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Der Glacier-Express macht Hunger

Die Kontrolleure vom Furka-Tunnel sorgen für die Sicherheit der Bahnpassagiere. Dafür nehmen sie auch Dreck und Dunkelheit in Kauf.

November 2016 / 

Im Urnerland liegt ein halber Meter Neuschnee und es ist eisig kalt, doch Mario Pally und Columbin Manetsch steht der Schweiss auf der Stirn, obschon sie nur im Schlendertempo unterwegs sind. Und von der weissen Pracht haben sie auch nichts. Ihre Wanderung findet im Dunkeln statt, tief unter der Erde, mitten im Furka-Basistunnel. Mindestens einmal pro Monat schreitet ein Team den gesamten 15 Kilometer langen Tunnel ab und kontrolliert Gleise, Wände und technische Anlagen. Heute sind die beiden Gleismonteure Mario und Columbin an der Reihe. Die Patrouillendienste sind nicht die beliebtesten bei den Mitarbeitern der Matterhorn Gotthard Bahn. «Die Furka ist ein Drecksloch », bringt Mario die Abneigung auf den Punkt. «Hier ist es feucht, es stinkt, und wenn man wieder rauskommt, ist man mit einer zähen, schmierigen Dreckschicht bedeckt.»

Der 8.37-Uhr-Regionalzug ab Andermatt nach Brig hält in der Mitte des Tunnels kurz an, damit Mario und Columbin aussteigen können. Ausgerüstet sind sie mit orangen Warnkleidern, Helm, Lampen und einem kleinen, knallgelben und erstaunlich schweren Rucksack. Darin verpackt ist eine kompakte Sauerstoffmaske. In gemächlichem Tempo schreiten die beiden Männer den Geleisen entlang, lassen den Lichtstrahl ihrer Lampen abwechselnd über die Schienen sowie über die Tunnelwände gleiten. Was sie genau suchen? «Alles, was irgendwie aussergewöhnlich ist», sagt Columbin. Ein Schienenriss zum Beispiel, oder ein Defekt an der Fahrleitung. Das haben sie auf ihren Patrouillen alles schon gefunden. Ausserdem: immer wieder allerlei Abfall. «Es ist unglaublich, was die Leute in den Autozügen alles zum Fenstersind nicht die beliebtesten bei den Mitarbeitern der Matterhorn Gotthard Bahn. «Die Furka ist ein Drecksloch », bringt Mario die Abneigung auf den Punkt. «Hier ist es feucht, es stinkt, und wenn man wieder rauskommt, ist man mit einer zähen,  schmierigen Dreckschicht bedeckt.»

Der 8.37-Uhr-Regionalzug ab Andermatt nach Brig hält in der Mitte des Tunnels kurz an, damit Mario und Columbin aussteigen können. Ausgerüstet sind sie mit orangen Warnkleidern, Helm, Lampen und einem kleinen, knallgelben und erstaunlich schweren Rucksack. Darin verpackt ist eine kompakte Sauerstoffmaske. In gemächlichem Tempo schreiten die beiden Männer den Geleisen entlang, lassen den Lichtstrahl ihrer Lampen abwechselnd über die Schienen sowie über die Tunnelwände gleiten. Was sie genau suchen? «Alles, was irgendwie aussergewöhnlich ist», sagt Columbin. Ein Schienenriss zum Beispiel, oder ein Defekt an der Fahrleitung. Das haben sie auf ihren Patrouillen alles schon gefunden. Ausserdem: immer wieder allerlei Abfall. «Es ist unglaublich, was die Leute in den Autozügen alles zum Fenster  herauswerfen», sagt Mario.

Gefüllte Windeln und gebrauchte Kondome gehören zu den unappetitlichsten Funden, aber auch schon eine halbvolle Pet-Flasche lässt bei den Kontrolleuren ein ungutes Gefühl zurück: «Wenn die einer von uns an den Kopf bekommen hätte...» Denn der Zugverkehr geht während der Kontrollen normal weiter. Alle paar Minuten verkündet ein Luftzug und der gestiegene Druck in den Ohren, dass wieder ein Zug kommt. Wenig später sind in der Ferne die näherkommenden Scheinwerfer auszumachen, und die beiden Kontrolleure verziehen sich in eine der vielen Nischen, die alle paar Meter in die Tunnelwand geschlagen sind. Dann plötzlich: Licht, Lärm, Wind. Einige Sekunden lang Rattern, Heulen und Pfeifen, dann ist wieder Ruhe. So geht es weiter. Schritt für Schritt, Stunde um Stunde. Leuchten, schauen, Schutz suchen, weitergehen, leuchten. Bei Kilometer Sieben entdecken die Kontrolleure, dass an der Tunnelwand der Spritzbeton abgebröckelt ist. Und vier Kilometer weiter findet Columbin einen Schraubenzieher. Sonst unterbricht heute nichts die Monotonie der dunklen Röhre, und das Zeitgefühl geht völlig verloren. Immer wieder rattern Auto- und Regionalzüge vorbei. Und dann kommt der Glacier- Express. Er ist so schnell vorbei wie alle anderen, sein Speisewagen hinterlässt aber einen anhaltenden Essensduft. «Der riecht immer gleich», sagt Columbin. «Und jedes Mal kriege ich Hunger.» Weit ist es zum Glück nicht mehr bis nach Oberwald im Obergoms. Und dort ist Feierabend. Aber morgen wartet das «Drecksloch» schon wieder. Dann steht die zweite Etappe auf dem Programm. Von der Tunnelmitte zurück bis nach Realp im Urnerland.                                                                                                                                      

 
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Die Arbeit der Patrouilleure vom Furkatunnel ist anstrengend, schmutzig und eintönig. Weil sie aber für die Sicherheit sehr wichtig ist, reklamiert niemand, wenn er dazu eingeteilt wird.
Die Patrouilleure halten auf ihrer Wanderung durch den Berg nach allem Ausschau, was die Sicherheit der Zugpassagiere gefährden könnte: Defekte an den Schienen, Abfall auf den Gleisen, lockere Felsbrocken an der Decke.
Jeden Kilometer ist ein Nottelefon angebracht. Dieses zu kontrollieren steht ebenfalls im Pflichtenheft.
Im Tunnel, dem die Kontrolleure den Namen «Drecklock» gegeben haben, ist es laut, stickig und – eben – dreckig. Da ist man froh, hin und wieder einen Schluck aus der mitgebrachten Flasche nehmen zu können.
Nach einem knappen Tag und gut sieben Kilometern im Dunkeln haben Mario Pally...
... und Columbin Manetsch nichts dagegen, wieder draussen zu sein. Sie sind aber auch zufrieden damit, einmal mehr zur Sicherheit von unzähligen Zugpassagieren beigetragen zu haben.
Auch wenn sie nur im Schlendertempo unterwegs waren und es im Tunnel immer geradeaus geht, sind die beiden froh über den Feierabend. Dunkelheit, Lärm und ein schweres Atemgerät für den Notfall machen die Wanderung durch den Tunnel sehr anstrengend.

Fotogalerie: Patrouilleure im Furkatunnel