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Glücksfall im Bergell

Käser wurde Tarcisio Pedroni aus der Not heraus. Heute produziert er auf seinem Hof im Bergell gefragte Spezialitäten, und es geht ihm und seiner Familie besser denn je zuvor.

November 2016 / 

Am Anfang war ein Streit. In der Käsereigenossenschaft im Bergell war man sich uneinig über die Zukunft. Landwirt Tarcisio Pedroni aus Vicosoprano hatte andere Ansichten als der Vorstand. Die erst sachliche  Diskussion rutschte ins Persönliche ab, und die Auseinandersetzung gipfelte darin, dass Tarcisio aus der Genossenschaft ausgeschlossen wurde.

Ein existentielles Problem für den Bergbauern. Wenn er die Landwirtschaft und damit seine gesamte Zukunft nicht an den Nagel hängen wollte, blieben ihm zwei Möglichkeiten: auf Fleischproduktion umsteigen oder selbst Käser werden. Für den passionierten Milchbauer und Züchter war die erste Option wenig verlockend. Und weil ihm sein Neffe, ein gelernter Milchtechnologe, Unterstützung zusicherte, wagte er den grossen Schritt. Er kratzte nicht nur all seinen Mut, sondern auch all sein Geld zusammen, und baute einen alten Geissenstall auf seinem Hof zur kleinen Käserei um.

Das war vor fünf Jahren. Heute verarbeitet Tarcisio mit Unterstützung seiner Frau Maria in seiner kleinen Käserei täglich die Milch seiner Kühe, sowie diejenige, die ihm sein Bruder liefert, der ganz in der Nähe einen Hof betreibt. Rund 20 Tonnen Käse entstehen so pro Jahr. Ein Hartkäse in zwei Sorten, den Tarcisio nach dem Bergeller Begriff für Käse «Cagiöl» nennt und ein Weichkäse mit dem Namen Cagiölin. Den Käse vertreibt er selbst an Hotels, Restaurants und Läden, hauptsächlich ins Engadin, aber auch bis nach Chur und nach Italien. «Es läuft sehr gut. Verkaufen könnte ich mehr, aber produzieren nicht», sagt er. Die Hofkäserei, aus der Not entstanden, hat sich zum Glücksfall entwickelt. «Unsere Situation ist heute besser als zuvor», sagt Tarciso. «Nicht zuletzt dank der Schweizer Berghilfe, die uns beim Bau der Käserei unterstützt hat. Ich weiss nicht, ob wir es ohne diese Hilfe geschafft hätten.»

 
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Vicosoprano im Bergell. Hier hat Tarcisio Pedroni seinen Bergbauernhof.
Seit einigen Jahren ist Tarcisio nicht nur Bauer, sondern auch Käser.
Als eine Milchlieferung an die örtliche Käserei nicht mehr möglich war, gab es zwei Möglichkeiten: aufhören oder selbst käsen.
Aufhören kam nicht in Frage, also baute Tarcisio den alten, nicht mehr genutzten Geissenstall zur Hofkäserei aus und lernte das Käsen.
20 Tonnen Käse entstehen hier, vieles ist dabei noch Handarbeit, so wie das Schreiben der Etiketten mit Datum und Produzent.
«Cagiöl», der Bergeller Ausdruck für Käse, nennt Tarcisio Pedroni seinen Hartkäse.
Die Käserei ist einfach, aber modern und vor allem zweckmässig eingerichtet.
Ein Lift ermöglicht es, den Käse einfach von der Käserei in den darunterliegenden Keller zu transportieren. Dort bleiben die Käse zuerst einen Tag im Salzbad.
Danach werden sie regalmässig gewaschen und gewendet.
Tarcisio Pedroni ist stolz auf seinen «Cagiöl».
Genauso fein ist aber auch der «Cagiölin», Tarcisios milde Frischkäse.
Abpacken, vermarkten, ausliefern. Alles macht Tarcisio selbst. Unterstützung erhält er dabei von seiner Familie.
Auch sie profitieren vom Käsen. Die Rinder und Kühe trinken die Schotte fürs Leben gern.

Fotogalerie: Hofkäserei von Tarcisio Pedroni