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Die Drei von der Schreinerei

Der vierjährige Elia ist ein begeisterter Schreiner. Er weiss, wo die Stämme zugesägt werden und was mit dem Sägemehl passiert. Besucher nimmt er resolut an der Hand und zeigt ihnen sein Reich. Fast jeden Tag begleitet er seinen Vater Stefan Trepp in die «Buda». Dieser freut sich über die Begeisterung seines Sohnes. Sie erinnert ihn an seine eigene Kindheit.

Juni 2015 / 

«Ich war genau gleich wie Elia. Schon als kleiner Bub verbrachte ich jede freie Minute in der Schreinerei, die mein Vater gemeinsam mit seinem Bruder führte. Für mich war schon immer klar: Ich werde Schreiner. Diesen Entscheid habe ich nie bereut. Ich wüsste bis heute keinen Beruf, den ich lieber hätte. Ich wünschte mir auch immer, die Buda eines Tages übernehmen zu können. Vor sechs Jahren war es dann so weit. Vater und Onkel waren im Pensionsalter, dachten ans Aufhören. Und ich fühlte mich nach der Lehre in Samedan und zehn Jahren als Angestellter bei einer Schreinerei in der Nähe von Chur bereit für die Aufgabe. Mehr als bereit war ich auch, endlich wieder nach Nufenen zu ziehen. Hier an der Nordflanke des San Bernardino bin ich zu Hause. In Chur war ich immer nur Wochenaufenthalter. Als ich meine Frau Sabina kennengelernt habe, sagte ich ihr klipp und klar: «Meine Zukunft ist in Nufenen. Wenn das mit uns etwas Ernsthaftes werden soll, dann solltest du damit einverstanden sein.» Zum Glück war sie es. Heute gehört sie genauso nach Nufenen wie ich. Es gefällt ihr hier besser als in Thusis, wo sie ursprünglich herkommt. Sie gehört inzwischen sogar zu den Produzentinnen lokaler Spezialitäten. Ihre Merängge finden in der Sennerei in Splügen guten Absatz. Das ist ein wichtiger Beitrag in die Haushaltskasse. Und fast noch wichtiger: Verkaufen kann sie nur die perfekt geformten Merängge. Und den Rest darf ich dann essen. Der schmeckt genauso gut.

Investitionen bei Übernahme
Als ich die Buda vor sechs Jahren übernommen hatte, standen viele Investitionen an. Die alte kombinierte Öl-Holzheizung musste ersetzt werden. Heute heize ich ausschliesslich mit Abfallholz. Davon gibt es in einer Schreinerei mit eigener Sägerei ja genug. Auch einen neuen Firmenbus musste ich kaufen. Die Maschinen sind zwar alt, aber eigentlich alle noch gut im Schuss. Sorgen machte mir allerdings der Kran. Der war über 50 Jahre alt und drohte täglich den Geist aufzugeben. Er ist aber unerlässlich. Ich brauche ihn, um Stämme zu bewegen und fertige Bretter und Balken zu verladen. Für einen neuen Kran fehlte mir nach all den anderen Investitionen aber das Geld. Als mir die Schweizer Berghilfe ihre Unterstützung zugesichert hatte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Und als der neue Kran – eine Occasion, die früher auf verschiedensten Baustellen im Einsatz war – dann geliefert wurde, war das ein wunderbarer Augenblick. Ich finde es super, dass die Berghilfe auch das Gewerbe unterstützt. Denn für die Zukunft von abgelegenen Dörfern wie Nufenen ist es sehr wichtig, nicht ausschliesslich auf die Landwirtschaft angewiesen zu sein. Eine Goldgrube ist meine Buda nicht gerade. Aber weil hier oben die Leute zusammenhalten und das einheimische Handwerk unterstützen, habe ich genug zu tun. Den Winter über sind es Schreinerarbeiten. Täfern, Böden legen, auch mal eine Eckbank und einen Tisch herstellen.

Im Sommer wird gesägt
Vergangenen Winter bekam ich einen richtigen Traumauftrag: Ich konnte ein komplettes Arvenstübli einrichten. Das war eine richtig schöne Arbeit. Im Sommer nimmt dann die Sägerei einen wichtigen Stellenwert ein. Beim Sägen hilft mein Vater noch kräftig mit, obschon er bereits 77 ist. Aber er ist zum Glück noch fit. Wir verarbeiten ausschliesslich Stämme aus den umliegenden Wäldern. Pro Jahr sind es etwa 150 Kubikmeter. Mit dem neuen Kran geht die Arbeit viel leichter. Denn er hat eine grössere Reichweite und kann mehr Gewicht tragen. Zwei Tonnen. Da stehen wir auch mit dem dicksten Stamm nicht mehr an. Beim Sägen will Elia übrigens immer dabei sein. Dann kann er stundenlang fast bewegungslos auf einem Stuhl sitzen und zuschauen. Wenn man weiss, wie er sonst in der Werkstatt herumwirbelt, umso erstaunlicher. Mal schauen, ob die Begeisterung für meine Arbeit auch unsere Kleinste packt. Enya ist fast jährig. Vielleicht helfen mir bald schon zwei kleine Profis beim Sägemehl wegschaufeln.»


http://www.treppholz.ch/

 
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