Regula Amstutz
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Leben auf dem Beerenstock

2018 war für Familie Amstutz das Jahr, in dem alles zusammenkam. Nicht nur ein Haus bauen und den bei einem Unwetter beschädigten Stall reparieren.  Nein, auch aus dem Bürgenstock einen Beerenstock machen.

November 2018 / 

«Wir leben im Moment auf einer Baustelle», sagt Regula Amstutz. Das ist sowohl wörtlich, als auch im übertragenen Sinne gemeint. Das Wohnhaus, in das die Familie vor neun Monaten einziehen konnte, ist noch nicht ganz fertig. Aber auch auf dem Bauernbetrieb, den Familie Amstutz auf dem Bürgenstock, hoch über dem Vierwaldstättersee, bewirtschaftet, geht es seit ein paar Monaten drunter und drüber. Jetzt, da sie endlich auf dem Hof wohnen und Nik nicht täglich von Hergiswil aus pendeln muss, kann er die vielen Anpassungen anpacken, die er sich vorgenommen hat, als er den Betrieb vor drei Jahren von seinen Eltern übernommen hatte.

Bereits abgeschlossen ist die Umstellung von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung. Weil er nicht mehr melken muss, hat Nik nun mehr Zeit für einen Nebenerwerb. Bereits seit Jahren arbeitet er als Mitarbeiter im technischen Dienst beim luxuriösen Resort Bürgenstock, das gleich oberhalb des Hofs prangt. Hier hat er schon angefangen zu arbeiten, als das Resort noch nicht mehr als eine riesige Baustelle war. Doch statt einfach sein Pensum aufzustocken, suchte er nach Möglichkeiten, einen zusätzlichen Betriebszweig auf seinem Hof aufzubauen. «Dann muss ich zum Arbeiten nicht weg, kann nebenbei auch mal auf die Kinder aufpassen oder nach dem Vieh schauen.»

Beeren tragen sehr lange

An Ideen mangelte es Nik und Regula nicht. Nach gründlichem Abwägen entschieden sie sich schliesslich dafür, in eine Beerenanlage zu investieren. Seit dem frühen Sommer ist es soweit. Der Bürgenstock ist zum Beerenstock geworden. Hinter dem Bauernhaus ziehen sich vier Plastiktunnels den Hang hoch. Im Inneren: einerseits Himbeerbüsche, andererseits Erdbeerpflanzen in auf Brusthöhe angebrachten Kistchen. Das Erstaunliche: Sowohl Erdbeeren als auch Himbeeren tragen auch jetzt, an diesem Herbsttag, noch Früchte. «Durch eine sorgfältige Auswahl der Sorten können wir vom frühen Frühling bis in den späten Herbst hinein ernten», sagt Nik stolz. Und wer isst all die Beeren? Absatzprobleme kennen Amstutz’ keine. Das Bürgenstock Resort nimmt ihnen so  viel ab, wie sie produzieren können.

Doch der Weg hierhin war hart. Der Hausbau mit der vielen Eigenleistung war alleine schon ein Kraftakt, und dann deckte auch noch ein Sturm Teile des  Stalls ab. «Wir mussten sofort reagieren. Aber wir hatten natürlich weder Zeit noch Geld dafür eingeplant.» Dass Regula wegen ihrer Schwangerschaft und der Geburt der kleinen Marlen nur beschränkt mit anpacken konnte, machte es nicht einfacher. «Wenn es möglich gewesen wäre, hätten wir den Bau der Beerenanlage ein Jahr verschoben», so Nik. Aber das Material für die Tunnels war bestellt, die Pflanzen bereits bezahlt. Also hiess es: Zähne  zusammenbeissen und durch. Die starke Arbeitsbelastung war auszuhalten. Aber die Finanzen stellten das gesamte Projekt in Frage. In ihrer Not wandte sich Familie Amstutz an die Schweizer Berghilfe. Der ehrenamtliche Experte Ruedi Krummenacher nahm sich dem Problem ganzheitlich an: «Wir konnten bei der Sanierung des Stalldachs mithelfen, aber vor allem auch dazu beitragen, die Beerenanlage auf finanziell gesunde Beine zu stellen.»

Wenn Nik heute langsam die Reihen mit den Erdbeeren entlanggeht, die reifen abliest und in die auf einem umgebauten Kinderwagen befestigten Kistchen legt, dann geniesst er seine neue Arbeit aus vollen Zügen. Vor allem, wenn er dabei den zweijährigen Remy auf dem Arm trägt. Auch wenn dieser beim  Helfen den Unterschied zwischen roten und weissen Beeren noch nicht immer zuverlässig erkennt.

 
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Hier auf dem Bürgenstock steht der Hof Obermisli von Familie Amstutz. Darüber thront unübersehbahr das Bürgenstock Resort. Für Familie Amstutz eine Chance.
Mit dem Anbau von Beeren können die Bergbauern ein wichtiges Zusatzeinkommen verdienen.
Vater Nik muss nun weniger auswärts arbeiten gehen und verbringt mehr Zeit mit seiner Familie.
Der zweijährige Remy liebt es, beim Ablesen der Erdbeeren mitzuhelfen. Auch wenn er den Unterschied zwischen den Weissen und den Roten noch nicht immer erkennt.
Nik geniesst es, seine Kinder bei der Arbeit um sich zu haben. Auch wenn Remy mit der Zeit etwas schwer werden kann.
Mit den frischen Beeren fährt Nik die paar hundert Meter bis ins Resort rauf.
Er liefert die Beeren direkt in den Kühlraum.
Nebst Erdbeeren bauen Amstutz‘ auch Himbeeren und Heidelbeeren an.
Dieses Jahr kam für Familie Amstutz alles zusammen. Nebst der Beerenanlage bauten Nik und Regula auch ein neues Wohnhaus. Alles wäre aufgegangen, zeitlich und auch finanziell, wenn nicht mitten in den Bauarbeiten ein Sturm das Stalldachs beschädigte. Da waren die Nidwalder froh um die Unterstützung der Schweizer Berghilfe.
Um Kosten einzusparen, haben Regula und Nik beim Bauen viel selbst gemacht.

Fotogalerie: Beerenanlage Familie Amstutz