packt die ganze Familie an. Der Sohn, der momentan noch auswärts arbeitet, hilft morgens und abends im Stall. Unsere beiden Töchter unterstützen mich im Haushalt. Arbeit haben wir ja mehr als genug. Unsere Kinder möchten gerne auch in Zukunft hier im Berggebiet leben, wo sie sich daheim fühlen.»
Ihre Familie hat die Umbauarbeiten teilweise selbst erledigt. Welches waren die Herausforderungen?
«Den alten Stall haben wir eigenhändig ausgeräumt, für den Bau der Zimmer waren wir hingegen auf Handwerker angewiesen. Mein Mann hat aber mitgeholfen. Die ganzen Arbeiten haben rund eineinhalb Jahre gedauert und sind plangemäss verlaufen. So konnten wir im Januar 2007 eröffnen. Beim Innenausbau haben wir viel unbehandeltes Holz verwendet. Das gibt den Räumen einen natürlichen Charme, der bei den Gästen sehr gut ankommt.»
Welchen Stellenwert hatte das Engagement der Schweizer Berghilfe für Ihr Projekt?
«Wir hatten nicht genügend eigene finanzielle Mittel für den Umbau. Ohne die Unterstützung der Schweizer Berghilfe hätten wir die Zimmer, Bad und Küche nicht auf einem zeitgemässen Standard ausbauen können, wie ihn die Gäste heutzutage erwarten. Daher sind wir sehr dankbar für die Unterstützung.»
Sie sind ausgebildete Hotelfachfrau. Wie konnten Sie Ihr Wissen bei der Lancierung der Gästezimmer nutzen?
«Dank meiner Berufserfahrung konnten wir unsere Idee schneller umsetzen, als wenn wir bei Null hätten beginnen müssen. Man braucht ein Minimum an Hotellerie-Know-how für so ein Angebot. Auch kenne ich die touristische Kundschaft in unserem Dorf. Mein Diplom half mir zudem, die Lizenz zu bekommen, die man im Kanton Waadt für ein Gästezimmer-Angebot benötigt. Andernfalls hätte ich einen Kurs besuchen müssen. Meine Erfahrung ist in viele Detail-Ideen eingeflossen. Beispielsweise benennen wir die Zimmer nicht nach Nummern, sondern nach den Themen, denen diese gewidmet sind.»
Hatten Sie professionelle Beratung beim Aufbau Ihres Angebots?
«Ja, die kantonale Stelle für den ländlichen Tourismus wie auch das Tourismus-Büro in Château-d’Oex haben uns beim Budget und in weiteren Fragen zur Lancierung unserer Zimmer unterstützt.»
Wie vermarkten Sie Ihre Gästezimmer?
«Wir haben einen Prospekt, den wir verteilen. Weitere Werbung macht das lokale Tourismus-Büro. Zu finden sind wir auch auf der Internetsite www.tourisme-rural.ch. Eine eigene Webpage brauchen wir im Moment nicht, wir haben auch so genug Kundschaft.»
Woher kommen Ihre Gäste und warum besuchen Sie Ihre Region?
«Die meisten Gäste stammen aus der Schweiz, viele davon aus Genf. Wir haben aber auch Deutschschweizer Kundschaft. Hinzukommen viele Franzosen sowie Belgier und Niederländer. Château-d’Oex ist sehr bekannt für Heissluftballon-Fahrten. Im Winter ist die Region ein attraktives Skigebiet. Der Ort ist sehr familienfreundlich, hat ein Schwimmbad, auch die Saane ist nah. Die Besucher kommen hauptsächlich der ruhigen, natürlichen Umgebung wegen zu uns.»
Was bewegt Ihre Gäste, statt in einem Hotel auf dem Bauernhof zu wohnen?
«Die Leute suchen die Natur, wollen sehen, woher Milch und Konfitüre kommen. Eine wichtige Rolle spielen unsere hofeigenen Produkte, die den Gästen besser als die aus dem Laden schmecken. Sie schätzen es, den Ursprung der Produkte zu sehen, unseren Gemüsegarten oder unsere Tiere. Auf Wunsch bieten wir auch eine Betriebsführung an. Manchmal kaufen die Leute uns Butter oder Konfitüre ab, bevor sie abreisen.»
Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Ihren Gästen?
«Die meisten sagen uns, sie hätten den Aufenthalt als sehr angenehm empfunden. Beinahe all unsere Gäste wollen wiederkommen. Manche waren nun innerhalb von zwei Jahren schon dreimal bei uns. Unser Angebot hat sich wirklich sehr erfreulich entwickelt. Allerdings haben wir auch sehr viel Arbeit. Wir gönnen uns selbst nur eine Woche Ferien pro Jahr. Da wir das ganze Jahr über offen haben, liegt mehr nicht drin.»
Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?
«Man muss zuvorkommend und offen sein. Wir versuchen, den Gästen die Besonderheiten der Region und unser Brauchtum zu vermitteln. Eine wichtige Aufgabe des Agrotourismus ist es auch, die Leute wieder entdecken zu lassen, woher die Nahrungsmittel kommen. Und bei uns sind alle willkommen, wir können auch Familien oder ganze Gruppen aufnehmen.»
Wieso nicht ihr eigenes Know-how als Hotelfachfrau auf dem eigenen Betrieb einsetzen? Das sagte sich die engagierte Bergbäuerin Armelle Morier. Mit einem professionellen agrotouristischen Angebot sichert die Waadtländer Familie die Zukunft ihres Hofs.
Der Hof der Moriers wirft nicht genug ab für eine fünfköpfige Familie. Um Zusatzeinkünfte zu erzielen, war Armelle Morier lange in der Hotellerie tätig. «Eines Tages sagte ich mir: Jetzt habe ich genug auswärts gearbeitet. Ich will selbst etwas aufziehen», erzählt die initiative Bergbäuerin aus dem Waadtland. Ziel war, den Familienbetrieb mit einem zweiten Standbein langfristig zu sichern. Wenn der heute 19-jährige Sohn Mathieu, ein ausgebildeter Landwirt, einmal den Hof übernimmt, müssen die Eltern ein eigenes Einkommen haben. Mit vereinten Kräften baute die Familie vor zwei Jahren den alten Stall zu Gästezimmern um.
Produkte vom eigenen Hof
Moriers nahmen ihr agrotouristisches Projekt mit der nötigen Professionalität an die Hand – auch dank dem Know-how der Bäuerin, einer gelernten Hotelfachfrau. Jedes der fünf Zimmer ist nach einem Thema eingerichtet, z.B. Alp, Garten oder Blumen. Die Gäste schätzen die individuelle Zimmergestaltung. Gut kommen auch die hofeigenen Produkte an, die aufgetischt werden: Gemüse, Fleisch, Milch, Konfitüre, Alpkäse und selbstgemachtes Brot. «Ich höre oft, unser Fleisch sei viel besser als das aus dem Grossverteiler. So kommen wir jeweils auch auf unseren Hof zu reden, für den die Gäste sich meist interessieren», erzählt Armelle Morier und bilanziert: «Unser Angebot hat sich sehr gut entwickelt. Ohne das Engagement der Schweizer Berghilfe wäre dieses Projekt jedoch nicht möglich gewesen.» Dafür, dass sich die Investition langfristig auszahlt, geben Moriers alles: «Wir arbeiten hart, damit die Gäste auch in Zukunft kommen.»Kontakt: Tel. 026 924 72 44, jjmorier@freesurf.ch
Projektstatus: realisiert






