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Das Unterengadin fasst sich ein Herz

Der Kauf von lebensrettenden Defibrillator-Geräten ist ein Element des Unterengadiner Projekts „Ein Herz für die Region“. Genauso wichtig ist daneben die Schulung der Dorfbewohner. «Wir möchten die Einwohner für die Erste Hilfe sensibilisieren», sagt Projektleiter Dr. Joachim Koppenberg.

November 2010 / 

Ob der landschaftlichen Schönheit des Unterengadins geht rasch vergessen, welche Erschwernisse die Abgeschiedenheit der Dörfer mit sich bringt, etwa bei einem medizinischen Notfall. Erleidet jemand in einem abgelegenen Dorf einen Herzstillstand, dauert es 20 bis 25 Minuten, bis ein Rettungsteam vor Ort eintrifft – zu spät, um Leben zu retten. Aus diesem Grund haben lokale Samaritervereine das Projekt «Ein Herzfür die Region» lanciert. In den letzten Monaten hat die Gruppe unter der Leitung von Dr. Joachim Koppenberg, Leiter des Rettungsdienstes Unterengadin und Chefarzt am Spital in Scuol, in acht Gemeinden an öffentlich zugänglichen Plätzen je einen sogenannten Automatischen Externen Defibrillatoren (AED) installieren lassen. Ein AED-Gerät kann bei einem Menschen mit einem Herz-Kreislaufstillstand einen lebensrettenden Stromstoss abgeben und so den Patienten wiederbeleben. «Mit einemDefibrillator kann so die Zeit überbrückt werden, bis professionelle Retter am Ort eintreffen», formuliert Koppenberg die Zielsetzung.

Schulung wird gross geschrieben

Die AED-Geräte allein nützten allerdings wenig. «Wir brauchen auch Leute, die sie sinnvoll anwenden und weitere Erste-Hilfe-Massnahmen treffen können.» Darum will die Projektgruppe mit öffentlich ausgeschriebenen Schnuppertrainings möglichst viele Dorfbewohner motivieren, sich in den Wiederbelebungsmassnahmen schulen zu lassen. «Dadurch möchten wir die Einwohner für die Erste Hilfe sensibilisieren und erreichen, dass sich mehr Leute zu Samaritern ausbilden lassen. Diese können dann auch bei anderen Notfällen helfen», erklärt der Projektleiter. Damit die Defibrillatoren in den Gemeinden Ardez, Guarda, Martina, Scuol, Sent, Susch, Ramosch und Tschlin installiert werden konnten, brauchte es finanzielle Hilfe der Schweizer Berghilfe. «Diese Unterstützung war für uns extrem wichtig», betont der Mediziner. Das Projekt wirkt sich auf die gesamte Region positiv aus. Eine minimale medizinische Versorgung in der Peripherie trägt dazu bei, dass sich die Einwohner – speziell auch ältere Personen – sicherer fühlen und nicht ins Tal abwandern, ist auch Koppenberg überzeugt.

 
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