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Dem perfekten Panorama auf der Spur

Das Kartenspiel Elfer-Raus ist ein Spieleklassiker. Einfach, aber nie langweilig. Zu unserem 75-Jahr-Jubiläum haben wir eine Variante davon kreiert, die den Spielern zusätzlich die Schweizer Bergwelt näherbringt: Beim Legen der Karten entfalten sich wunderschöne Gipfelpanoramen auf dem Spieltisch. Fotografiert hat diese Bilder Simon Oberli. Er und seine Frau Daniela geben für jedes einzelne Panorama vollen Einsatz.

November 2017 / 

6 Uhr, Tiefenbach knapp unterhalb des Furkapasses. Es ist noch stockdunkel, als Simon und Daniela aus ihrem Kasten-wagen steigen, ihre Rucksäcke schnappen und losmarschieren. Ziel ist der Tiefengletscher und das «Krähennest», ein kleiner Gipfel mit wunderbarer Aussicht in alle Richtungen. Und Aussicht, darauf sind Oberlis aus. Schliesslich wollen sie heute zu ihrer Sammlung von Bergpanoramen ein weiteres Bild hinzufügen. Die Fotografie ist die grosse Leidenschaft der beiden. Sie schiessen neben Panoramen auch Naturbilder und Vergleichs-fotos von Gletschern, die deren Rückgang dokumentieren. Wenn die Bedingungen stimmen – also klare Luft und zumindest teilweise blauer Himmel –, sind sie immer in den Schweizer Bergen unterwegs. Und wenn das Wetter wieder unfreundlich wird, sitzt Simon zu Hause im Emmental stundenlang vor dem Computer und setzt mit akribischer Genauigkeit Dutzende von Einzelbildern zu grossen Panoramen zusammen. Er vertreibt die Bilder über seine Website. Sie sind unter anderem schon auf Baustellen-Abschrankungen, in Jahresberichten, an Spitalwänden und hinter Glas in diversen Küchen gedruckt worden. «Sicher mehr als 100 Stellenprozent» beträgt der Aufwand, den Oberlis gemeinsam für die Fotografie betreiben. Aber leben können sie davon nicht. Hauptberuflich ist Simon selbständiger Software-Entwickler, Daniela
arbeitet Teilzeit auf einer Bank. Lange Arbeitstage und durchgearbeitete Wochenenden sind kein Problem, weil die beiden keine Kinder und neben der Fotografie keine weiteren zeitintensiven Hobbys haben.

Deshalb nehmen sie auch gerne in Kauf, früh aufzustehen, um zum Sonnenaufgang bereits in der Nähe des Gletschers zu sein. Entschädigt werden sie heute von einer unglaublichen Stimmung, schönem Licht und der Begegnung mit einem Steinbock. In den ersten Sonnenstrahlen baut Simon sein Stativ auf einem grossen Felsbrocken auf. Mit diesem Panorama-Bild will er dokumentieren, wie stark der Gletscher seit dem Frühling geschmolzen ist. «Es ist dramatisch. Die Zunge ist jetzt vom Rest des Gletschers abgetrennt. Das ist für die Zunge das Todesurteil.» Um nicht mehr als nötig zur Klimaerwärmung beizutragen, verzichten Oberlis auf Reisen ins Ausland. Und zwar konsequent. «Klar würde ich gerne auch mal ein Panorama einer Wüstenlandschaft machen», so Simon. «Aber es gibt ja auch hier in der Schweiz genügend eindrückliche Panoramen, die in meinem Fotoarchiv noch fehlen.»

http://www.naturpanorama.ch
 

 
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