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«Dann kann der Chef auch nicht ohne Helm auf den Mast.»

Seit 2006 kann man in der Schweiz eine Lehre als Seilbahn-Mechatroniker oder das Berufsattest als Seilbahner machen. Marc Ziegler, Leiter des Ausbildungszentrums von Seilbahnen Schweiz in Meiringen, ist überzeugt davon, dass die Ausbildung die Schweizer Seilbahnen sicherer gemacht hat.

August 2015 / 

Marc Ziegler, wieso braucht es eine eigene Berufsausbildung für den Betrieb und Unterhalt von Seilbahnen?
Weil der Unterhalt und Betrieb von den verschiedenen Seilbahnen, Skiliften, Gondeln, Standseilbahnen und Sesselliften ein sehr anspruchsvoller und vielseitiger Job ist. Er vereint sozusagen viele verschiedene Berufe.

Welche?
Mechaniker, Elektroniker, Bergsteiger, Monteur, Touristiker. Ein Beispiel: Der beste Mechaniker der Welt nützt nichts, wenn er nicht weiss, wie die Steuerung der Bahn funktioniert. Sogar ein Allrounder, der Mechanik und Elektronik perfekt beherrscht, ist bei den meisten Bahnen unbrauchbar, wenn er nicht mit den Gästen umgehen kann. Und sicher einen Mast hochkommen und schwindelfrei sein sollte er auch noch.

Das lernen die Lehrlinge alles hier in Meiringen?
Vieles lernen sie natürlich im Lehrbetrieb. Es ist uns aber wichtig, nicht nur die Theorie zu vermitteln. Wir haben hier in unseren Gebäuden im ehemaligen Zeughaus nebst Klassenzimmern und Lehrwerkstätten einen halben Klettergarten eingerichtet. Da können wir einen Rollenwechsel in luftiger Höhe genauso üben wie die Bergung von Personen aus einer festgesteckten Sesselbahn. Pro Jahr beginnen rund 20 junge Männer und Frauen die vierjährige Lehre.

Stammen die alle aus dem Berggebiet?
Ein grosser Teil schon. Es gibt aber auch jedes Jahr wieder einige Flachländer, die vom Berg- und Seilbahnfieber gepackt wurden und sich eine Lehrstelle bei einer Seilbahn ergattert haben.

Weit weg von zu Hause.
Ja, meistens schon. Oft sehen diese Jugendlichen ihre Familien und Freunde nur an den Wochenenden. Das kann je nach Persönlichkeit schon schwierig sein. Es liegt auch an den Lehrmeistern, dafür zu sorgen, dass die Jugendlichen nicht vereinsamen. Während der Schulwochen, wenn alle hier in Meiringen bei Gastfamilien und in Wohngemeinschaften untergebracht sind, dann besteht diese Gefahr natürlich nicht. Schon eher, dass sie über die Stränge schlagen.

Ist dies das Problem der Eltern, oder auch Ihres?
Wir können die Jugendlichen nicht erziehen. Aber solange sie noch nicht 18 Jahre als sind, bin ich für sie verantwortlich. Es gelten meine Regeln. Da bin ich streng. Das kommt wahrscheinlich von meiner Vergangenheit als Bergführer her. Am Berg muss auch einer der Chef sein. Wenn der etwas sagt, dann wird gemacht, nicht diskutiert. Im Allgemeinen klappt das hier an der Schule ganz gut, weil alle genau wissen, wieviel sie sich erlauben können.

Bergführer, Maschinenschlosser, Betriebsökonom. Können Sie die Ausbildung der Lehrlinge mit ihrem beruflichen Rucksack gleich selbst in die Hand nehmen?
Nein, das überlasse ich lieber unseren Fachlehrern. Die sind in ihrem Gebiet wirklich top. Das bin ich nirgends. Ich kann nur überall ein bisschen mitreden.

Aber Sie geben auch selbst Schule?
Ja, das Fach Tourismus zum Beispiel. Es ist wichtig, dass ich den direkten Kontakt zu unseren Schülern habe. Aber allzuviele Lektionen sind es nicht.

Ist die Qualität der Schweizer Seilbahnen besser geworden, seit es Ihr Ausbildungszentrum gibt?
Ich denke schon. Ganz unbestritten wird inzwischen sicherer gearbeitet. Das liegt andererseits daran, dass wir in der Ausbildung viel Wert auf Arbeitssicherheit legen. Aber auch daran, dass die Lehrmeister und die alteingesessenen Seilbahn-Angestellten nun eine Vorbildfunktion haben. Wenn der Stift einen Helm tragen muss, dann kann der Chef auch nicht gut ohne auf den Mast.

 
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