Innovation und Zukunft
Unsere Bergbevölkerung setzt viele gute Ideen in die Realität um und ist gegenüber Innovationen offen. Mit Initiative und Engagement werden zukunftsfähige Projekte angepackt. Die Schweizer Berghilfe unterstützt nach eingehender Prüfung die Umsetzung von Projekten, welche Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Bergregionen schaffen. Ebenfalls setzen wir uns für die Aus- und Weiterbildung sowie die medizinische Versorgung in der Region ein.Damit Sie sich ein Bild über unsere Unterstützung machen können, haben wir für Sie drei Beispiele aus dem Themenbereich Innovation und Zukunft ausgewählt. Klicken Sie auf den Link und lernen Sie die Projekte und die Menschen dahinter näher kennen.
Ganterschwil (St. Gallen)

Ganterschwil/SG: Zündende Idee aus Toggenburger Holz
Ohne die notwendige Hobelmaschine wäre Hans Gislers innovatives Luftkammersystem eine gute Idee auf Papier geblieben. Dank der Unterstützung der Schweizer Berghilfe sind jetzt die Voraussetzungen erfüllt, damit sich die Auftragsbücher der Holzbaufirma Gisler füllen können.
Vor rund fünf Jahren hatte Unternehmer Hans Gisler die zündende Idee. Er entwickelte ein neues Systemhaus, das nur aus Holz gebaut wird. Der Knackpunkt dabei war die Isolation: «In der Schweiz werden Wände traditionell mit Baumaterialien wie Glas- und Steinwolle, Styropor und Beton isoliert», erklärt der fünffache Familienvater, der selbst aus einer Bauernfamilie mit sieben Geschwistern stammt. Die Lösung, wie auf diese Materialien verzichtet werden kann, war dann förmlich aus der Luft gegriffen. «Wir fräsen kleine, zwei Millimeter dünne Hohlräume in die Holzwände und schliessen sie dann mit einer weiteren Holzschicht luftdicht ab. Dadurch entsteht eine Wärmespeicherung, die drei- bis viermal effektiver ist als die herkömmliche Bauweise», erklärt der Firmenchef begeistert. «Nichts isoliert besser als Luft. Das entwickelte System ist im Grunde genommen genial einfach und entspricht dem Zeitgeist: Zurück zur Natur!»
Toggenburger Bauern liefern Mondholz
Für seine Konstruktion verwendet Hans Gisler sogenanntes Mondholz aus der Region – meistens von einheimischen Bauern. Das Holz wird bei abnehmendem Mond in den Monaten November bis Februar geschlagen und enthält nur wenig Feuchtigkeit. Die Wirksamkeit des Gisler-Holzhaus-Systems ist in der Zwischenzeit durch Tests der ETH Zürich auch wissenschaftlich belegt. Eine Knacknuss war indes die Herstellung der speziellen Holzkonstruktion. «Wir benötigten eine Vierseiten-Hobelmaschine, um überhaupt die Hohlräume ins Holz fräsen und damit unser Produkt auf den Markt bringen zu können», erklärt Hans Gisler. Die Starthilfe durch die Schweizer Berghilfe sei für ihn entscheidend gewesen, betont Gisler, weil die Entwicklung der Dämmlösung bereits hohe Kosten verursacht hatte. Mit dem Beitrag der Schweizer Berghilfe konnte das Projekt startklar gemacht werden. Bis heute wurden vier Häuser mit dem neuen System gebaut. Und die Zukunftsperspektiven zeigen sich vielversprechend. «Wenn die Aufträge weiter steigen, werde ich zusätzliche Mitarbeiter einstellen können», sagt Gisler.
Projektstatus: realisiert
Maurice Masserey: «Viele Leute entdecken die traditionellen Kräuter wieder»
In Venthône/VS betreibt Maurice Masserey erfolgreich einen Heil- und Gewürzpflanzen-Betrieb. Dabei setzt der Bergbauer konsequent auf biologische Produktion. Getrocknet werden seine Pflanzen mit Sonnenergie: «So schonen wir nicht nur die Umwelt, sondern sparen auch viel Geld», sagt Maurice Masserey.
