Der Erfinder des 3-PS-Skilifts

Der Erfinder des 3-PS-Skilifts

Der Bergbauer Edi Hess zieht die Kinder der Skischule mit seinen Pferden den Hang hoch.

Im Leben von Edi Hess dreht sich alles um Pferde. Sie haben ihn vor 30 Jahren in die Surselva geführt, haben ihn zum Kutscher, dann zum Bergbauern und schliesslich sogar zum Skiliftbesitzer gemacht. Zum Besitzer eines Skilifts, bei dem die Kinder den Weg hinauf mindestens so sehr lieben wie die Fahrt nach unten.

«Ich weiss nicht mehr genau, wie ich auf die Idee mit dem PferdeSkilift gekommen bin. So kompliziert ist die Sache ja nicht. Ein etwas umgebauter dreispänniger Schlitten, ein langes Seil mit Haltegriffen dran – fertig ist «Edis Bio-Pferdelift». Ich bin halt immer auf der Suche nach neuen Einsatzmöglichkeiten für meine Pferde. Es war mir schon immer wichtig, dass sie zum Arbeiten kommen. Ich will nicht den ganzen Tag über mit Maschinen arbeiten und am Abend dann mit den Pferden ein Fitnesstraining absolvieren. Wenn man es nicht übertreibt, hält Arbeit die Pferde gesund wie sonst nichts.»

«Seit ich denken kann, spielen Pferde eine wichtige Rolle in meinem Leben. Ich bin im Luzernischen auf dem Land aufgewachsen, und da waren immer Pferde um mich herum. Meine eigenen Pferde waren es dann, die mich als junger Mann nach Sedrun in die Surselva gebracht haben. Ich war auf der Suche nach Arbeit, die ich mit den Pferden erledigen konnte, und wurde hier im Bergwald fündig. Damals wurde die gefällten Stämme teilweise noch mit Pferden aus dem Wald gezogen. Bald haben mich die Landschaft und die Leute hier gepackt. Besonders Silvia aus dem kleinen Dörfchen Rueras bei Sedrun. Sie ist heute meine Frau, und wir haben zwei erwachsene Kinder.»

«Sie war natürlich nicht ganz unschuldig daran, dass ich hier geblieben bin. Ich fing an, Kutschen- und im Winter Schlittenfahrten anzubieten. Eine Weile lang lief das richtig gut. Es hatte viele Touristen hier oben, und im Winter waren die Strassen immer ungesalzen. Da war es ein Traum, mit dem Pferdeschlitten unterwegs zu sein. Der Einbruch kam mit den Neat-Bauarbeiten. Viele vermieteten ihre Ferienwohnungen und Gästezimmer an die über 1000 Bauarbeiter. Keine ständigen Mieterwechsel, garantierte Auslastung – das war für viele verlockend. Doch die Stammgäste fanden nun keinen Platz mehr und suchten sich eine neue Feriengegend. Und die Bauarbeiter hatten natürlich wenig Interesse an Kutschen- und Schlittenfahrten. Ich verdiente als Kutscher nicht mehr genug, um davon leben zu können.»

Das Projekt in Kürze

  • Bergbauern
  • Bau einer Sickerleitung
  • Rueras/GR

Schwiegervater liess freie Hand

«Zum Glück suchten gerade in jener Zeit meine Schwiegereltern einen Nachfolger für ihren Bergbauernbetrieb. Ich hatte eine Landwirtschaftsausbildung und in jungen Jahren auch immer wieder als Betriebshelfer gearbeitet, war also zumindest theoretisch geeignet. Ich konnte mir auch gut vorstellen, Bergbauer zu werden. Allerdings hatte ich meine ganz eigenen Vorstellungen, die sich nicht unbedingt mit der Art deckten, wie mein Schwiegervater den Betrieb führte. Er willigte aber sofort ein, mir meinen Weg zu lassen. Also stürzten Silvia und ich uns in dieses Abenteuer. Wir hörten auf zu melken, setzten stattdessen auf Mutterkuhhaltung, Geissen und Wollschweine. Die Ställe konnte ich mit wenig Aufwand so umbauen, dass alle Tiere Auslauf hatten und die Möglichkeit, jederzeit nach draussen zu gehen. Das mit den Wollschweinen mussten wir nach einigen Jahren wieder aufgeben, weil sie sich als wahre Ausbrecherkönige herausgestellt haben, aber sonst funktioniert es gut. Mit den Einkünften aus Kutschen- und Schlittenfahrten, dem Direktverkauf von Fleisch und den Direktzahlungen kommen wir über die Runden. Der Hof ist klein und wir machen keine grossen Sprünge, aber dafür können wir im Einklang mit der Natur wirtschaften. Wir bauen Getreide für Brot und Futter an, ausserdem Kartoffeln und Topinambur. Die meisten Arbeiten erledige ich mit den Pferden. Auch das Pflügen und das Wenden des Heus. Wenn man nicht zu grosse Flächen hat, kommt man mit den Pferden nicht langsamer voran als mit dem Traktor. Ausserdem wird das Land massiv weniger geschädigt. Es gibt also viele gute Gründe, wenn immer möglich die Pferde einzuspannen. Meine persönliche Motivation aber eine andere: Ich bin einfach glücklich, wenn ich mit den Pferden arbeiten kann.»

«Vor einem Jahr haben wir nun das Wohnhaus von Silvias Eltern übernommen. Wir dachten, es sei in gutem Zustand, aber wenige Monate nach unserem Einzug bekamen wir immer stärkere Probleme mit Schimmel. Erst nur innen, dann verfärbten sich plötzlich die Aussenmauern grün. Die einzige Lösung: eine Sickerleitung rund um das Gebäude. Eigentlich einfach, aber sehr aufwändig. Und teuer. Zu teuer für uns. Erst, als die Schweizer Berghilfe uns unterstützte, konnten wir bauen. Dafür sind wir sehr dankbar. Jetzt können wir wieder vorwärts schauen und uns auf Neues konzentrieren. Zum Beispiel auf den Pferde-Skilift.»

biohof-edihess.ch

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im November 2016