Sie sind hier

Summendes Schulzimmer

Imkern ist kein Honigschlecken. Wer Bienen halten will, braucht Wissen und Erfahrung. Deshalb bietet der Verein Urner Bienenfreunde Kurse für Jungimker an. Vereinspräsidentin Bernadette Fedier hat dafür gesorgt, dass der Lernbienenstand, in dem die Kurse stattfinden, nach langer Zeit ans Wasser- und Stromnetz angeschlossen worden ist.

August 2015 / 

«Wenn man einmal mit den Bienen anfängt, kann man nicht mehr aufhören. Wir imkern seit über 30 Jahren. Es war mein Mann, der sich für die Imkerei interessierte und einen Kurs bei den Bienenfreunden besuchte. Mit zwei Völkern haben wir angefangen. In den ersten Jahren, als die Kinder noch klein waren, half ich nur am Rand mit. Aber auch mich hatte das Bienenfieber schnell erwischt. Ich lernte viel von meinem Mann, sodass ich später überall anpacken konnte. Mittlerweile haben wir zwischen 55 und 60 Völker auf vier Ständen. Damit die Völker nicht schwärmen und sich an einem anderen Ort, zum Beispiel an einem hohlen Baumstamm, einnisten, müssen wir sie manchmal aufteilen. Daher schwankt die Anzahl der Völker immer ein wenig. Den gewonnenen Honig verkaufen wir in unserem Bekanntenkreis und an ein paar kleine Dorfläden.

Milchkanne statt Wasserhahn
Die Imkerei ist wirtschaftlich wichtig für die Region, denn die Bauern sind darauf angewiesen, dass die Bienen Wiesenblumen und Obstbäume bestäuben. Deshalb setzen sich die Urner Bienenfreunde schon seit bald 140 Jahren dafür ein, Imkerwissen weiterzugeben und Erfahrungen auszutauschen. Schon zu Gründungszeiten hat der Verein Jungimker-Kurse organisiert. Lange fanden diese bei verschiedenen Imkern statt, bis wir 1997 oberhalb von Silenen den Lernbienenstand einrichteten. Hier hält der Verein 17 Bienenvölker, mit denen Jungimker üben können. Das Gebäude hatte vorher im Unterland als Büro-Container gedient. Wir konnten es günstig übernehmen, für einen Wasser- und Stromanschluss reichten unsere Mittel aber nicht aus. In all den Jahren haben wir mit einer kleinen Solaranlage auf dem Dach Strom produziert. Der war nach einem halben Tag aber meistens aufgebraucht. Bei Kursen oder Mitgliederversammlungen sassen die Leute abends nicht selten im Dunkeln. Das Spülwasser fürs WC kam aus dem Regensammler auf dem Dach. Frisches Wasser haben wir in Milchkannen hergefahren. Auf Dauer ging das so nicht mehr. Denn die Hygiene war ohne fliessendes Wasser eine Herausforderung, und um Bienenkrankheiten vorzubeugen, ist es zwingend, dass der Bienenstand und alle Utensilien saubergehalten werden. Mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe konnten wir schliesslich eine Strom- und Wasserleitung im Boden verlegen, die beim nahegelegenen Bauernhof ans Netz angeschlossen wurde.

Der «More than Honey»-Effekt
Heute ist ein richtiger Imkertag. Bei dem heissen Sommerwetter haben die Bienen fleissig Nektar gesammelt. Die Kursteilnehmer werden gleich ganz schön schwitzen unter dem Imkerschleier, wenn sie die Waben entnehmen, um den Honig zu schleudern. 18 Jungimkerinnen und Jungimker haben sich dieses Jahr für die Ausbildung bei uns angemeldet. Das ist viel. Früher hatten wir mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Seit vier, fünf Jahren aber verzeichnen wir einen steten Mitgliederzuwachs, auch von jungen Leuten und von Familien. Zurzeit sind wir 185 Bienenfreunde. Die Wichtigkeit der Imkerei ist in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Vor allem seit der Dokumentarfilm «More than Honey» gezeigt hat, dass Bienen viel mehr sind als Honigproduzenten. Wer imkern will, muss einiges wissen. Natürlich kann man sich heutzutage auch im Internet schlau machen. Aber es ist wichtig, die Bienenhaltung in der Praxis richtig zu erlernen, um später gesunde Völker zu haben. Genau dazu sind unsere Kurse da. Wir bieten auch Weiterbildungen für erfahrene Imker. Denn das ist das Schöne an der Imkerei: Man lernt jeden Tag etwas dazu. Auch mir geht es so. Da glaubt man nach 30 Jahren, man wisse, wie die Bienen ticken, und schon überraschen sie einen wieder. Noch heute staune ich jeden Frühling aufs Neue, wie die Bienen innert kürzester Zeit die Waben ausbauen, wie schnell sie ein Kilo Honig produziert haben. Dafür müssen sie nämlich drei Kilo Nektar sammeln. Es ist wirklich ein Wunder.»

 
Neuen Kommentar schreiben
2 + 13 =
Bitte diese einfache mathematische Aufgabe lösen und das Ergebnis eingeben. Zum Beispiel, für die Aufgabe 1+3 eine 4 eingeben.
Die Schweizer Berghilfe behält sich vor, Kommentare zu löschen. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende Kommentare. Über die Entscheide wird weder Rechenschaft abgelegt, noch Korrespondenz geführt.
▴ Seitenanfang

Fotogalerie: Bilder zum Projekt Silenen/UR