Anpacken und Auftanken

Anpacken und Auftanken

In den Ferien Gutes tun: Das ist Voluntourismus. Zum Beispiel beim Heuen helfen auf dem Durannuhof im Wallis.

Wer sich in den Bergen nützlich machen will, hat auch diesen Sommer wieder die Möglichkeit, bei acht von der Schweizer Berghilfe unterstützten Projekten Voluntourismus-Ferien zu machen. Eines davon ist der Durannuhof in Leuk.

Der Laubbläser knattert, Heu stiebt durch die Luft, es riecht nach Spätsommer und ein bisschen auch nach Benzin. «Wir müssen das trockene Gras von den Suonen wegblasen und wegrechen, damit es Monika nachher mit dem Ladewagen einsammeln kann», sagt Nina auf den Rechen gestützt. Sie wischt sich den Schweiss von der Stirn. Normalerweise wäre sie um diese Zeit – es ist kurz vor Mittag – noch im Bett. Denn sie arbeitet als Nachtschwester in einem Altersheim. Doch diese Woche ist alles ein bisschen anders. Nina hat Ferien und verbringt diese zusammen mit ihrer Freundin Noëmi auf dem Durannuhof in Leuk. Dort helfen die beiden Baslerinnen der Bäuerin Monika Duran bei den täglichen Arbeiten. Jetzt, Anfang September, steht vor allem Heuen auf dem Programm. «Es ist schon streng, aber als Krankenschwester bin ich mir körperliche Arbeit gewohnt», sagt Nina. «Eine schöne Abwechslung ist für mich vor allem, draussen zu sein und etwas vom Tag zu haben.» Die Idee, eine Voluntourismus-Woche auf dem Bergbauernhof zu machen, hatte Noëmi, die sonst als Sozialpädagogin arbeitet. «Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, mal einen Alpsommer zu machen. Als ich im Internet auf das Voluntourismusangebot auf dem Durannuhof gestossen bin, dachte ich, das wäre ein guter Probelauf, um herauszufinden, ob ein Alpsommer überhaupt etwas für mich ist», erzählt sie, schiebt sich den Gehörschutz wieder über die Ohren und lässt den Laubbläser erneut aufheulen, als hätte sie nie etwas anderes gemacht.

 Voluntourismus in den Schweizer Bergen
Voluntouristin beim Heuen in den Schweizer Bergen.

Für die Durans sind die Voluntouristen ein Glücksfall. Denn Monikas Vater ist krankheitshalber für acht Wochen ausgefallen. Für einen kleinen Familienbetrieb wiegt es schwer, wenn eine Arbeitskraft fehlt. «Als wir uns für das Voluntourismus-Projekt angemeldet hatten, wussten wir das natürlich noch nicht. Jetzt sind wir erst recht froh, dass wir Unterstützung haben», sagt Monika. Auch wenn ihr Vater bald wieder auf den Beinen ist, gibt es für Voluntouristen auf dem Durannuhof immer noch genug zu tun. Denn die Bewirtschaftung ist hier aufwändiger als andernorts. Zum einen wegen der Suonen, den schmalen Gäben, die sich quer durch die Weiden ziehen und mit denen in der Region schon seit Jahrhunderten bewässert wird. «Nach einem festen Kalender wird jedem Bauern sein Wassertag zugeteilt», erzählt Monika. Dann, und nur dann, fliesst das Wasser in ihre Suonen. Manchmal tagsüber, manchmal aber auch nachts. Dann geht sie mit ihrem Vater raus auf die Wiesen, um das Wasser in den Suonen so zu umzuleiten und zu stauen, dass die gesamte Fläche etwas vom kühlen Nass abbekommt. Damit dieses Bewässerungssystem funktioniert, müssen die Suonen sauber gehalten werden, sonst verstopfen sie.

Noch etwas anderes ist auf dem Durannuhof speziell. Er liegt in einer einzigartigen, geschützten Heckenlandschaft, die Teil des Naturparks Pfyn ist. Die Hecken sind entlang der Steinmauern gewachsen, welche die Wiesen voneinander abgrenzen. «Die Steinmauern wurden aus dem Geröll des Bergsturzes gebaut, der im 14. Jahrhundert dort hinten runterkam und den Illgraben entstehen liess», erzählt Monika und zeigt zum Berg hinter dem Hof. Auch die Hecken müssen gepflegt werden, damit sie sich nicht in die Wiesen ausbreiten.

 Voluntourismus: beim Heuen helfen in den Schweizer Bergen

Bei all diesen Arbeiten – beim Suonen putzen, Bewässern, Heuen, Holzen und Heckenschneiden – können die Voluntouristen ebenso mitanpacken wie beim Versorgen der Tiere. Im Mai und September kann man im Stall bei den Schafen helfen, beim Alpauf- oder Abzug mit dabei sein. Während des Sommers bleiben noch die Pferde, Esel und Ziegen auf dem Hof. «Ich habe das Gefühl, dass wir hier wirklich gebraucht werden», sagt Noëmi. Pausenlos durchackern müssen die beiden Voluntouristinnen aber auch nicht. Einen der fünf Tage haben sie frei, um die Region zu erkunden. Und für ein gemütliches Mittagessen mit den Durans ist auch immer genug Zeit. Monikas Mutter hat gekocht. «Beim gemeinsamen Essen entstehen gute Gespräche, ich finde die familiäre Atmosphäre echt schön», sagt Nina. «Es ist spannend, in so einen Betrieb hineinzusehen und die Menschen dahinter kennenzulernen.» Und auch Monika schätzt den Austausch. «Die Voluntouristen sind für uns mehr als eine grosse Hilfe. Mit einigen Voluntouristen hat sich der Kontakt gehalten, sie haben uns wieder besucht, und es sind Freundschaften entstanden.»

Text und Bilder: Isabel Plana

Erschienen im Mai 2019
Voluntourist werden
Die Schweizer Berghilfe hat das Voluntourismusangebot in Zusammenarbeit mit dem Switzerland Travel Center aufgebaut. Diesen Sommer kann bei acht von der Schweizer Berghilfe unterstützten Projekten fünf Tage lang wohnen und mitarbeiten. Darunter auch wieder auf dem Durannuhof.
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