Frischer Elan auf abgelegener Ziegenalp

Auf der Alpe Montoia geht die Zeit langsamer. Neue sanitäre Anlagen bringen zumindest ein bisschen Moderne.

Welten liegen zwischen den Luxus-Boutiquen am Lago Maggiore und der schlichten Alpe Montoia. Dabei versteckt sich die Ziegenalp, auf der Gabriele Guggiari und Lara Demarchi den preisgekrönten Formagella di Capra herstellen, direkt hinter dem Wahrzeichen der Region, dem Monte Tamaro.

Es ist der vierte Sommer, in dem Gabriele und Lara die auf 1633 m ü. M. gelegene Alpe Montoia gemeinsam bewirtschaften. Die Arbeitsteilung ist klassisch: Gabriele käst, die ausgebildete Hotelfachfrau Lara kümmert sich um den Haushalt und die Bewirtung der Gäste. Es sind Wanderer, die den Umweg von der beliebten Ausflugsroute zwischen Monte Tamaro und Monte Lema unter die Füsse nehmen. Im Hochsommer findet auf dem Weg oberhalb der Alp so etwas wie eine kleine Völkerwanderung statt, lacht Lara, die im Winter in einem Grotto im Raum Bellinzona arbeitet. Vor ein paar Jahren wanderte Gabriele Guggiari hier vorbei und hielt Ausschau nach Sommerweiden für seine Ziegen. Als ich zur Alpe Montoia kam, wusste ich, dass ich den idealen Ort gefunden hatte, sagt das Multitalent. Einige Jahre hatte Guggiari als Bäcker in Brasilien gearbeitet, ehe er als Käser im Maggiatal seine Berufung fand. Er wollte auf Montoia Käse herstellen, um für sich und seine Partnerin ein Auskommen zu finden. Beim Patriziat von Indemini rannte er mit diesem Vorhaben offene Türen ein. Das Patriziat der kleinen Ortschaft hatte die lange vernachlässigte Alp eben wieder funktionstüchtig gemacht und suchte einen fähigen Käser. Es mussten notwendige Geräte wie Käsechessi und Milchgeschirr angeschafft, der Käsekeller ausgebaut und ein kleines Gästezimmer eingerichtet werden. In der Sennenunterkunft brauchte es zudem neue sanitäre Anlagen. Das Patriziat konnte die Investitionen allerdings nicht alleine tragen. Erst mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe gelang es, wieder Leben auf die Alpe Montoia zu bringen.

Rückkehr des Formagella di Capra

Nun kann Gabriele Guggiari sein Talent als Käser unter Beweis stellen. Die Vorraussetzungen am Monte Tamaro sind hervorragend. Das Weideland hier oben ist erstklassig, weiss er. Und Wasser gibt es auch im Überfluss 130 Quellen entspringen über das Gelände verteilt, ergänzt Lara. Einer der kleinen Bäche wird durch ein einfaches Steinhäuschen geleitet ein perfekt funktionierender Alpenkühlschrank. Im Käsekeller, der hier Cantina genannt wird, ist Gabriele Guggiari mit der Pflege seines bereits mehrfach prämierten Formagella di Capra beschäftigt. Halbkilo- und Kilolaibe sind im kleinen Steingewölbe fein säuberlich auf Holzplanken verteilt. Das Gute und auch Schwierige bei diesem Ziegenkäse ist, dass er nicht zu hart sein darf. In der Regel ist er nach drei bis sechs Wochen Lagern schon gut. Meist ist es Lara, die einmal pro Woche den mit Käselaiben gefüllten Rucksack schultert und ins Tal geht. Auf den rund anderthalbstündigen Abstieg zu Fuss folgt eine Autofahrt nach Locarno, Bellinzona und Lugano. Wir verkaufen den Käse direkt an eine Reihe von Grotti und Osterien, sagt sie. Unkomplizierter als die wöchentliche Verkaufsrunde in der Ebene ist der Direktverkauf auf der Alp: Mit der Einrichtung des Gästezimmers gleich neben dem Ziegenstall können die Käufer jetzt gleich auf der Alp übernachten und das Morgenkonzert wird immer mehr Wanderer sanft aus dem Schlaf holen.

Erschienen im August 2011

Das Projekt in Kürze

  • Indemini/TI