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Von der Kuh auf den Desserteller

Im Zürcher Berggebiet schlossen sich engagierte Käser zusammen, um die Vermarktung ihrer Produkte längerfristig zu sichern. Sie produzieren Spezialitäten aus hochwertiger Milch, die sie von Bauern aus der Region beziehen und unter dem Label «natürli» verkaufen. Eine Erfolgsgeschichte: 165 Bauern und 14 Käsereien fanden eine Marktnische, die ihre Zukunftsaussichten wesentlich verbessert.

Juni 2007 / 

Einer der zahlreichen Bauern aus dem Zürcher Berggebiet, der Milch für die «natürli»-Produkte herstellt, ist Felix Honegger. Die 5-köpfige Familie Honegger bewirtschaftet in Girenbad 27 Hektaren Land und besitzt 25 Kühe und 35 Stück Jungvieh. Dank «natürli» erhalten Honeggers einen deutlich besseren Preis als bei Grossabnehmern. Dafür müsse er verschiedene Kriterien erfüllen, erzählt der Bauer: «Unsere Kühe dürfen nur frisches Gras oder Heu fressen. Die Milch muss ich nicht nur einmal, sondern zweimal täglich in die „Chäsi“ abliefern, damit sie frisch verarbeitet werden kann.» Der 38-Jährige steckt voller Tatendrang: «Wir haben den Hof voll auf „natürli“ eingestellt, das ist unsere Zukunft. Das Wichtigste dabei ist, dass die Qualität stimmt.»

Käse mit viel Aroma

In der Bachthal-Käserei in Girenbad verarbeitet Käser Paul Bieri die Frischmilch von neun Bauern aus der Region – auch die Milch von Honeggers. «Seit ich „natürli“-Käse herstelle, floriert das Geschäft», freut sich Bieri. Wegen der grossen Nachfrage konnte er sein Team auf zehn Mitarbeiter aufstocken. «Unsere Produktion ist zwar aufwändiger und teurer, aber dadurch erreichen wir eine höhere Qualität.» In den letzten Jahren ist Käser Bieris Angebot auf rund zehn Käsesorten gewachsen. Einer der ganz grossen Renner ist der «Sennenfladen»: ein Weichkäse, der mehrheitlich aus der Milch von Honeggers Hof produziert wird. Rund 90 Prozent seiner Produkte verkauft Paul Bieri direkt an «natürli»: «Ohne diese Organisation hätte meine Käserei keine grossen Zukunftschancen. Nur eine professionelle Vermarktung kann unsere Existenz sichern!» Darum liefern auch elf weitere regionale Käsereien, die rund 40 Mitarbeiter beschäftigen, ihre Produkte an «natürli».

«Lebensmittel statt Hightech-Food»

In Saland im Zürcher Oberland befindet sich das Logistikzentrum von «natürli». Hier arbeiten 36 Angestellte. «Wir vertreiben hier noch echte Lebensmittel und keinen Hightech-Food», erzählt Betriebsleiter Alfred Bieri. Und das mit Erfolg. Die professionelle Vermarktung und die Qualität der Produkte generieren einen hohen Absatz und Verkaufspreis, was die Einnahmen der Käser und Bauern verbessert. In Saland werden die über 500 verschiedenen «natürli»-Produkte portioniert, verpackt und für den Verlad vorbereitet: nebst vielen Käsesorten auch Joghurt, Butter, Quark, Rahm, Milch und sogar Glacé. Rund 350 Detaillisten und Gastrobetriebe sind Abnehmer der Produkte. «Unsere Gäste schätzen diese Qualität sehr», erklärt René Zimmermann, Pächter des Restaurants Neumarkt im Zürcher Niederdorf: Mit ein Ansporn für alle Beteiligten, die «natürli»-Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben.


«Besser statt billiger»

Zwei Fragen an Alfred Bieri, Betriebsleiter des Logistikzentrums in Saland

Was bedeutet Ihre «natürli»-Philosophie?

«Unsere Milchprodukte sollen nicht nur satt machen. Uns geht es um die ursprüngliche Esskultur, die natürlich schmeckt und gesund ist. Wir wollen besser werden, nicht billiger. Günstig-Produkte machen andere. Unsere Produkte sind bis zu 20 Prozent teurer als bei der Konkurrenz. Wer unsere Lebensmittel kennt und schätzt, zahlt auch einen höheren Preis.»

Wie haben Sie es geschafft, die «natürli»-Gruppe aufzubauen?

«Einer meiner wichtigsten Partner ist Alfred Gerber, der Geschäftsführer von „Pro Zürcher Berggebiet“. Er half mir mit seinen Kontakten, kümmerte sich um die Mittelbeschaffung und das richtige politische Umfeld. Dieses Teamwork macht einen grossen Teil unseres Erfolges aus.»


«Milchwirtschaft wird gestärkt»

Zwei Fragen an Claudia Hürlimann, Expertin der Schweizer Berghilfe

Warum hat die Schweizer Berghilfe im «natürli»-Logistikzentrum den Bau von Käsekellern unterstützt?

«Die regionalen Käsereien können ihre Käselaibe in Saland lagern und reifen lassen. Dadurch müssen sie ihre eigenen Käsekeller nicht für teures Geld ausbauen und unterhalten.»

Wer profitiert sonst noch von den neuen Käsekellern?

«Dieses Projekt zeigt das Zusammenspiel von Lieferanten, Produzenten und Vermarkter exemplarisch auf. Mit der neuen Lagerhalle (Besitzerin ist die neu gegründeten PZB AG) kann das Logistikzentrum vom Vermarkter mit professionellen Strukturen geführt werden. Indem wir den Bau der Käsekeller in der Lagerhalle mitfinanzieren, helfen wir ausserdem den Bauern – also den Lieferanten – und den Käsern – den Produzenten. Das „natürli“-Projekt stärkt insgesamt die ganze Milchwirtschaft im Zürcher Berggebiet und ermöglicht den dort ansässigen Bauern und Käsern auch künftig eine Existenz. Schliesslich profitiert der Kunde, indem er gesunde, qualitativ hochstehende Lebensmittel zu einem angemessenen Preis kaufen kann.»


Ausführlichere Infos zu dem Projekt finden Sie in der Berghilf-Ziitig Nr. 56, Sommer 2007. Diese Nummer bestellen
Infos zu «natürli» und Produktbestellungen: Tel. 052 766 06 06, www.naturli.ch, http://www.prozb.ch/regionalmanagement/dienstleistungen/regionalmarke-natuerli/

Weitere Projektinformationen

http://www.naturli-ag.ch/

 
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