Eine stille Mäh-Revolution

Motormäher sind laut, stinken und schütteln den Bauern kräftig durch. Alles Vergangenheit, zumindest wenn es nach Gian Caduff geht. In seinem Heimatort im Val Lumnezia hat der Maschinenbauingenieur ein Elektrifizierungs-Kit für Landmaschinen entwickelt.

«Mein Bruder ist mein Versuchskaninchen. Auf seinem Hof, einige hundert Meter von meiner Werkstatt entfernt, testet er jede neue Version unseres Produkts. Sein grosse Vorteil: Er ist alles andere als zurückhaltend beim Anbringen von Kritik. Inzwischen ist aber sogar er schon fast begeistert von unserem elektrischen Motormäher. Es steckt nun ja mittlerweile doch schon etwas an Arbeit drin.

Seit ich mich erinnern kann, bastle ich an Maschinen herum. Eine Lehre als Landmaschinenmechaniker bot sich an, und das anschliessende Maschinenbaustudium war für mich die logische Fortsetzung – auch wenn ich in meinem Studiengang der einzige Landmaschinenmech war. Danach ging ich zum Arbeiten ins Unterland - wie eigentlich alle Jungen aus meinem Tal, die studiert hatten. Ich hatte einen spannenden Job bei einer Firma im Kanton Zürich, die Kommunalfahrzeuge herstellt. Doch ich wollte wieder zurück ins Val Lumnezia. Ich gründete meine eigene Firma und richtete mir im ehemaligen Kuhstall meiner Eltern eine Werkstatt samt Büro ein. Hier übernehme ich für verschiedene Firmen Entwicklungsaufgaben, zeichne am Computer Pläne oder baue Prototypen zusammen.

Einen grossen Teil meiner Zeit widme ich jedoch von Anfang an meinem eigenen Projekt: Ich habe ein Umbau-Kit für einachsige Motormäher entwickelt. Benzinmotor und Tank fliegen raus und werden durch eine Einheit aus Elektromotor und Batterie ersetzt. Das tönt einfach, hat aber seine Tücken. Ein Zielkonflikt besteht auch immer zwischen Gewicht und möglicher Einsatzdauer. Jetzt, mit zwei Akkupaketen mit einer Kapazität von je fünf Kilowattstunden, haben wir genug Strom für etwa drei Betriebsstunden. Es wird nie möglich sein, mit einem elektrischen Mäher einen ganzen Tag ununterbrochen zu arbeiten. Aber das macht in der Praxis ja auch kaum jemand.

Das Projekt in Kürze

  • Ingeneur-Werkstatt
  • Produktentwicklung
  • Morissen/GR

Neustart mit vollem Einsatz

Wir haben den Sommer über unzählige Tests im Alltagsbetrieb auf verschiedenen Bauernhöfen gemacht. Die Landwirte mussten zwar teilweise ihre Arbeitsabläufe etwas umstellen, sind aber ansonsten sehr zufrieden. Nicht nur aus ökologischen Gründen. Sondern vor allem wegen des Komforts. Unser Mäher ist einerseits viel leiser als herkömmliche und stinkt nicht. Andererseits fallen die vom Benzinmotor ausgehenden Vibrationen weg. Das macht offenbar einen noch grösseren Unterschied, als ich mir ursprünglich erhofft hatte. Man ermüdet viel weniger schnell.

Inzwischen ist die Entwicklungsphase abgeschlossen. Ich habe bereits erste Mäher für Kunden umgerüstet. Das habe ich noch selbst in meiner Werkstatt gemacht. Ziel ist jedoch, dass ich künftig unser Kit direkt an den Landmaschinenmechaniker des Kunden liefere und dieser den Umbau vornimmt.

Ich habe noch einige Ideen. Zum Beispiel kann das Kit auch an Schneefräsen montiert werden. Eigentlich fast überall, wo bisher ein kleiner Benzinmotor verbaut war. Aber zuerst geht es jetzt mal darum, unsere Firma weiterzuentwickeln. Dazu habe ich mich mit einem Partner zusammengetan. Daniel kenne ich schon aus der Schulzeit. Wir sind beide in ähnlichen Bereichen tätig und ergänzen uns sehr gut. Ziel ist aber, schon bald weitere Personen anzustellen. Ich bin sicher, dass bald viel Bewegung in den Markt kommt und in zehn Jahren kaum noch Einachsmäher mit Benzinmotor verkauft werden.»

Text: Max Hugelshofer

Bilder: Yannick Andrea

Erschienen im Januar 2022
Die Unterstützung
Zeit und Gehirnschmalz hatte Gian Caduff bereits sehr viel in sein Umbaukit zur Elektrifizierung von Einachs-Mähern gesteckt, doch für die Produktherstellung reichten die eigenen finanziellen Mittel nicht. Die Berghilfe ermöglichte mit ihrer Unterstützung den entscheidenden Schritt zur Realisierung der Erfindung.

Kurzinterview mit Kunde Simon Vögeli

Einen Sommer lang haben Sie nun Ihren elektrischen Einachsmäher von Gian Caduff bereits genutzt auf Ihrem Biobetrieb oberhalb von Thun. Sind Sie zufrieden?

Absolut. Er ist noch besser, als ich es mir erträumt hatte. Aber man muss natürlich auch sagen, dass ich schon lange auf der Suche nach genau so einem Gerät war. Insofern war ich sicher voreingenommen (lacht). Der elektrifizierte Mäher passt einfach perfekt zu unserem Betrieb.

Inwiefern?

Wir setzen seit der Betriebsübernahme voll auf Einachser und Balkenmäher. Wir erreichen so mit weniger Energieaufwand gleich viel wie andere mit schwerem Gerät. Später suchte ich nach Möglichkeiten, unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Auf die Photovoltaikanlage folgte ein kleines Elektroauto, danach baute ich den Hoflader so um, dass er elektrisch fuhr – mit Kabel und somit 50 Meter Bewegungsradius. Ich wartete nur darauf, dass jemand etwas erfand, das es mir auch auf dem Feld draussen ermöglicht, elektrisch zu arbeiten.

Mussten Sie die Arbeitsabläufe umstellen?

Nicht übermässig. Mit einer Akkuladung kann ich 1,5 Hektaren mähen. Danach schadet eine Pause sowieso nichts – auch wenn das Mähen jetzt viel weniger anstrengend ist. Es schüttelt mich nämlich nicht mehr ständig durch und ich brauche auch keinen lästigen Gehörschutz mehr.

 Kunde Simon Vögeli ist begeistert von seinem elektrischen Einachsmäher.