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«Er ist halt einfach ein Bauernbub»

Vier Bauernbetriebe gibt es noch im Walliser Binntal. Fast wäre diese Zahl auf drei gesunken - wenn Beat und Marcella Peter nicht all ihren Mut und all ihr Erspartes zusammengenommen und einen der Betriebe übernommen hätten. Bei den unumgänglichen Sanierungsarbeiten am Stall erhielten Peters Unterstützung durch die Schweizer Berghilfe.

März 2015 / 
Amediesli ist unruhig. Sie stampft mit den Hinterbeinen. Sie legt sich hin, steht wieder auf, stampft nochmals. Amediesli wird heute ein Kalb gebären. "Meine Mutter behauptet sogar, es würden Zwillinge, aber ich glaube eher nicht", sagt Beat Peter. Eigentlich weiss seine Mutter, wovon sie spricht. Schliesslich ist sie ihr Leben lang Bäuerin gewesen, auf einem Bergbauernhof im Napfgebiet. "Als Kind wollte ich auch immer Bauer werden", so Beat. Doch den elterlichen Hof übernahm der ältere Bruder. Und Beat ging nach der obligatoirischen Schulzeit auf den Bau.
 
"Eine Lehre habe ich nie gemacht, das reut mich heute gewaltig", so Beat. Nicht, dass er nichts gelernt hätte. Im Gegenteil: Ein Job führte zum anderen, von Erdarbeiten über Arbeiten mit Holz bis zum Metallbau. Mit der Zeit konnte Beat überall anpacken, sein handwerkliches Geschick war gefragt. Doch die Landwirtschaft liess ihn nicht los. Im Sommer liess er die Baustellen Baustellen sein und ging z'Alp. Er fand eine Anstellung auf einer Alp im Binntal, kam jeden Sommer ins Wallis zurück. Hier lernte er seine Marcella, die aus Binn stammt, kennen und blieb. Beat fand eine Stelle bei einer Metallbaufirma. Nach der Heirat kam 2005 die erste Tochter Sarah zur Welt, ihr folgten im Jahresrhytmus Benjamin und Lukas, und dann mit etwas Abstand die Jüngste, Tamara. Beat ging inzwischen nicht mehr z'Alp. Aus Liebe zur Landwirtschaft hielt er nebenher ein Dutzend Ziegen. Doch so richtig zufrieden war er damit nicht.
 
Und dann sprangen bei einem der vier Bauern im Tal die seit langem vorgesehenen Nachfolger ab. "Als er mich fragte, ob ich seinen Hof übernehmen wollte, war für mich sofort klar, dass dies meine Bestimmung ist", erinnert sich Beat. Für Marcella war der Fall etwas weniger klar. Schliesslich ging es darum, eine sichere Existenz aufzugeben. Doch nach einigen schlaflosen Nächten war auch sie bereit, alles auf die Karte Landwirtschaft zu setzten. Dies war vor zwei Jahren. „Bis heute habe ich es keinen Tag bereut“, sagt Marcella. „Beat ist jeden Tag so fröhlich und mit Begeisterung am Arbeiten – er ist halt einfach ein Bauernbub.“ Auch ihr selbst gefällt die Arbeit auf dem Hof. „Obwohl – besonders im Sommer beim Heuen ist es schon sehr streng.“ Peters produzieren mit ihrem guten Dutzend Kühen Milch, die in der Käserei Walker in Bitsch zu Bergkäse verarbeitet wird.
 
Die Übernahme des Hofs war ein gehöriger „Lupf“. Auch wenn der Vorgänger ihnen alles zu einem sehr fairen Preis überliess, mussten Peters doch ihre ganzen Ersparnisse für den Kauf aufwenden und bei der Bank Schulden machen. Erschwerend kam hinzu, dass der vorherige Besitzer in den vergangenen Jahren kaum mehr investiert hatte, und eine Sanierung des Stalls unausweichlich war. Es brauchte etwas mehr Platz für die Kühe, eine Rohrmelkanlage und einen Heukran. Doch die Kosten für diese Sanierung waren so kurz nach dem Kauf zu hoch für Peters. „Wir sind unglaublich dankbar, dass die Berghilfe uns unterstützt hat. Ich weiss nicht, wie wir es ohne diese Hilfe geschafft hätten“, sagt Marcella.
 
Doch jetzt läuft alles bestens. Beat und Marcella arbeiten hart, sind laufend daran, kleine Anpassungen bei den Arbeitsabläufen umzusetzen. Im Dorf ist man froh, dass es weiterhin vier Bauernbetriebe gibt. Auch der bisherige Besitzer freut sich darüber, dass sein ehemaliger Hof so gut bewirtschaftet wird. Und unterstützt Peters, wenn mal Not am Mann ist.
 
Amediesli hat inzwischen ihr Kalb geboren. Zwillinge waren es nicht. Sogar Mütter haben eben nicht immer recht.
 

Kommentare

Anne Günther | 10. Dezember 2017 - 12:30
Herzliche Glückwünsche Euch allen. Tolle Leistung. Grüsse auscdem Schwarzwald.
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Cornelia Störmer | 10. Dezember 2017 - 16:32
Vorbildlich, die Landwirtschaft braucht mehr solche mutigen Menschen und Kühe mit Hörnern!
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