Wie kamen Sie als einer der Pioniere überhaupt auf die Produktion von Heil- und Gewürzpflanzen?
«Anfangs der 80er-Jahre wollte ich im Wallis mit bescheidenen Mitteln einen Hof aufbauen. Gleichzeitig war die Firma Ricola auf der Suche nach Kräuter-Produzenten. So ergab es sich, dass ich zusammen mit meiner Frau Marie-Christine 1983 mit dem Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen anfing. Ich hatte eine klassische landwirtschaftliche Ausbildung absolviert, die speziellen Kenntnisse für den Kräuteranbau habe ich mir selbständig angeeignet.»
Weshalb ist das Wallis besonders geeignet für den Kräuteranbau?
«Das liegt in erster Linie am Klima mit wenig Niederschlägen und viel Sonne, so wie es auch für den Rebbau ideal ist. Ein zweiter Grund ist die Nähe zur eidgenössischen landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope, die von Conthey aus den Kräuteranbau fördert. Zudem hat die Bevölkerung hier grosse Erfahrung mit dem Anbau der unterschiedlichsten Kulturen im Berggebiet. Heute stammt ein Grossteil der Schweizer Kräuterproduktion aus dem Wallis.»
Sie trocknen Ihre Pflanzen mit Sonnenenergie. Warum?
«Den Solartrockner habe ich angeschafft, nachdem meine vorherige Anlage zu klein geworden war. Als Biobauer ist es mir wichtig, die Pflanzen auch auf ökologische Art und Weise zu verarbeiten. Für die Trocknung braucht es einerseits Wärme, andererseits Luftzufuhr. Für die Lüftung verwenden wir normalen Strom, für die Erwärmung Sonnenergie. Damit schonen wir nicht nur die Umwelt, sondern sparen auch viel Geld. Das Trocknen mit der Solaranlage kostet weniger als die Hälfte als mit konventioneller Energie.»
Wie wichtig war das Engagement der Schweizer Berghilfe für diese Anschaffung?
«Ohne die Unterstützung der Schweizer Berghilfe hätte ich den Solartrockner nicht finanzieren können. Stattdessen hätte ich wohl auf ein billigeres, konventionelles System zurückgreifen müssen, das im Unterhalt aber teurer gewesen wäre.»
Welches ist jeweils der schönste Moment in Ihrer Arbeit?
«Das ist die Ernte, bei der man die Früchte seiner Anstrengung einbringen kann. Diese dauert von Mitte August bis Mitte September – eine harte, aber schöne Zeit. Pro Jahr ernten wir mehr als 20 Tonnen Pflanzen, die im getrockneten Zustand noch etwa drei Tonnen wiegen. Dazu ist viel Handarbeit gefragt, was aber für eine naturnahe Produktion notwendig ist.»
Welches ist Ihre Lieblingspflanze?
«Die Salbei. Ich war der Erste, der sie für Ricola anpflanzte. Sie ist unser Hauptprodukt, und in all den Jahren habe ich mich mit dieser Pflanze sehr intensiv beschäftigt. Die Salbei, die in unserer Region besonders gut gedeiht, sieht schön aus und hat für verschiedene Leiden eine heilende Wirkung. Sie war schon den Römern bekannt, bei denen es hiess: 'Hast du eine Salbei im Garten, wirst du nie den Arzt brauchen.'»
Welchen weiteren Nutzen haben Ihre Kräuter?
«Meine Pflanzen sind sehr vielseitig verwendbar, ausser für Bonbons auch für die Küche, die Kosmetik oder die Medizin. Beispielsweise beliefere ich auch einen Hersteller von homöopathischen Medikamenten.»
Die Nachfrage nach Heil- und Gewürzpflanzen steigt. Was ist der Grund?
