Kontinentale Wasserscheide
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Scheidepunkt auf 3025 Meter über Meer

Auf 3025 Meter über Meer liegt eine der unbekanntesten Weltattraktionen: die dreifache kontinentale Wasserscheide im Gotthardmassiv. Nun kommt man auch ohne Klettererfahrung rauf.

Juni 2019 / 

3025 Meter über Meer, eine Felsplatte im Gotthardmassiv, in der Nähe des Witenwasserenstocks. Hier beginnt alles. Wenn es hier oben regnet, dann bläst auch meist ein rauer Wind. Kommt dieser aus Süden, tropft das Regenwasser am nördlichen Ende der Felsplatte hinunter, fliesst irgendwann in die Reuss und von dort aus via Aare und Rhein in die Nordsee. Bläst der Wind von Norden, fliesst das Wasser ins Bedrettotal und von dort aus via Ticino und Po in die Adria. Ostwind hingegen treibt die Niederschläge via  Rhonegletscher und Rhone ins Mittelmeer.

«Dreifache kontinentale Wasserscheide» heisst das im Fachjargon. Auf der ganzen Welt gibt es nur eine Handvoll davon. Und diejenige im Gotthardmassiv war bis vor einigen Jahren kaum jemandem bekannt. «Als ich davon gehört habe, konnte ich es kaum glauben», sagt Paul Dubacher. «Da haben wir eine Weltattraktion quasi vor unserer Haustür und keiner weiss etwas davon.» Paul beschloss, dies zu ändern. Er ist der richtige Mann dafür, schliesslich hat er bereits den Vier-Quellen-Weg realisiert, der auf insgesamt 85 Kilometern Länge die Quellen der Flüsse Rhein, Reuss, Ticino und Rhone verbindet. Die Erweiterung zur dreifachen kontinentalen Wasserscheide wäre da quasi das Tüpfchen auf dem i.

Doch die Realisation eines Wanderwegs im hochalpinen Gebiet ist kein Zuckerschlecken. Von der nahegelegenen Rotondohütte aus führt der Weg eine gewaltige Geröllhalde hoch. «Als ich die zum ersten Mal sah, musste ich leer schlucken», erinnert sich Paul. Denn Geröll kann rutschen. Und um den Weg sicher zu machen, muss aus grossen Steinen eine Art Fundament gelegt werden. Mit einfachsten Hilfsmitteln, denn Maschinen bringt man mit halbwegs vernünftigem Aufwand hier nicht rauf. Vier Sommer lang waren  Pauls Männer, oft unterstützt von Zivilschutzeinheiten, an der Arbeit. Jetzt ist der Weg fertig.

Es ist natürlich kein Spazierweg geworden, gute Ausrüstung und etwas Kondition sollte man schon mitbringen. Aber für einen teilweise weiss-blau-weiss markierten Alpinwanderweg ist er sehr gut ausgebaut. Der 73-jährige Paul nimmt ihn immer noch  regelmässig unter die Füsse. Gut zwei Stunden dauert der Aufstieg von der Rotondohütte aus, dann ist sie endlich erreicht, die legendäre Felsplatte. Paul kennt in der Gegend jeden Gipfel, jeden Pass und alle Wege, die dorthin führen. Zum touristischen
Hotspot wird keiner davon werden, auch nicht, wenn eines Tages jedes Kind die Wasserscheide kennen sollte.

Dafür ist der Aufstieg viel zu aufwändig und anstrengend. Dennoch, erste positive Folgen zeigen die neuen Wanderwege bereits: Die Übernachtungszahlen in der Rotondohütte waren noch nie so gut wie im vergangenen Sommer. Das liege sicher auch am guten Wetter, meint Hüttenwartin Pia Biondi. Aber es sei auffallend, dass immer mehr Alpinisten extra wegen der dreifachen kontinentalen Wasserscheide ins Gotthardmassiv kämen. «Für uns ist das ein Segen.»

Oben bei der Felsplatte zeigt Paul mit Hilfe eines mühsam heraufgeschleppten Wasserkanisters, wie das Wasser in drei verschiedene  Richtungen abfliessen kann. Kurz kann man seinen Lauf nachverfolgen, dann verschwindet es zwischen den Felsen. Aber eins ist  sicher: Es tritt weiter unten wieder an die Oberfläche. Je nach Wind in ganz unterschiedliche Richtungen.

 
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Hier im Gotthardmassiv, auf dem vorderen der beiden Gipfel, liegt eine ganz besondere Felsplatte: eine dreifache kontinentale Wasserscheide.
Seit vergangenem Sommer ist diese Sehenswürdigkeit mit einem gut ausgebauten Wanderweg erschlossen.
Ausdauer sollte man jedoch mitbringen, denn die Wasserscheide liegt auf 3025 Meter über Meer, und der Aufstieg von der Rotondohütte aus dauert gut zwei Stunden.
Der 73-jährige Paul Dubacher nimmt ihn noch regelmässig unter die Füsse.
Er hat bereits den Vier-Quellen-Weg realisiert, der die Quellen der Flüsse Rhein, Reuss, Ticino und Rhone verbindet. Als er von der kontinentalen Wasserscheide höre, war ihm sofort klar, dass die Erweiterung des Wegs quasi das Tüpfchen auf dem i wäre.
Mithilfe eines mühsam heraufgeschleppten Wasserkanisters demonstiert Paul Dubacher, wie Regenwasser je nach Windrichtung in verschiedene Richtungen abfliesst und viel später entweder in der Nordsee, in der Adria oder im Mittelmeer landet.
Der Bau des Wegs war kein Zuckerschlecken. Um den Weg auf dieser Geröllhalde zu sichern, musste aus grossen Steinen eine Art Fundament gelegt werden.
Auch diese «Treppe» musste mit einfachsten Hilfsmitteln und ohne Maschinen gebaut werden.
Einen grossen Teil dieser Arbeiten haben Zivilschützer geleistet. Diese Gruppe hier baut aus Drahtgeflecht und Steinen einen Bachübergang.
Einer der Ausgangspunkte zur Wasserscheide ist die Rotondohütte.
Hüttenwartin Pia Biondi freut sich darüber, dass die Übernachtungszahlen wegen des neuen Wegs angezogen haben.

Fotogalerie: Kontinentale Wasserscheide