«Beim ersten Kurs hat es mir den Ärmel reingenommen»

Rolf Simmen, Projektbetreuer Landwirtschaft bei der Schweizer Berghilfe, ist auch begeisterter Imker. Er beantwortet ein paar Fragen zu ihm und seinen Bienen.

Deborah Schmid: Wie sind Sie auf das Imkern gekommen?
Rolf Simmen: Ich wohnte lange in Paris und arbeitete als Übersetzer. Vor über zehn Jahren hätte ich da ein Buch über Imkerei übersetzen sollen. Deswegen las ich das ganze Buch sehr interessiert durch. Als ich damit fertig war, ist die Übersetzung dann doch nicht zustande gekommen. Aber das Thema Imkerei hat mich nicht mehr losgelassen.

Und wie ging es dann weiter?
Ich entdeckte, dass man im Jardin du Luxemburg in Paris Imkerkurse belegen kann. Sofort schrieb mich ein und besuchte fortan jeden Samstag den Kurs. Als ich das erste Mal in einen Bienenstock hineingeschaut habe, hat es mich endgültig gepackt. Es war klar, dass ich weiter mit den Bienen arbeiten möchte. Deshalb habe ich nach dem Kurs jedes Wochenende weiter geimkert.

Hatten Sie in Paris eigene Völker?
Nein, in Paris war ich Mitglied in einem Verein und habe mich jeden Samstag um die vereinseigenen Bienenstöcke gekümmert. Als ich 2022 in die Schweiz zurückgekommen bin, wollte ich dann meine eigenen Bienenvölker haben.

Wie viele Bienenvölker haben Sie denn momentan?
Ich habe etwa 30 Völker, welche in der Stadt Luzern zuhause sind. Im Sommer bin ich etwa zwei bis drei Tage die Woche mit den Bienen beschäftigt.

Was hat die Imkerei mit Ihrer Stelle als Projektbetreuer Landwirtschaft zu tun?
Landwirtschaft und Imkerei sind voneinander abhängig. Denn Bienen leben von Nektar und von Pollen. Diese finden sie auf Pflanzen. Auch auf jenen, welche die Landwirte angebaut haben. Bienen wiederum sind sehr fleissige Bestäuberinnen von Fruchtpflanzen der Landwirtschaftsbetriebe.

Sie sind ja nicht nur bei den Bienen. An drei Tagen arbeiten Sie bei der Berghilfe. Was sind Ihre Aufgaben als Projektbetreuer Landwirtschaft?
Wir sind die Anlaufstelle für Gesuchsteller und beantworten auch Fragen zur Gesuchstellung. Wenn die Gesuche bei uns eintreffen, schauen wir, ob die Gesuche vollständig sind oder ob noch weitere Unterlagen benötigt werden. Wenn alle benötigten Unterlagen zusammen sind, können wir das Gesuch unseren ehrenamtlichen Expertinnen und Experten zur Prüfung schicken.

Was passiert mit den geprüften Projekten?
Die geprüften Projekte kommen dann wieder auf die Geschäftsstelle zurück, zusammen mit einem Antrag des Experten an den Projektausschuss. Der Projektausschuss tagt einmal im Monat und bestimmt, ob das Projekt von der Schweizer Berghilfe unterstützt wird oder nicht. Vor der Projektausschusssitzung wird das Dossier von uns nochmals geprüft und für den Projektausschuss vorbereitet. Wir wickeln alles nach dem Projektausschuss ab und verschicken auch die Informationsbriefe an die Gesuchsteller.

Hier die Bienen draussen, da die Arbeit bei der Berghilfe vor dem Bildschirm. Da scheint es mehr Gegensätze als Gemeinsamkeiten zu geben. Oder täuscht das?

Wenn ich ein neu eingereichtes Gesuch öffne, weckt es meine Neugier genauso, wie wenn ich eine Wabe aus der Beute ziehe. Bei der Bearbeitung eines Gesuchs wie auf dem Bienenstand muss man sehr schnell und sehr genau arbeiten, denn die Bienen verlieren ihre Geduld schnell, wenn ich einen Fehler mache - und die Gesuchstellenden verständlicherweise auch.

Interview: Deborah Schmid

Bilder: Rolf Simmen und Yannick Andrea

Erschienen im Mai 2024

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