«Viele Leute wollen zurück zur Natur, gerade bei den Lebensmitteln und der gesundheitlichen Versorgung. Sie entdecken traditionelle pflanzliche Produkte wieder.»
Welche Reaktionen erhalten Sie von den Besuchern Ihres Betriebs?
«Die meisten Leute finden es interessant, mehr über die Produktionsweise auf unserem Betrieb und die rund 35 Kräuter zu erfahren, die wir anbauen. In Erinnerung geblieben ist mir eine alte Bäuerin, die sagte, sie halte eigentlich nichts von Bio-Produktion. Wenn aber alles wahr sei, was ich erzähle, sei dieser Kräuteranbau eine tolle Sache.»
Das Projekt
Auf brach liegender Fläche begann Maurice Masserey in den 80er-Jahren mit dem Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen. Heute zieht er 35 verschiedene Kräuter, der Grossteil davon wird an Ricola verkauft. Und die Nachfrage nach Heilpflanzen steigt.
Als Maurice Masserey 1983 mit dem Kräuteranbau anfing, war er einer der ersten in der Schweiz. Zusammen mit seiner Frau Marie-Christine bepflanzte der Walliser Bergbauer 1500 Quadratmeter brach liegende Fläche. Mit viel Herzblut bauten Massereys ihren Betrieb auf und hatten dabei den guten Riecher für eine Marktlücke. Heute ziehen sie auf 50‘000 Quadratmetern 35 verschiedene Heil- und Gewürzkräuter: darunter Salbei, Thymian, Eisenkraut, Schafgarbe und Majoran. Diese werden als Zutaten für verschiedene Produkte wie Bonbons, Bio-Tee, ätherische Öle und Gewürzmischungen verwendet. «Aus unserem Hauptprodukt Salbei entstehen die bekannten Ricola Bonbons», erzählt Maurice Masserey, der Vater von drei Kindern ist.
Naturnahe Produktion mit viel Handarbeit
Der Kräuteranbau ist sehr aufwändig und erfordert viel mühselige Handarbeit. Eine naturnahe Produktion ist dem Ehepaar wichtig, deshalb baut es die Pflanzen nach Bio-Richtlinien an und trocknet diese in einer Anlage, die mit Solarenergie erwärmt wird. Darin herrscht eine Temperatur von rund 45 Grad. Die Schweizer Berghilfe unterstützte die Installation dieser fortschrittlichen Kräutertrocknung. Eine gute Investition: «Die Nachfrage nach Heilkräutern steigt in ganz Europa», sagt Masserey. Immer mehr Menschen legen Wert auf naturnah hergestellte Lebensmittel oder medizinische Produkte. Das zeigt auch die wachsende Besucherzahl auf dem Walliser Kräuterhof.
Familie Masserey bietet auf ihrem Betrieb Gruppenführungen an. Entdecken Sie die Geheimnisse der Heil- und Gewürzpflanzenproduktion. Zum Abschluss können Sie pflanzliche Produkte kosten und sich mit Raclette und Wein aus der Region stärken. Weitere Infos und Anmeldung unter: Fam. Masserey, Tel. 027 455 89 74 / 079 449 29 22

Weshalb unterstützte die Schweizer Berghilfe die Familie Masserey?
«Massereys setzen sich mit viel Engagement und allen verfügbaren finanziellen Mitteln für ihren Betrieb ein. Mit ihren Produkten haben sie eine Marktnische gefunden. Trotzdem reichte das Geld nicht für die zeitgemässe Einrichtung auf dem Kräuterhof. Mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe kann die Familie ihren Betrieb für die Zukunft sichern.»
Welchen weiteren Nutzen hat dieser Betrieb?
«Dank ihm wird ehemaliges Brachland wieder sinnvoll genutzt. Zudem leisten Massereys einen Beitrag zur Aufklärung über den Kräuteranbau. Leute aus der ganzen Schweiz und sogar aus dem Ausland besuchen den Betrieb.»
Welches Potenzial hat Kräuteranbau in der Schweiz?
