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Es gibt keine Verlierer

Die Jury des Prix Montagne nominiert nur preiswürdige Projekte. Sie alle hätten es verdient, den Preis zu gewinnen, denn sie zeigen, wie vielfältig man die Authentizität und Stärken des Berggebiets nutzen kann, um die wirtschaftlichen Lebensgrundlagen zu verbessern. Das Projekt, das durch seinen Modellcharakter und durch seinen Beitrag zur wirtschaftlichen Vielfalt am meisten überzeugt, gewinnt am Ende den Preis.

Nominierte 2014


Bio Bergkartoffeln aus dem Albulatal, Filisur / GR

Auf dem Hof „La Sorts“ baut Familie Heinrich 32 Sorten Kartoffeln an, deren Aromen so unterschiedlich sind wie ihr Aussehen. Zusammen mit „Genusstrainer“ Freddy Christandl haben es Heinrichs geschafft, Spitzengastronomen und Hobbyköche für Sorten wie „Parli“, „Corne de gattes“ oder „Ditta“ zu begeistern. Rund 70 Gastrobetriebe und Wiederverkäufer werden heute beliefert, und auch viele Privatkunden bestellen die eigenwilligen Kartoffeln. Der Anbau im Berggebiet bringt Vorteile: Die steinigen Böden speichern Wärme, so überleben die Pflanzen auch Kälteperioden. Und da in Filisur neben Heinrichs kaum andere Landwirte Kartoffeln anbauen, verringert sich zudem die Gefahr, dass Krankheiten übertragen werden. Entscheidend aber ist der intensive Geschmack. Die Kartoffeln überraschen mit Aromen von Marroni, Nüssen oder sogar Spargeln.
 


Clinica Alpina, Scuol / GR

In der Clinica Alpina in Scuol behandeln Men Bischoff und sein Team das ganze Spektrum der Tierwelt. Die modernste Tierklinik des hochalpinen Raums bietet 15 Arbeitsplätze und kümmert sich um Nutztiere, Kleintiere und Pferde. Besonderen Wert legt die Clinica darauf, dass die Preise für die Behandlung der Nutztiere die finanziellen Möglichkeiten der Landwirte nicht sprengen. Nun geben die Bauern ein Tier weniger schnell auf und lassen es im Notfall richtig behandeln. Ein Grossteil der Kunden der Clinica Alpina kommt aus der Region. Mit der Kombination aus Schul- und Komplementärmedizin können auch Methoden wie Homöopathie oder Akkupunktur eingesetzt werden. Und für aussergewöhnliche Fälle kann die Klinik auf ein Netz von Spezialisten zurückgreifen. So hat es die Clinica Alpina geschafft, medizinisches Wissen in der Peripherie zu bündeln.
 


Hängebrücke Hohstalden mit Hängebrügg-Beizli, Frutigen / BE

Entstanden ist die 153 Meter lange Hängebrücke Hohstalden im Berner Oberland aus der Not heraus. Das abgelegene Haus der Familie Wäfler brauchte einen wintersicheren Zugang. Inzwischen ist aus dem Notfall ein Glücksfall geworden. Karin und Martin Wäfler bewirten heute in ihrem „Hängebrügg-Beizli“ Gäste aus aller Welt, welche die bekannte Hängebrücke begehen wollen. Das Beizli ist zum Ganzjahresbetrieb geworden und die Familie kann heute von den Einnahmen leben. Aber auch für den Tourismus in Frutigen ist die Brücke wichtig geworden, denn sie ist eine zusätzliche Attraktion, die Besucher anlockt. Der Rundwanderweg, den die Hängebrücke erschliesst, ist heute der meistbegangene Wanderweg in Frutigen. Ausserdem hat das Bauwerk einen regelrechten Hängebrücken-Boom ausgelöst: Der Konstrukteur Theo Lauber hat mittlerweile 28 weitere solche Brücken gebaut.
 


„La Cavagne“, Troistorrents / VS

La Cavagne heisst im Dialekt des Val d’Illiez geflochtener Holzkorb oder Kratten. La Cavagne heisst aber auch der Laden der gleichnamigen Genossenschaft im Unterwallis. Vierzig Produzenten aus der Region haben sich zusammengetan und verkaufen dort ihre lokalen Produkte. 2013 konnte bereits ein zweites Geschäft eröffnet werden.
 


Azienda Agricola Patà, Sonogno / TI

Der Betrieb der Familie Patà liegt zuhinterst im Verzascatal, im malerischen Dörfchen Sonogno. Dort haben sich Claudia und Fabrizio ihre Existenz aufgebaut. In ihrer Käserei verarbeiten sie pro Jahr insgesamt 40 000 Liter Ziegen- und Kuhmilch. Fabrizio verkäst einerseits die Milch seiner über 100 „Nera Verzasca“, einer alten Tessiner Ziegenrasse. Zusätzlich liefern ihm vier Bauern aus der Region ihre Kuh- und Ziegenmilch. Insgesamt stellt Fabrizio rund 15 verschiedene Käsespezialitäten her, zum Beispiel „büscion di capra“, einen typischen Tessiner Ziegenfrischkäse oder „formagella di mucca“, einen Weichkäse aus Kuhmilch. Der Direktverkauf ab Hof an Touristen und Einheimische macht mittlerweile 50 Prozent des Einkommens der Familie aus. Daneben liefern Patàs ihre Spezialitäten auch an Restaurants und Grotti im ganzen Verzascatal.
 


Raselli Erboristeria Biologica, Le Prese / GR

Reto Raselli nennt sich selbst mit einem Schmunzeln „Kräuterkönig“. In seiner Heimat, dem Puschlav, baut er seit über 30 Jahren verschiedene Bergkräuter, Gewürze und Blumen an. Aus Minze, Thymian oder Frauenmantel entstehen so diverse Teesorten und Gewürz-mischungen, die in der ganzen Schweiz zu kaufen sind. Der grösste Abnehmer Rasellis ist die Bonbonherstellerin Ricola. Den Grossverteiler Coop konnte Raselli für seine selbst kreierten Rezepturen gewinnen. Über die Jahre ist der Betrieb von Reto Raselli stetig gewachsen. Heute erntet er stattliche 33 Tonnen Kräuter pro Jahr und beschäftigt je nach Saison fünf bis zehn Personen. Seit einem Jahr steht in Le Prese ein neues Gebäude, in dem sich Büro-, Verarbeitungs- und Lagerräume befinden. Nun können vom Anbau bis zum Verkauf alle Schritte am selben Standort gemacht werden.