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«Die Woche war genial»

In den Ferien arbeiten gehen und dafür noch bezahlen? Für Conni Muggli kein Widerspruch. Die 51-Jährige hat vergangenen Herbst beim Pilotprojekt Voluntourismus der Schweizer Berghilfe mitgemacht. Von der Idee, in den Ferien etwas Gutes zu tun, ist sie begeistert.

März 2018 / 

Frau Muggli, haben Sie zu viel Ferien? Oder warum sind Sie darauf gekommen, in Ihrer Freizeit eine Woche lang in Curaglia in der Surselva in einem kleinen Hotel auszuhelfen?

Conni Muggli: Ich hatte vergangenes Jahr tatsächlich genug freie Zeit. Ich hatte meinen Job gekündigt und mit meinem Mann eine mehrmonatige Velotour durch Südamerika gemacht. Danach blieben mir noch ein paar Wochen bis zum Antritt des neuen Jobs. Eine davon habe ich für meinen Voluntourismus-Einsatz genutzt. Aber ich hätte es auch mit meinen normalen fünf Wochen Ferien gemacht.

Was war Ihre Motivation?

Etwas Neues zu erleben. Wenn man mit anpackt, ist man automatisch Teil von etwas. Man erlebt viel intensiver, als wenn man einfach Ferien macht. Ich versprach mir einen Einblick in eine mir fremde Welt.

Hat sich dies bestätigt?

Ja, absolut. Die Woche war genial. Ich war vom ersten Tag an voll im Team integriert, habe Dinge gemacht, von denen ich zuvor keine Ahnung hatte, und dabei viel gelernt.

Offenbar haben Sie dabei sogar Ihr Verhältnis zu Hunden revidiert.

Ja, allerdings nicht ganz freiwillig (lacht). Das kam so: Es war von Anfang an eingeplant, dass ich einen Tag lang nicht im Hotel arbeiten, sondern bei Geissherz, einem Bergbauernpaar, das mit den Betreibern befreundet ist, mit den Geissen zu helfen. Da hatte ich mich schon lange darauf gefreut. Es stellte sich dann aber heraus, dass die Geissen von Herdenschutzhunden bewacht wurden. Und ich habe Respekt vor Hunden. Besonders vor so grossen. Eine meiner Aufgaben war ausgerechnet, die zwei Herdenschutzhunde während des Alpabzugs der Kälber in Zaum zu halten, damit sie diese nicht erschrecken. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zusammenzunehmen. Und es ging. Nach ein paar Stunden waren wir die besten Freunde.

Wie wichtig war es Ihnen, mit Ihrem Einsatz eine gute Tat zu vollbringen?

Das war ein schöner Nebeneffekt. Ich bin allerdings sicher, dass ich mehr von dieser Woche profitiert habe als meine «Arbeitgeber» von mir. Deshalb finde ich es auch total in Ordnung, dass so ein Angebot etwas kostet.

Das Angebot geht nun mit zusätzlichen Projekten, bei denen man mithelfen kann, in die zweite Runde. Werden Sie wieder dabei sein?

Das kommt ein bisschen auf unsere Ferienplanung an. Ob es dieses Jahr klappt, kann ich nicht sagen. Aber es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich so etwas gemacht habe.

 

 
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