«Es handelt sich um eine Nische mit wachsender Nachfrage. Hier kann die Schweiz ihr hohes Niveau in Sachen naturnaher Produktion ausspielen. Das Wallis ist von seinem Klima her besonders gut für den Kräuteranbau geeignet, deshalb sind hier mehrere solcher Betriebe entstanden.»
Projektstatus: realisiert
Vicosoprano (Graubünden)

Vicosoprano/GR: Moderne Weiterbildung im abgelegenen Bergtal
Dank Computern rückt das Bergell zumindest virtuell näher an die Aussenwelt. Im Informatik-Zentrum von Vicosoprano können sie von Schulklassen, Vereinen und Firmen genutzt werden. Einen besonderen Profit ziehen die Lehrlinge daraus, so dass die Chancen gut stehen, dass der Nachwuchs nicht aus dem Bergtal abwandert.
Erwachsenenbildung ist für die Entwicklung unserer Region ganz entscheidend», sagt Maurizio Michael. Dazu gehören auch Computer-Kenntnisse. Um diese zu fördern, wurde 2003 im Bergell der Verein Centro Informatico Bregaglia (CIB) gegründet. Seit letztem Jahr befindet sich das CIB im neuen, modernen Gewerbezentrum in Vicosoprano/GR, wo in zwei Unterrichtszimmern eine unterdessen breite Palette an Weiterbildungskursen angeboten wird. Maurizio Michael, Koordinator und Geschäftsführer des Zentrums, ist begeistert vom Interesse: «Das Angebot nutzen pro Jahr rund 100 Personen aus unserer Bergregion.» Damit das CIB auch in Zukunft zeitgemäss unterrichten kann, hat die Schweizer Berghilfe einen entscheidenden Beitrag geleistet. Mit finanzieller Unterstützung konnte der Verein eine moderne PC-Infrastruktur einrichten. «Ohne diese Hilfe hätten wir die Geräte, die für die Weiterbildungskurse unverzichtbar sind, nicht kaufen können», erklärt Michael. Viele Bewohner des abgelegenen Bergtals belegen Informatik-Kurse, um sich damit beruflich weiterzubilden. «Wir planen auch einen Kurs für Bergbauern, der ganz auf deren Computer-Bedürfnisse ausgerichtet ist», so Michael zu den Zukunftsaussichten. Eine weitere Spezialität des CIB: Bergeller Lehrlinge können interaktiv am Unterricht der Berufsschule im Nachbartal teilnehmen. Er wird via Video-Übertragung von Poschiavo nach Vicosoprano übermittelt. «Gut ausgebildeter Nachwuchs hilft uns, die lokale Wirtschaft zu stärken», sagt Michael.
Grenzen überwinden mit Video-Übertragung
Das Bildungszentrum stellt die Infrastruktur auch weiteren Interessierten zur Verfügung, wie Michael erzählt: «Weil wir unsere PCs erneuern konnten, werden unsere Räume für den Informatik-Unterricht auch von Schulklassen aus der Region belegt. Zudem nutzen Vereine und insbesondere Firmen die Einrichtungen für Präsentationen, Workshops oder Video-Konferenzen.»Sein Weiterbildungsangebot rundet das Centro Informatico Bregaglia mit Sprachkursen und Kursen mit Themenschwerpunkten aus Kultur und Wirtschaft ab. Video-Übertragungen spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. «Drei- bis viermal pro Jahr übertragen wir live interessante Referate von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft», berichtet Maurizio Michael. «So können unsere Teilnehmer trotz der Abgeschiedenheit unseres Tals Anlässen beiwohnen, die beispielsweise in Lugano, Zürich, im Puschlav oder im Ausland stattfinden. So hatten wir auch schon Gelegenheit, ein Gespräch mit dem ehemaligen Bundesrat Joseph Deiss per Video-Übertragung mitzuverfolgen und konnten ihm sogar Fragen stellen.»
Projektstatus: realisiert






