Ferien bei Pferden und Kühen

Ferien bei Pferden und Kühen

Vor 10 Jahren konnte Familie Moser dank der Berghilfe ihr Agrotourismus-Angebot ausbauen. Das ist daraus geworden.

Ein Schilter-Transporter aus den Siebzigerjahren und ein Motormäher – das ist der komplette motorisierte Maschinenpark auf dem Bio-Bauernhof von Regula und Stefan Moser. Die beiden Maschinen braucht Stefan zum Heuen. Für alle anderen Arbeiten setzt Stefan auf natürliche PS. Seine Pferde spannt er vor die Zettlermaschine, vor das Güllenfass und im Winter auch vor den Schneepflug. Er macht dies aus ökologischen Gründen. Aber nicht nur: «Bei unserem kleinen Betrieb sind die Pferde bei den meisten Arbeiten sogar effizienter als Maschinen.» Grosse Investitionen kann er sich sparen, und teure Reparaturen an motorisiertem Gerät gibt es nicht. Und viel länger dauert die Arbeit auch nicht.

Natürlich geht diese Rechnung vor allem bei einem kleinen Betrieb auf. Doch Mosers sind zufrieden mit ihren 5,5 Hektaren. Sie halten fünf Kühe, und Stefan stellt aus deren Milch sieben verschiedene Käsesorten her. Den Käse verkaufen Mosers am Wochenmarkt in Thun. Die Nachfrage ist so hoch, dass sie seit einigen Jahren nicht nur die eigene Milch verkäsen, sondern von einem benachbarten Bio-Bauern zukaufen. Ganz zu Beginn, im «jugendlichen Übermut», hätten sie gerne mehr Pachtland und mehr Tiere gehabt, erinnern sich die beiden. Aber irgendwann hätten sie erkannt, dass die jetzige Grösse des Betriebs perfekt sei. Über Erfolg oder Misserfolg würden andere Faktoren entscheiden. Stefan: «Wir haben unseren Betrieb nicht mit Vergrösserung, sondern mit Kostenoptimierung, Wertschöpfung und der Nutzung unserer persönlichen Stärken weiterentwickelt.»

Wichtig sind verschiedene Standbeine. Eines davon ist der Tourismus. Vor knapp 15 Jahren richteten Mosers in einem etwas abseits stehenden, ungenutzten Gebäude eine einfache, aber gemütliche Gästeunterkunft ein und boten Ferien auf dem Bauernhof an. Das lief super, und vor zehn Jahren konnten sie dann mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe das gleiche Haus weiter ausbauen. Nun fanden zwei Familien Platz. Eine lohnende Investition. Inzwischen haben Mosers unzählige Gäste beherbergt, sogar aus Kanada oder Israel. Gerade für Familien mit Kindern ist ihr Hof über Thun ein Paradies. Wenn jemand mithelfen will, dann nimmt sich Stefan die Zeit und findet eine passende Aufgabe. «Am Abend im Stall läuft ihm manchmal eine ganze Kinderschar hinterher», lacht Regula. Inzwischen könne er sehr gut abschätzen, welchem Kind er welche Arbeiten zutrauen kann. «Und viele kennen wir ja schon, weil sie immer wiederkommen.»

sinnpathie.ch

Text und Bilder: Max Hugelshofer

Erschienen im Juni 2015

Das Projekt in Kürze

  • Bergbauernfamilie
  • Ausbau eines Agrotourismus-Angebots
  • Goldiwil/BE