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Ein Leben lang Pflanzen, Tiere und Menschen gepflegt

Er war Gärtner, Sozialarbeiter, Pfleger und Bergbauer, manchmal alles gleichzeitig. Reinhard Hanefeld hat ein ereignisreiches Leben gelebt. Dieses hat den Norddeutschen in den Schwarzwald und in die Schweiz geführt. Und immer wieder in die Berge.

November 2016 / 

Eine Sitzbank am Waldrand, mit Aussicht über steile, bewaldete Hügel, im Hintergrund einige grössere Berge. Die Bank könnte im Emmental stehen, oder auch im Jura. Sie befindet sich jedoch im Schwarzwald,  oberhalb von Elzach in der Nähe von Freiburg im Breisgau. Auf der Bank sitzt ein alter, stark gebückter Mann, den Rollator neben sich parkiert. Es ist Reinhard Hanefeld. Körperlich wirkt er gebrechlich, ist spindeldürr und kann wegen seines mehrfach operierten Rückens nur noch kurze Strecken gehen. Aber geistig ist Reinhard Hanefeld topfit. Er beschäftigt sich mit Politik, mit gesellschaftlichen Themen – und allem, was mit den  Schweizer Bergen und der Alpwirtschaft zu tun hat.

Geboren ist Hanefeld vor 84 Jahren in Nordwestdeutschland. Ein Stellenangebot führte ihn in die Schweiz, erst nach Winterthur, und kurz darauf nach Rafz. Warum ihn gerade die Schweiz angezogen hatte – daran  erinnert er sich heute nicht mehr. Aber er weiss noch ganz genau, wie gut es ihm hier gefallen hat. Vor allem, nachdem er das erste Mal in den Bergen war. Das kam so: «Ich sang in Rafz im Kirchenchor. Eines Tages  fragte mich der Pfarrer, ob ich nicht als Begleiter mit ins Konfirmandenlager fahren wolle. Die Reise ging nach Zermatt, und dort habe ich mich sofort in die Berge verliebt.» Besonders die Alpenblumen hatten es ihm angetan. Sie sollten ihn noch sein ganzes Leben lang begleiten.

Der selbe Pfarrer beschien Hanefeld später eine hohe soziale Kompetenz und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, mit Menschen zu arbeiten statt immer nur mit Pflanzen. Das hatte er, und kurz darauf begann er eine  Ausbildung zum Sozialarbeiter. Ein Heimleiterpraktikum führte ihn darauf ins Oberengadin, ins Ferienheim Randolins bei St. Moritz. Dort freundete er sich mit dem Hausabwart an, der hauptberuflich Bergbauer war.  «Von ihm lernte ich nicht nur Handmähen und Dengeln, sondern auch viel über die traditionelle Land- und Alpwirtschaft.» Später zog Hanefeld in den Schwarzwald und übernahm die Leitung eines kirchlichen Ferienheims. Als dieses schliessen musste und er ohne Job dastand, fragte er im Rathaus an, ob man dort etwas wüsste. «Am Montag um 8 Uhr können Sie im Spital anfangen», war die Antwort. Auf sein Einwand hin, er sei Sozialarbeiter und nicht Pfleger, hiess es nur, dass er das schon lernen werde. Weil er seit seiner Jugend Diabetiker ist und deshalb mit Spritzen umgehen konnte, erledigte er schon bald alle Arbeiten, welche die ausgebildeten Pfleger machten. «Ich dachte, ich mach das jetzt mal ein Jahr oder so, dann suche ich mir wieder etwas im sozialen Bereich», erinnert sich Hanefeld. Doch dann kam der Ochsenhof. Per Zufall stiess er auf  den abgelegenen und halb zerfallenen Bergbauernbetrieb in der Nähe, den er sehr günstig kaufen konnte. Von da an steckte er alles Geld, das er verdiente, in die Sanierung des Hofs. Er hielt Rinder, Bergschafe, Hühner, Enten und einen Appenzeller Sennenhund. Am felsigen Hang legte er einen Garten mit vielen Alpenblumen an. Feriengäste sorgten für ein zweites finanzielles Standbein. Als er den Hof aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bewirtschaften konnte, machte Hanefeld einen Schnitt und verkaufte sein Lebenswerk. «Das war sehr hart, aber inzwischen bin ich darüber hinweg.»

Da er nun wieder mehr Zeit hatte, widmete sich Hanefeld wieder seinen Alpen. Solange es die Gesundheit zuliess, fuhr er oft in die Schweiz, besuchte Bekannte und stieg die steilen Alphänge hinauf. Immer auf der Suche nach schönen Alpenblumen. Ein grosser Teil davon kann nur dort gedeihen, wo Tiere weiden und Menschen die Wiesen pflegen und gegen die Verwaldung ankämpfen – also auf den Alpen. Damit diese erhalten bleiben, unterstützt Hanefeld seit Jahren die Schweizer Berghilfe. Jedes Jahr spendet er direkt für ein Projekt, das einer Kuh- oder Geissenalp zugute kommt. Am liebsten im Kanton Graubünden. Dort, wo sein Herz zu Hause ist.

 
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