Wachs – eine Frage des Vertrauens

Unterstützen Sie jetzt Geo Sala in Camedo/TI.

Der Tessiner Imker Geo Sala hat mit seinen rund 300 Bienenvölkern meist alle Hände voll zu tun. Doch die Erträge können von Jahr zu Jahr stark schwanken. Um das abzufedern, will Geo Sala im Winter Wachswaben produzieren – für seine Bienen und die seiner Kollegen. Denn im Tessin gibt es niemanden, der das macht.

Ein Surren erfüllt den Raum, als Geo Sala die Honigschleuder anschaltet. Unten läuft aus einem Rohr eine schaumige, braungelbe Masse in ein flaches Becken, wo sie kurz ruht und dann in einen Tank abgesogen wird. Hier kommt sie als klarer, goldener Strahl an – Honig. Bio-Honig sogar. Es ist flüssiges Gold, das Geo Sala jetzt Anfang August in seiner Werkstatt zuhinterst im Centovalli in Camedo erntet. Daneben fallen wichtige Wachsreste an.

Rund 300 Bienenvölker arbeiten für ihn. «Jedes kann hier zwischen 15 und 25 Kilo Honig pro Jahr produzieren», sagt der Bio-Imker. Mit «hier» meint er das Centovalli und das Maggiatal, wo seine Völker verteilt an rund 10 Plätzen stehen.

Das Centovalli liegt zwar nur 500 Meter über Meer. Aber die Hänge des Tals sind so steil, dass kaum Landwirtschaft und Industrie möglich sind. Und das ist ein Glück für Geo Sala. Denn so finden die Bienen ihre Nahrung in einer vielfältigen, wilden Natur. Kastanien, Akazien und hunderte von Wildblumenarten bieten ihnen von März bis Juli reichlich Nahrung. Ähnlich ist es im Maggiatal.

«Die Bienen faszinieren mich. Was sie mit dem Nektar machen, ist ja eigentlich fast wie Magie. Aber zur Imkerei bin ich eigentlich durch Zufall gekommen», sagt Geo. Nach seiner Ausbildung an der Landwirtschaftsschule hat er dieses und jenes probiert. Wichtig war ihm, viel draussen zu sein und nachhaltig wirtschaften zu können. Dann bot ihm ein Kollege einige Bienenvölker an. «Nach einigen Wochen wusste ich: Das ist es!», erinnert er sich. Das war vor 15 Jahren. Seit knapp 10 Jahren ist er einer der 20 Profi-Imker im Tessin. Daneben gibt es rund 500 Hobby-Imker.

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Wenn der Honig einmal geerntet ist, und die Bienen für den Winter mit Sirup versorgt sind, kommt eine ruhigere Zeit. Dann flickt Geo alte Waben-Rahmen, und wechselt alte oder beschädigte Wachsplatten aus. In diese sind die Waben teilweise schon vorgedruckt. Das machen Imker weltweit seit Jahrzehnten so. Aus gutem Grund: «Die Bienen verbrauchen etwa 10 Kilo Honig, um ein Kilo Wachs zu produzieren», erklärt Geo. Es ist Honig, der dann bei der Ernte fehlt.

Etwa alle vier Jahre müssen jene Wachsplatten ausgetauscht werden, in denen die Bienenlarven aufwachsen. Den Wachs dafür gewinnt Geo aus den alten Waben und aus den Deckeln der Honigwaben, die er jeweils vor dem Schleudern mit einer Maschine abschneidet. Wie die meisten Kollegen will er nur seinen eigenen Wachs verwenden. Nur so ist er ganz sicher, dass sich keine Schadstoffe darin befinden. «Ich bin Bio-Imker. Wären Pestizidrückstände oder sonstige Schadstoffe im Wachs, gehen sie über in den Honig und ich verliere die Bio-Knospe», sagt Geo. «Die Arbeit eines Jahres wäre vernichtet».

Bislang konnten Geo und seine Kollegen ihren Wachs nach Norditalien bringen. Doch der dortige Hersteller ist seit kurzem pensioniert. Da kam Geo die Idee, selbst Maschinen für die Platten-Herstellung zu installieren. So kann er die Bio-Qualität seines Honigs garantieren und seinen Tessiner Kollegen einen Service bieten. Doch ganz reichten die Mittel von Geo Sala nicht. Deshalb hat die Schweizer Berghilfe Unterstützung zugesichert. 15’000 Franken fehlen uns noch. Helfen Sie jetzt mit, diesen Betrag zu sammeln.

Text, Bilder und Video: Alexandra Rozkosny

Erschienen im September 2021