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Nie zu alt für die Trophy

Dass man auch noch mit 91 Jahren fit genug für die Berghilfe sein kann, beweist Paul Högger. Bereits zehn Trophyprojekte hat er besucht. Die Berghilfe hat ihn auf seiner Reise ins Hotel Piz Linard in Lavin begleitet. Und dabei viel Spannendes aus seiner ereignisreichen Lebensgeschichte erfahren.

Oktober 2018 / 

 «Zart wie Butter!», sagt Paul Högger, und schiebt sich genüsslich die nächste Gabel des Rindsvoressens in den Mund, das vor ihm auf dem schön angerichteten Teller liegt. Er sitzt im Restaurant des Hotels Piz Linard im kleinen Dorf Lavin im Unterengadin. Wie schon viele Gäste zuvor, ist Högger aus einem ganz bestimmten Grund hier: wegen der Berghilfe Trophy. Mit seinen stolzen 91 Jahren ist er wohl der älteste Teilnehmer der Trophy. Diese macht ihm so viel Spass, dass das stattliche Jugendstil-Hotel nun schon das zehnte der 44 Trophy-Projekte ist, die Högger besucht hat. «Das ist eine glatte Sache. Man muss so richtig den Kopf benutzen, um herauszufinden, wo das Projekt liegt, wie man dorthin gelangt und und und. So bleibt der Geist fit!», sagt er mit einem verschmitzten Lachen. Bei seiner Ankunft wurde Paul Högger bereits vom Hotelier Hans Schmid erwartet. «Wir haben natürlich nicht jeden Tag einen über 90-jährigen Trophy-Besucher bei uns», sagt Schmid anerkennend. «Tatsächlich finden immer wieder Gäste extra wegen der Berghilfe Trophy nach Lavin. Für uns ist das eine grosse Freude.»

Nach dem Essen bekommt Paul Högger eine Führung durch das alte Hotel aus dem Jahr 1870, das kürzlich zum Historischen Hotel 2018 gewählt wurde. «Sie passen ja sicher auf den alten Opa auf, da kann ich auch gefahrlos die Treppe hoch- und runtersteigen», meint Högger schmunzelnd zum Hoteldirektor. Vor wenigen Wochen noch war das eine Selbstverständlichkeit für den 91-Jährigen. Bei seinem neunten Trophy-Besuch, dem Berghotel Mettmen im Glarnerland, hatte er beim Abstieg aber auf einmal mit einem Schwächeanfall zu kämpfen. «Seither getraue ich mich nicht mehr, alleine in der Schweiz herumzureisen.» Zum Glück ist für den Besuch im Bündnerland die Schweizer Berghilfe mit dabei. «Ich habe riesig Freude. Zehn Projekte der Trophy zu besuchen, das war von Anfang an mein grosses Ziel!» Bereits seit vielen Jahren ist Paul Högger Spender der Schweizer Berghilfe. «Es ist mir ein Anliegen, dass es unserer schönen Bergwelt gut geht. Dass die Berghilfe auch Hotels unterstützt, weiss ich erst, seit eines Tages die Trophykarte in meinem Briefkasten gelandet ist.»

In ärmlichen Verhältnissen als Verdingkind aufgewachsen, war ihm schon früh klar, dass von nichts auch nichts kommt. «Als ich noch ganz jung war, meinte meine Tante einmal zu mir, ich solle meine Freizeit nicht nur für Kino und Tanz nutzen. An die Volkshochschule, und mich weiterbilden, das sei wichtig», erzählt Högger. Er hat auf sie gehört. In sechs verschiedenen Berufen war er in seiner Laufbahn tätig. Nach der Lehre als Orthopäde folgten Anstellungen in einer Bank, oder in einer Druckerei in Biel. Sogar als Fotoreporter war Högger in frühen Jahren unterwegs. Das merkt man schon im Zug in Richtung Lavin. «Eine gute Kamera haben Sie dabei!», meint er zur Berghilfe-Redaktorin. «Sie können mich ja fotografieren, wenn ich den Code der Trophy-Tafel auf meinen Talon übertrage.» Der Mann weiss, wie’s geht. «Man muss jeden Tag etwas Neues dazu lernen», findet Högger.

Wissbegierig, das war er schon immer. Nicht nur sein beruflicher Weg, sondern auch seine vielen Reisen zeugen davon. Etliche Male ging Högger ins südamerikanische Paraguay, ins Herkunftsland seiner Schwiegertochter. «Meine Frau sagte nach der ersten Reise dorthin, dass ich das nächste Mal alleine hingehen solle. Die Mentalitätsunterschiede waren ihr einfach zu viel. Ich hingegen war fasziniert davon: von der Gastfreundschaft und von den Gegensätzen, die man in Südamerika beobachten kann.» Manchmal ging die Reise aber auch weniger weit. Einmal war Högger in Hannover. Da hätte er sich beinahe eine Busse geholt, als von einem Polizisten erwischt wurde, wie er aufs fahrende Tram sprang. «Ich habe dem Herren daraufhin gesagt, dass ich aus der Schweiz bin. In Zürich war das damals nämlich noch erlaubt, ins fahrende Tram springen», schmunzelt Högger. Seine verschmitzte Art, die ist charakteristisch für den alten Mann. Als er während der Olympischen Spiele 1948 in Celerina bei St. Moritz für einen Orthopäden Skischuhe anfertigte, nahm er manchmal eine Abkürzung, um ins Tal hinab zu kommen: Mit dem Schlitten den Eiskanal runter. «Mein Chef hat mich dann darauf hingewiesen, dass das eine grosse Busse gebe! Danach habe ich es natürlich nicht mehr gemacht.» Högger sagt’s mit einem Augenzwinkern. Nach dem guten Mittagessen und den vielen Erzählungen ist Zeit für den Aufbruch, um wieder zurück nach Zürich zu gelangen. «Au revoir et à bientôt», verabschiedet sich Högger vom Gastgeber Hans Schmid. Auch das ist ein Gewinn seiner Wissbegierde: Ein Gefühl für die Sprachen.

Paul Högger resümiert den Tag mit Freude: «Das war ein krönender Abschluss meiner Trophybesuche: 10 Projekte habe ich geschafft, und damit mein Ziel erreicht.»

 
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