Das Haus aus naturbelassenem Holz

Das Haus aus naturbelassenem Holz

Die Holz Trub AG stellt Holzhäuser in Elementbauweise her. Dank eines besonderen Verfahrens taugt dafür auch minderwertiges Holz.

In Trub wohnen nicht viele Menschen. An den bewaldeten Hügeln wachsen aber unzählige Bäume. Aus denen baut die neu gegründete Holz Trub AG Häuser. Sie hat damit zehn hochwillkommene Arbeitsplätze geschaffen.

Holz ist ein wunderbarer Rohstoff. Es wächst nach, hält die Luft sauber und ist vor allem vielseitig einsetzbar. Die schönsten Stämme können zum Beispiel zu Möbeln verarbeitet oder als Bauholz verwendet werden, der Rest liefert beim Verbrennen Wärme. Das Problem: Der grösste Teil des Holzes wird unverarbeitet aus dem Tal ausgeführt, die Wertschöpfung fällt anderswo an. Zurück bleibt nur viel Arbeit und wenig Ertrag. In Zukunft soll dies anders sein. Das liegt an der Holz Trub AG. Diese produziert Elemente für Häuser – ausschliesslich aus lokalem Holz.

Das System ist so einfach wie überzeugend: Auf eine grosse Arbeitsbühne werden per Laserstrahlen die Umrisse des zu produzierenden Wandelements markiert. Arbeiter legen im entsprechenden Bereich Holzbretter nebeneinander. Dann kommt quer zur ersten Schicht die nächste Ladung Bretter, dann die dritte. Je nach Verwendungszweck besteht eine Wand aus sechs oder aus acht Lagen. Beste Qualität ist nur bei der sichtbaren Schicht nötig, überall sonst reichen auch Bretter aus, die Risse, Verfärbungen oder Astlöcher aufweisen. Sind die Bretter fertig aufgeschichtet, wird das ganze Paket auf der Arbeitsbühne eine Station weiter geschoben und landet unter dem Herzstück der Produktionsanlage, der Dübelmaschine. Diese bohrt vollautomatisch Löcher in den Bretterstapel und presst mit hohem Druck Holzdübel hinein. Die Dübel werden beim Hineindrücken benetzt, quellen deshalb im Bohrloch auf und verbinden so die geschichteten Bretter fest miteinander. Weitgehend ohne Leim, Schrauben oder andere Fremdstoffe entstehen so Elemente, die so stabil sind, dass man mit ihnen mehrstöckige Häuser bauen kann. In einem letzten Arbeitsschritt werden die Elemente computergesteuert auf die exakten Masse ausgeschnitten und allfällige Löcher für Fenster oder Türen herausgefräst. Die einzelnen Elemente verlassen dann das Tal, werden per Lastwagen auf die Baustelle gefahren und zusammengefügt.

Das Projekt in Kürze

  • Zimmerei
  • Produktionsanlage für Holzbauelemente
  • Trub/BE

Günstiger als beim konventionellen Bau mit Backsteinen oder Beton kommt ein Haus so zwar nicht zu stehen, ansonsten gibt es aber viele Vorteile, wie Firmengründer und Hauptaktionär Jürg Hirschi sagt: «Der grösste Vorteil ist, dass ein Haus, das nur aus Holz besteht, atmen kann.» Die Elementwände nehmen überschüssige Feuchtigkeit auf und geben sie in trockenen Perioden, etwa wenn im Winter geheizt wird, langsam wieder ab. Das Klima im Haus wird dadurch viel angenehmer. Wichtig ist den Käufern eines Truber Holzhauses auch der Umweltaspekt. Bei der Herstellung der Häuser fallen kurze Transportwege an, und die Bauweise der Elemente ist wenig energieintensiv. «Der Bau unserer Häuser verbraucht deshalb massiv weniger Energie als bei konventionellen Häusern», sagt Geschäftsführer Toni Küchler.

Die Idee zur Produktion der Elemente kam Jürg Hirschi vor zwei Jahren. Sie tauchte in Form eines Wandergesellen in seiner Zimmerei auf. Der Geselle war Sohn eines Zimmermeisters aus dem Appenzellerland, der bereits nach dem System mit den Holzdübeln Elementhäuser produzierte, auf Maschinen eines Toggenburger Maschinenbauers. Als der Geselle Hirschi von diesem System erzhählte war für den jungen Unternehmer sofort klar, dass er mit diesem Geschäft nicht nur seiner Zimmerei einen Wachstumsschub verpassen könnte; das ganze Trub würde profitieren. Hirschi fand rasch Interessierte, die gemeinsam mit ihm diese Idee umsetzen wollten: Waldbesitzer, Sägereibetreiber, Schreiner und Baufirmen aus der Gegend. Das Problem war aber die Finanzierung. «Nur schon die nötigen Maschinen kosteten 1,3 Millionen Franken», erzählt Jürg Hirschi. Einen grossen Teil der Kosten hätten durch das Aktienkapital und durch Bankkredite gedeckt werden können. Aber nicht alles. Erst als die Schweizer Berghilfe ihre Unterstützung am Projekt zusicherte, konnten die Truber Holzverarbeiter vorwärts machen. Seit einem guten Jahr läuft nun die Produktion. Eine Handvoll Häuser ist bereits gebaut und bewohnt. Die Nachfrage ist so erfreulich, dass oft im Zweischicht-Betrieb gearbeitet wird. Zehn neue Arbeitsplätze sind durch die Holz Trub AG bereits entstanden. Und das Truber Holz, das hat endlich wieder einen Wert.

truberholz.ch

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im Februar 2014