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Ein neues Zuhause

Im Grin bei Gadmen haben Christian Feuz und Isa Oggier aus einem verfallenen Bauernhaus ein Daheim gemacht. Für sich, für ihre drei Kinder und für eine Handvoll Jugendlicher und junger Erwachsener, die in der Gesellschaft alleine nicht zurechtkommen.

September 2016 / 

Wuli kämpft mit der Brotknetmaschine. Der Knethaken will und will nicht einrasten. Und das, nachdem schon die Herstellung des Teigs alles andere als einfach war und er sich bei der benötigten Wassermenge erst kräftig verrechnet hatte. Aber Wuli gibt nicht auf. Er geniesst es, selbst etwas zu Stande zu bringen. Auch wenn es anstrengend ist. Der 16-Jährige, der mit vollem Namen Abduwali Dhiblawe heisst, ist in verschiedenen Heimen aufgewachsen und hat sein bisheriges Leben mehr oder weniger auf dem Sofa verbracht. Tagesstrukturen kennt er nicht, und konzentriert arbeiten ist etwas Neues für Ihn. Beides muss er lernen, bevor er eine Chance hat, eine Lehrstelle zu finden, im Berufsleben Fuss zu fassen und sich in der Gesellschaft zu integrieren. Im abgelegenen Gadmental, bei Christian Feuz und Isa Oggier hat er die Chance dazu. «Es ist streng, aber es gefällt mir sehr», sagt er.

Im Moment ist Wuli einer von drei jungen Leuten, die hier betreut leben und arbeiten. Ausserdem ist das ehemalige Bauernhaus das Zuhause von Christian und Isas drei Kindern Lola, Elio und Maël. Gemeinsam mit jeweils einem oder zwei Zivildienstleistenden und dem Angestellte Pedro Burri bilden sie das Evergrin-Team. Bei so vielen Leuten ist Platz Mangelware. Zimmer gibt es längst nicht genug im Haus. Darum leben momentan ein Zivi sowie Wuli in einem selbst umgebauten Bauwagen.  «Wir sind zu unserem ersten Bauwagen gekommen, als wir akute Platznot hatten», erinnert sich Christian. Aus der Not machte Christian eine Tugend und baute sich ein Zimmer auf Räder.  Inzwischen sind er und seine Leute zu einer Kapazität für solche Wagen geworden und bauen sie auch im Kundenauftrag aus. «Es ist eine sehr gute Arbeit für unsere Leute. Sie ist handwerklich sehr vielseitig und befriedigend, weil man sieht, was man geleistet hat.» Überhaupt ist die körperliche Arbeit für die betreuten Menschen ein wichtiger Bestandteil auf dem Weg in ein selbstbestimmteres Leben. So führt das Evergrin-Team im Auftrag dritter auch Gartenarbeiten durch unterhält Wege und saniert Trockenmauern. Rund die Hälfte der Einkünfte der Familie Feuz/Oggier kommt aus diesen Auftägen, die andere Hälfte sind Betreuungsentschädigungen.

Momentan sind die Evergins aber wieder mit dem Ausbau eines neuen Bauwagen beschäftigt. Es eilt, denn bald kommt ein neuer Zivi, und der muss irgendwo untergebracht werden. Beim Kauf des Fahrgestells und des Materials für den Wagen hat die Schweizer Berghilfe den Evergrins unter die Arme gegriffen. Weil es sinnvoll ist, dass Jugendliche die Chance haben, beim einfachen Leben in den Bergen wieder den richtigen Tritt zu finden. Aber vor allem, weil Initiativen wie die von Christian und Isa dazu beitragen, abgelegene Bergregionen wie das Gadmental am Leben zu erhalten und wirtschaftlich zu stärken. Denn es profitieren nicht nur die betreuten Personen vom Berggebiet, das Berggebiet profitiert auch von den betreuten Personen. Im Gadmental haben das die Leute gemerkt. «Am Anfang sind wir sehr kritisch beobachtet worden», erinnert sich Isa. «Aber bald haben alle gesehen, dass auch wir hart arbeiten, dass wir im Tal einkaufen und für Aufträge beim Gewerbe sorgen.»

Aus Wulis störrischem Teig ist inzwischen ein wunderbar duftendes Brot geworden. Dazu hat er zwei grosse Schüsseln bunter Salat gemacht, während Isa einen Flammkuchen zubereitet hat. Am Mittagstisch kommt das ganze Evergrin-Team zusammen. Sie berichten von der Arbeit am Vormittag, scherzen, plaudern und planen den Nachmittag. Und sie langen kräftig zu, denn es schmeckt gut. Schon wieder ein Erfolgserlebnis für Wuli.

 
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Hier im Gadmental, im Weiler Grin, haben Christian Feuz und Isa Oggier ihr Evergrin aufgebaut. Aus dem alten Bauernhaus haben sie ein Daheim gemacht. Für sich, für ihre drei Kinder und für eine Handvoll Jugendlicher und junger Erwachsener, die in der Gesellschaft alleine nicht zurechtkommen.
Lagebesprechung beim Znüni. Wer macht was? Eine geregelte und sinnvolle Arbeit ist wichtig, um den betreuten Jugendlichen wieder Halt zu geben.
Der 16-jährige Wuli (links) hilft heute in der Werkstatt mit.
Unter Aufsicht des Evergrin-Mitarbeiters Pedro Burri kann Wuli selbst Hand anlegen.
Der Bauwagen wird einmal zum Daheim eines betreuten Jugendlichen.
Auch der Chef packt mit an. Christians selbstgebaute Bauwagen sind gefragt, ab und zu produziert er auch mit seinen Schützlingen auch einen auf Bestellung.
Evergrin bringt Leben ins abgelegene Gadmental.

Fotogalerie: Evergrin Gadmen