Der Wohlfühl-Fels

Der Wohlfühl-Fels

Wände aus Lehm, Betten aus Arvenholz, Photovoltaik auf dem Dach: Die Pensiun Laresch setzt auf Naturbaustoffe und erneuerbare Energie.

Ein kleines Berghotel aus natürlichen Baustoffen: Diesen Traum haben sich Marianne Peyer und Lukas Hug im Bündnerischen Mathon verwirklicht – und damit das Dorf belebt. Bis dahin war es ein weiter Weg, der im Zug von Luzern nach Aarau eine entscheidende Wendung nahm.

Als Marianne und ihr Mann Lukas eines Morgens im Jahr 2014 vor der Baugrube ihres zukünftigen Hotels in Mathon standen, wussten sie: «So wird das nichts.» Das geplante Bauprojekt war ins Stocken geraten und drohte, immer teurer zu werden. «Uns wurde klar, dass wir die Pläne umkrempeln müssen», sagt Marianne. Schliesslich stand ihr ganzes Vermögen auf dem Spiel. «Zum Glück hatte uns die Berghilfe bereits zu Beginn des Projekts ihre Unterstützung in Aussicht gestellt», sagt Lukas. «Das gab der Bank die nötige Sicherheit, um uns in dieser schwierigen Phase nicht hängen zu lassen.» Ans Aufgeben dachten die beiden Luzerner nicht. Zu lange hatten sie vom eigenen, kleinen Berghotel geträumt und dafür gespart. «Wir wollten ein Angebot schaffen für Leute wie uns: eine gediegene, aber einfache, familiäre Unterkunft am Puls der Natur», erzählt Lukas. Dafür musste nun aber ein neuer Architekt her, der das Projekt wieder auf Kurs brachte. Marianne erinnerte sich an den Architekten, mit dem sie oft im Zug von Luzern nach Aarau zur Arbeit pendelte, und rief ihn an.

Sein neuer Entwurf für die «Pensiun Laresch» stellte zunächst einmal alles auf den Kopf. Statt eines runden Holzhauses, wie es Marianne und Lukas ursprünglich geplant hatten, schwebte ihm ein moderner, kantiger Bau vor. «Wir mussten erst mal leer schlucken», sagt Marianne. Und Lukas schmunzelt: «Er hat immer etwas von einem Fels erzählt, und wir dachten: «Typisch Architekt» und konnten uns das, was er da auf seinen Plänen skizziert hatte, nicht so recht vorstellen.»

Das Projekt in Kürze

  • Pensiun Laresch
  • Neubau des Hotels
  • Mathon/GR

Dieser Fels ist heute so etwas wie das neue Wahrzeichen Mathons. Und der Grund, warum seit drei Jahren plötzlich Touristen aus dem Unterland, ja sogar dem Ausland, in das gerade mal 50 Einwohner starke Bündner Bauerndorf kommen. Hier oben am Rand des Naturparks Beverin gibt es kein Skigebiet, keine Attraktionen. Nur Wanderwege, ein wunderbares Bergpanorama und Lärchenwälder. Aber das findet man auch anderswo. Ein Berghotel wie die Pensiun Laresch hingegen ist etwas Besonderes. Nicht nur wegen der mutigen Architektur, auch wegen der «inneren Werten». «Natürliche Baustoffe und eine ökologische Bauweise waren uns sehr wichtig, daran haben wir auch im zweiten Anlauf des Projekts festgehalten», sagt Lukas. Böden und Türen sind aus Lärchen-, Betten und Regale aus Arvenholz. Beim Duschen ist man von Naturstein umgeben. Die Wände sind mit Lehm, die Aussenfassade mit Kalk verputzt. Geheizt wird mit einer Erdsonde, und den Strom liefert die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.

Kundschaft für die Hofläden

Vom ersten Tag an hatten Marianne und Lukas eine grosse Nachfrage. Während der Sommermonate sind die sieben Zimmer praktisch immer belegt. Die Gäste, die hier Ferien machen, sind Naturliebhaber und Ruhesuchende. Auch deshalb passt das Hotel gut ins Dorfbild. «Anfangs waren die Einheimischen uns zwei Unterländern gegenüber schon recht skeptisch», erinnert sich Lukas. «Viele dachten, wir wären nach spätestens zwei Jahren wieder weg.» Mit der Zeit wuchs aber die Neugier, und am Tag der offenen Tür erschien fast das ganze Dorf, um den «Fels» von innen zu sehen. Zur Akzeptanz beigetragen hat auch, dass die Bauernfamilien vom Hotel profitieren. Die Pensiun Laresch nimmt ihnen Wurst, Eier und Käse ab – und hat Kundschaft für ihre Hofläden gebracht.

Marianne und Lukas beschäftigen vier Teilzeitangestellte in der Pensiun. Sie beide arbeiten jeweils noch zwei Tage die Woche auswärts, Marianne in der Bibliothek in Aarau, und Lukas als Schulleiter in Chur. «Wir sind gerne Gastgeber und schätzen den Austausch mit unseren Gästen sehr. Aber man muss aufpassen, dass man auf Dauer nicht ausbrennt», sagt Marianne. «Das auswärts Arbeiten ist für uns beide ein wichtiger Ausgleich.» Dass der Arbeitsweg nach Aarau nun noch länger ist als früher, macht ihr nichts aus. Wer weiss, wen sie beim Pendeln noch alles kennenlernt.

laresch.ch

Text und Bilder: Isabel Plana

Erschienen im Oktober 2018