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«Ein Land ohne Wald ist ein armes Land»

Max Binder ist Präsident von Wald Schweiz. Der Alt-Nationalrat und ehemalige Landwirt aus Illnau/ZH ist überzeugt, dass die Bedeutung des Waldes und des Schweizer Holzes wieder zunehmen wird.

März 2016 / 

Was bedeutet der Wald für die Schweiz?

Max Binder: In erster Linie ist Holz – nebst Wasser vielleicht – der einzige Rohstoff, den wir haben. Aber der Wald ist viel mehr: Er reinigt die Luft, ist Lebensraum für unglaublich viele Tierarten, in den Bergen hat er eine Schutzfunktion. Und dann bietet er natürlich Erholung für uns Menschen. Ich selbst gehe jeden Morgen eine Stunde im Wald marschieren. So tanke ich Energie. Der Wald gibt uns also unglaublich viel. Ein Land ohne Wald ist für mich ein armes Land.

Aber zumindest der wirtschaftliche Wert ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gesunken.

Das stimmt leider. Früher war es anders. Mein Grossvater sagte jeweils: „Wenn du ein mageres Bauernjahr hast, dann must du halt etwas mehr holzen.“ Man konnte den Ertrag aus dem Wald nutzen, um schlechte Ernten auszugleichen, und in guten Jahren gab man dem Wald Zeit, wieder nachzuwachsen. Viele Gemeinden mussten keine Steuern erheben, weil sie ihre Ausgaben mit den Einnahmen aus dem gemeindeeigenen Wald decken konnten. Aber diese Zeiten sind vorbei.

Was sind denn die grossen Probleme der Schweizer Waldwirtschaft?

Hohe Löhne und Konkurrenz aus dem Ausland. Diese Situation hat sich mit dem starken Franken noch massiv verschärft. Ausserdem drückt der momentan tiefe Ölpreis auch die Einnahmen aus Brennholzverkäufen, etwa von Holzschnitzeln.

Also geht es abwärts mit der Waldwirtschaft in der Schweiz?

Es ist eine Durststrecke, die wir überwinden müssen. Ich glaube aber, längerfristig wird die Bedeutung wieder zunehmen. Gerade im Energiebereich wird sich Holz als umweltfreundliche Alternative zu Öl und Gas durchsetzten. Aber auch im Baubereich wird wieder vermehrt erkannt, was für ein vielseitiger und langlebiger Werkstoff Holz ist. Hier führen bereits heute neue technische Möglichkeiten zu mehr Nachfrage. Etwa der mehrgeschossige Holzbau. Dank neuer Bauverfahren konnten die Brandschutzbestimmungen gelockert werden, die früher den Bau aus Holz auf zwei Stockwerke beschränken. So können nun auch Mehrfamilienhäuser aus Holz gebaut werden.

Holzen ist viel teurer in den Bergen. Wie können Waldbesitzer, Forstunternehmer und Verarbeitungsbetriebe im Berggebiet doch mit der Konkurrenz aus dem Flachland mithalten?

Der Bergwald hat durchaus auch seine Stärken. Einige der gefragtesten Hölzer kommen aus dem Bergwald: Arven wachsen nun mal nicht im Flachland. Aber auch bei anderen Arten kommt der Qualität zu Gute, dass die Bäume in höheren Lagen weniger schnell wachsen. Dadurch liegen die Jahrringe enger zusammen, und das Holz wird widerstandsfähiger.

Wieso überlässt man den Wald nicht einfach sich selbst, bis der Holzpreis wieder steigt?

Das funktioniert nicht. Gerade in den Bergen hätten wir bald grosse Probleme, wenn wir den Wald sich selbst überliessen. Er würde zwar nicht sterben, aber sich verändern. Einige Jahre lang würde wohl alles gut gehen. Aber irgendwann käme dann mal ein rechter Sturm und würde kräftig abholzen. Ein Teil der gefallenen Stämme würde in den Bergbächen landen, bei Hochwasser weiter nach unten gerissen werden und sich irgendwo verkeilen. So wären Überschwemmungen programmiert – früher oder später auch im Flachland. Wir kommen also gar nicht umher, den Wald zu pflegen. Auch mit Steuergeldern. Schauen wir also lieber, dass er uns nicht nur Arbeit, sondern auch Einkommen bringt.

Und das hat der Konsument in der Hand?

Ja. Wer Wald will, muss Holz wollen. Je mehr Leute auf Holz zum Heizen setzen, je mehr Leute mit Holz bauen und je mehr darauf achten, nur Holz aus der Schweiz zu kaufen, desto besser. Das ist die beste Unterstützung für den Schweizer Wald und seine Eigentümer.

Gehen Sie selbst mit gutem Beispiel voran?

Wir haben vor gut zehn Jahren, als wir den Betrieb an unseren Sohn übergeben haben, ein Stöckli gebaut. Ganz aus Schweizer Holz im Schweden-Stil. Für uns war immer klar, dass wir mit Schweizer Holz bauen, als Waldeigentümer sowieso. Sicher hätten wir etwas günstiger gebaut, wenn wir Holz aus Deutschland oder Österreich verwendet hätten. Aber in Relation zu den gesamten Baukosten waren die Mehrkosten tragbar. Das war es uns allemal wert. Das Wohnen im eigenen Holz macht Freude.

 
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