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«Es braucht eine Organisation und viel Herzblut»

Auf Initiative der Produzenten-Genossenschaft Gran Alpin – gegründet von Bündner Bauern – wird im Graubündner Berggebiet seit 2003 auf über 1000 m ü. M. Braugerste angebaut. Die Bio-Braugerste wird vollständig von der Genossenschaft übernommen, welche sie vermälzen lässt und an drei einheimische Brauereien (Brauerei Locher, Appenzell; Bieraria Engadinaisa, Tschlin; Brauerei BierVision, Monstein) weiterverkauft. Das Projekt fördert den traditionellen Bergackerbau, der in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen ist. Der Anbau von Berggetreide ermöglicht zahlreichen Bauern, einen wichtigen Zusatzerwerb neben der Viehhaltung zu sichern. Der Bergackerbau leistet gleichzeitig einen wertvollen Beitrag an die Biodiversität und die landschaftliche Vielfalt der Kulturlandschaft. Inzwischen bauen bereits 35 Landwirte im Berggebiet auf rund 27 Hektaren Ackerfläche Bio-Braugerste für Gran Alpin an, die jährliche Erntemenge liegt bei 80 bis 120 Tonnen.

Der Bergackerbau hat in Graubünden eine lange Tradition. Doch mit der zunehmenden Attraktivität der Viehwirtschaft im Laufe der Jahrzehnte verlor der Getreideanbau an Bedeutung. „Wir wollten dem entgegenwirken und suchten nach Alternativen, um die Landwirtschaft weiterhin breit abzustützen“, erinnert sich Christian Bühler, Co-Präsident von Gran Alpin, an die Gründung der Getreideproduzenten-Genossenschaft vor 24 Jahren. „Wir wussten aus Erfahrung, dass der Gerstenanbau im Bündnerland gut funktioniert. Wir sahen aber auch, dass der Absatzmarkt etwa bei Speisegerste für einen rentablen Anbau zu klein ist.“ Deshalb suchten die bei Gran Alpin engagierten Berglandwirte nach wirtschaftlich interessanteren Getreidesorten und kamen dabei auf die Idee, Braugerste für die Bierproduktion anzubauen. „Mit der Appenzeller Brauerei Locher fanden wir einen Partner, der von Beginn weg voll mitgezogen hat“, erzählt Bühler. Seit 2003 wird nun im Bündnerland oberhalb von 1000 m ü. M. professionell Braugerste angebaut.
 
Wichtiger Zusatzverdienst mit Mehrwert
Unterdessen bringt der Anbau von Bio-Braugerste im Bündner Berggebiet 35 Landwirten einen wichtigen Zusatzverdienst. Ihre Braugerste wächst auf rund 27 Hektaren Bergackerland. Die Genossenschaft Gran Alpin kauft den Produzenten die Ernte ab, lässt sie vermälzen und vermarktet sie weiter. Nebst der Brauerei Locher in Appenzell werden zwei weitere einheimische Brauereien für ihre speziellen Biere mit Gran-Alpin-Braugerste versorgt: Die Bieraria Engadinaisa in Tschlin und die Brauerei BierVision in Monstein. Die jährliche Erntemenge liegt nach rund 20 bis 25 Tonnen in den Anfangsjahren inzwischen bei 80 bis 120 Tonnen. Damit ist Gran Alpin die grösste Braugerstenproduzentin der Schweiz – und erst noch mit Berggetreide. „Nebst dem wirtschaftlich interessanten Zusatzverdienst bringt der Braugerste-Ackerbau noch weitere Vorteile“, betont Christian Bühler: „Braugerste verlangt einen zurückhaltenden Düngereinsatz. Wenn nach zwei bis drei Jahren Gerstenanbau die Ackerfläche gewechselt werden muss, gedeiht dafür auf dem frei werdenden Feld die neu angesäte Wiese sehr gut und bringt einen überdurchschnittlichen Futterertrag.“
 
Beitrag an die Artenvielfalt und Kulturlandschaft
Maria Egenolf, die Geschäftsführerin von Gran Alpin, unterstreicht einen weiteren Mehrwert des Bergackerbaus: „Er leistet einen wertvollen Beitrag an die Biodiversität und die landschaftliche Vielfalt der Kulturlandschaft“, betont sie. Beim Braugerstenprojekt will Gran Alpin auch in Zukunft viel Wert auf eine hohe Qualität des Produkts legen. Zu diesem Zweck bietet die Genossenschaft ihren Mitgliedern und Produzenten bereits heute Beratung und Feldbegehungen an und führt auch eigene Sortenversuche durch, um den Anbau im Berggebiet weiter zu optimieren. Das ist in den Augen von Christian Bühler nur möglich, weil die Genossenschaft als Organisation das Projekt mitträgt. Die Tatsache, dass das Projekt zu einer Erfolgsgeschichte wurde, führt er zusammengefasst auf drei entscheidende Faktoren zurück: „Es funktioniert nur, wenn die regionale Wertschöpfung stimmt und eine Organisation dahinter steht. Und natürlich braucht es viel Herzblut.“
 

Steckbrief

Projektname: Braugerstenanbau Gran Alpin
Ort: Bündner Berggebiet, oberhalb von 1000 m ü. M.
Projektträger: Genossenschaft Gran Alpin, Tiefencastel
Projektstart: 2003
Produzierte Menge: 2003: ca. 20 Tonnen; 2010: ca. 120 Tonnen
Anzahl Braugerstenproduzenten: 35 Berglandwirte
Absatzkanäle: Brauerei Locher, Appenzell; Bieraria Engadinaisa, Tschlin, Brauerei BierVision, Monstein