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Solarskilift Tenna

Im Bündner Bergdorf Tenna, wo einst ein vierzigjähriger Skilift dem Untergang geweiht war, steht heute der weltweit erste Solarskilift. Er dient nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Kraftwerk. Die Anlage produziert fünfzehnmal so viel Strom, wie sie selbst verbraucht. Von dieser Wertschöpfung profitiert eine ganze Region.

Juni 2018 / 

Inmitten des Naturparks Beverin, eingangs des Safientals, liegt Tenna auf rund 1650 m ü. M. Hier tummeln sich an einem sonnigen Wintertag viele Skibegeisterte. Der weltweit erste Solarskilift ist ein Segen für das Bergdorf mit seinen gut 100 Einwohnern und mehr als doppelt so vielen Gästebetten. Gut einen Viertel seines Umsatzes erwirtschaftet der aussergewöhnliche Skilift mit dem Stromverkauf. Dies war keineswegs so geplant.

Der Skilift ist zentral für den Tourismus

Seit 1950 besitzt die St. Galler Gemeinde Uzwil das Hotel Alpenblick in Tenna. Generationen von Uzwiler Schülerinnen und Schüler verbrachten seither ihre Schullager im Safiental. 1970 wurde die Lagerinfrastruktur um einen kleinen Skilift erweitert, der bald auch von den anderen Gästen rege benutzt wurde. Nach 40 Betriebsjahren aber lief die Konzession aus und die Gemeinde Uzwil wollte die Anlage nicht mehr weiter betreiben. Für Eduard Schaufelberger, Bauer und ehemaliger Politiker aus Tenna, war klar: „Wir konnten den Skilift nicht aufgeben, unser Tourismus hängt entscheidend davon ab.“ Zusammen mit den Landeigentümern im Skigebiet gründete er 2001 eine Genossenschaft. Das gemeinsame Ziel der gut 200 Genossenschafter war klar: der Erhalt des Skilifts.

Mutiger Entscheid

Seit Jahren sind viele Stall- und Hausdächer in Tenna mit Solarzellen bedeckt, weshalb bei der Projektevalutation eine naheliegende Idee auftauchte: Man könnte einen Skilift bauen, der den benötigten Strom mit Sonnenenergie selbst produziert. Bald zeigte sich, dass eine autarke Lösung, die mit auf umliegenden Dächern montierten Solarzellen den Strom für den Skilift produziert, technisch nicht umsetzbar ist. Trotzdem verfolgte der Vorstand die Idee weiter und fand im Flumser Seilbahnhersteller Bartholet einen geeigneten Partner. Gemeinsam entwickelten sie ein System, bei dem die Solarzellen auf sogenannten Panels über dem eigentlichen Skilift montiert werden. Der produzierte Strom betreibt nicht direkt den Skilift, sondern fliesst ins öffentliche Netz. Der Vorteil: Der überschüssige Strom kann zu einem guten Preis verkauft werden.

 

Skilift und Kraftwerk

An ihrer Generalversammlung im Februar 2010 entschieden die Genossenschafter mit grossem Mehr, das mutige Projekt „Solarskilift“ umzusetzen. Bereits im Dezember 2011 wurde der weltweit erste Solarskilift in Betrieb genommen. Oberhalb des Skilifts befinden sich zwei Tragseile, auf denen 82 sogenannte „Solarwings“ installiert sind. Diese werden mit einem Seilzug alle zehn Minuten automatisch der Sonne nachgeführt. Das ungewöhnliche Kraftwerk hat 25 Prozent mehr Leistung als eine herkömmliche Solaranlage. „Wir produzieren fünfzehn Mal so viel Strom, wie wir selbst verbrauchen“, erklärt Schaufelberger stolz. Rund 100 000 kWh sind es jährlich, das entspricht etwa dem Stromverbrauch von 25 Haushalten.

Die Wertschöpfung bleibt im Bergtal

Der Solarskilift transportiert bis zu 800 Personen pro Stunde. Wieder den Berg hinunter kann man auf viereinhalb leichten und mittelschweren Pistenkilometer abfahren. „Es sind praktisch ausschliesslich Wochengäste, die unseren Betrieb aufrechterhalten“, erklärt Daniel Buchli. Er ist der Kassier der Genossenschaft, die er mit seinen Vorstandskollegen Edi Schaufelberger, Yvonne Joos und Armin Buchli leitet. Die Anzahl beförderter Wintersportler ist gegenüber dem alten Lift um fast einen Drittel gestiegen. Aber noch wichtiger ist, dass durch den Solarskilift acht Einheimische eine Teilzeitstelle haben. „Wir wollen unsere Angestellten anständig bezahlen“, sagt Daniel Buchli. Zufriedene Mitarbeitende seien eine Stärke des Solarskilifts Tenna. „Ausserdem sind alle Angestellten Einheimische, das macht es authentisch und sympathisch.“ Sie sind es, die den direkten Kontakt mit den Wintersportlern pflegen. „Das Persönliche schätzen unsere Gäste sehr.“

 

Steckbrief

Projektname: Solarskilift Tenna

Ort: Tenna / GR

Projektträger: Genossenschaft Skilift Tenna

Projektstart: 2011

Produkt: Skilift, Strom aus Solarkraft

Investitionskosten: 1.4 Mio. Franken

Produktionsmenge pro Jahr: ca. 100 000 kWh

Eigener Verbrauch pro Jahr: ca. 6 500 kWh

Anzahl Arbeitsplätze: acht Teilzeitstellen (Wintersaison)

Kontakt: www.solarskilift.ch

 

 
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