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«Sie mögen meinen selbstgemachten Zopf»

Die Franches-Montagnes im Kanton Jura sind bekannt für prächtige Wälder, weitläufige Landschaften – und für Freiberger-Pferde. Hier, im kleinen Dorf Le Bémont, betreiben Gabriel und Gisèle Rais einen Hof mit 30 Freibergern. Die beiden setzen ganz auf den naturnahen Tourismus. Wie es dazu gekommen ist, erzählen sie im Interview.

Januar 2017 / 

Ihr beide seid eigentlich Landwirte, führt euren eigenen Hof. Weshalb habt ihr zusätzlich mit dem Tourismus begonnen?

Gaby: Als ich 20 Jahre alt war, habe ich den Bauernhof von meinem Grossvater übernommen. Damals war er wenig ertragsreich, weshalb ich mit dem Tourismus angefangen habe. Man muss immer wieder etwas Neues anbieten, wenn man vorwärts kommen will – was natürlich viel Arbeit bedeutet. Das macht uns aber nichts aus, weil wir grosse Freude an den touristischen Tätigkeiten haben. Sie ermöglichen uns Kontakte zu vielen Menschen, was wir sehr schätzen.

Welche touristischen Erlebnisse bietet ihr an?

Gaby: Angefangen haben wir damals in den 70er Jahren mit Spazierfahrten in unseren Kutschen. Diese haben wir im Verlauf der Jahre laufend weiterentwickelt, so weisen die Kutschen heute einen viel besseren Komfort auf als zu jener Zeit. Sie sind gefedert und gedeckt, sodass Ausfahrten auch bei schlechtem Wetter möglich sind. Seit nunmehr 3 Jahren haben wir ein zusätzliches Angebot: Die calèches à fondue. Die Gäste können während der Kutschenfahrt Fondue essen. Unser Fondue ist übrigens speziell: Nebst den zwei klassischen Käsesorten enthält es eine dritte — den Tête de Moine, eine Spezialität aus der Region. Abgesehen vom Fondue ermöglichen wir mit unseren vielfältigen Aperitiven ein weiteres kulinarisches Erlebnis auf Rädern. Viele Leute kommen aber auch einfach vorbei, um mit unseren Pferden auszureiten. Im Sommer haben wir oft ganze Schulklassen hier. Unsere Besucher haben zudem die Option, in der Ferienwohnung in unserem Haus zu übernachten.

Du hast den Hof also von deinem Grossvater übernommen. Seid ihr ein typischer Familienbetrieb?

Gaby: Ja, das ist so. Unsere Töchter haben uns schon von klein auf tatkräftig unterstützt. Auch wenn sie mittlerweile ausserhalb arbeiten, helfen sie am Wochenende immer noch fleissig mit und sind sehr motiviert. Wir müssen sie nicht einmal darum bitten.

Gisèle: Da haben wir grosses Glück – denn gerade die Calèches à fondue benötigen viel Vorbereitungszeit: Pferde striegeln, Wagen putzen, Tische herrichten… Wir haben auch pensionierte Freunde, die mithelfen. Zudem sind jeden Sommer ein oder zwei Schülerinnen aus der Deutschschweiz für einen Sprachaufenthalt bei uns, die ebenfalls mitanpacken.

Gaby und Gisèle Rais mit ihren Pferden

Um bei der Region zu bleiben: Wie beurteilt ihr den Standort Le Bémont als Ausgangslage für den Tourismus?

Gaby: Le Bémont ist für unsere touristischen Angebote sehr gut gelegen. Man braucht nur aus dem Haus zu gehen, um auf den kilometerlangen Reit- und Wanderwegen die Region erkunden zu können. Das Dorf liegt lediglich drei Kilometer entfernt von Saignelégier, dem bekannten Hauptort der Franches-Montagnes, der eine gute Zuganbindung hat. Wir sind also auch von der Deutschschweiz aus gut erreichbar, woher ungefähr 80 Prozent unserer Besucher stammen. Auch aus einem weiteren Grund ist Le Bémont ein optimaler Standort: In der Umgebung gibt es weitere Personen, die auf den Tourismus mit Pferden setzen. Mit ihnen können wir kooperieren. Wenn wir beispielsweise grosse Aufträge haben, fragen wir diese Leute um Mithilfe. Eine Synergie entsteht natürlich auch, wenn unsere Besucher die Restaurants in der Region besuchen.

Wie steht es um die Saisonabhängigkeit eurer touristischen Angebote?

Gaby: Im Winter ist es eher ruhig. Die meisten Leute kommen dann über die Feiertage oder während der Sportferien. Wenn Schnee liegt, bieten wir Schlittentouren an. Dieses Angebot wird aber nur von wenigen Leuten genutzt, obwohl diese Touren wirklich schön sind. Die eigentliche Saison bei uns beginnt, sofern das Wetter stimmt, im April, und dauert bis im Oktober. Die stärksten Monate sind Juni und September, da es in dieser Zeit viele Firmenanlässe gibt. Da haben wir jedes Wochenende und auch ein bis zwei Mal unter der Woche Leute bei uns.

Was erwarten die Leute von einem Besuch bei euch?

Gisèle: Die Leute möchten die Region entdecken, die Franches Montagnes. Das ist das Wichtigste. Dabei schätzen unsere Gäste, dass wir keinen Massentourismus anbieten. Bei unserer Form von Tourismus hat man noch genügend Raum, nicht so wie in grossen Tourismuszentren wie Gstaad oder Zermatt. Hier hockt man nicht aufeinander. Genau das suchen die Leute bei uns: Raum zur Erholung, Ruhe und natürlich die Natur. Wir spüren richtig, dass die Menschen zu den ganz simplen Dingen zurückkehren. Das sind Personen, die von den normalen Hotels ein wenig gelangweilt sind und den Kontakt mit uns sehr schätzen. Sie mögen die einfachen Dinge wie beispielsweise meinen selbstgebackenen Zopf. Wir geben alles, damit unsere Gäste sich bei uns wohl fühlen. Das gelingt uns denk ich ganz gut, denn viele von ihnen machen jedes Jahr bei uns Ferien.

www.lescufattes.ch

Kommentare

Böni Josef | 30. Januar 2017 - 0:36
Super, Doch da ich kein Pferdenarr bin, sondern den wilden Orchideen im Jura nach renne und fotografiere ist meine Frage: Kann ich dort auch auf Orchideen Wanderungen gehen?
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Schweizer Berghilfe | 1. Februar 2017 - 8:55
Hallo Josef Wandern kannst du dort wunderbar. Doch ob du auch Orchideen finden wirst, wissen wir leider nicht. Melde dich doch mal bei 'Rais'. Vielleicht können sie dir weiterhelfen.
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